Kleine Kapelle – große Geschichte

Alte Kapelle auf Melaten
Kapelle Melaten mit Kreuz

Ich bin alt…sehr alt. Um genau zu sein, bin ich 3 Jahre älter als der Dom. Nein, nicht der fertige, ich meine seinen ersten Stein. Ich wurde von niemand Geringerem als dem damaligen Erzbischof, Konrad von Hochstaden, geweiht, über drei Jahre, bevor er den Grundstein zum Bau des Kölner Domes legte, am 6. Juni 1245. Geweiht wurde ich der heiligen Dreifaltigkeit, der heiligen Maria und dem heiligen Dionysius. Im Jahre 1474 wurde ich abgerissen und neu erbaut, ersetzte die Kirche, die ich einst war. Mittlerweile stand ich und stehe bis heute unter dem Patrozinium der heiligen Maria Magdalena und des heiligen Lazarus. Unter diesem Namen kennt man mich. Viel Zeit ist vergangen und ich habe vieles erlebt, vieles mit ansehen müssen…

Kapelle auf Melaten

„Melaten – nicht immer Friedhof“

Der Friedhof Melaten, auf welchem ich mich befinde, war nicht immer Friedhof. Lange, bevor es mich gab (ich schließe meinen Vorgängerbau hier mit ein), entstand hier ein Leprosenhaus, dessen Kirche/Kapelle ich wurde. Eine letzte Heimat für die Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung, der Lepra, zu Aussätzigen geworden waren. Dieses Haus wurde zum ersten Mal im Jahre 1180 erwähnt. Der Name Melaten, den dieser Ort noch heute trägt, leitet sich vom lateinischen „malati“ ab, was „die Kranken“ bedeutet. Ein Friedhof ist dies hier erst seit ca. 210 Jahren, vorher war dieser Platz neben der Beherbergungsstätte der Kranken auch der kölsche Hinrichtungsort, für Hexen, Verbrecher und auch Märtyrer, wie Adolf Clarenbach, der hier für die Verbreitung seines Glaubens, auf dem Scheiterhaufen den Tod fand, um nur einen Namen zu nennen.

„Der Weg der Kranken“

Während die Menschen heute einfach zum Arzt gehen können, sollten sie krank werden, Medikamente verschrieben bekommen und im besten Fall wieder gesund werden können, war das im Mittelalter nicht so einfach. Wurden Anzeichen von Lepra festgestellt, wurde derjenige regelrecht verstoßen, er musste nach Melaten. Sollte er dort seine Heilung erfahren, durfte er zurück in die Stadt, was allerdings nicht oft vorkam. Im Gegenteil, viele der Menschen, die hierher kamen, lebten oft nicht mehr allzu lang. Einige wenige durften mit besonderer Genehmigung des Rates und einer Kleidung, die erkennen ließ, um wen es sich hier handelte, an bestimmten Tagen zum betteln in die Stadt.

Allen voran ging der sogenannte Schellenknecht, der mit seiner Schelle auf die Gruppe der Leprakranken aufmerksam machte. Was für eine schlimme Geschichte. Was besonders seltsam war – ich war einst eine zweischiffige Kirche und während die Kranken auf der einen Seite saßen, nahmen auf der anderen Seite die Gesunden Platz. Eigenartig, wenn man bedenkt, dass die Leprakranken als Aussätzige aus der Stadt vertrieben wurden, aus Angst vor Ansteckung und sich dann die Gesunden lediglich auf die andere Seite der Kapelle setzten. So, als bestünde dort keine Ansteckungsgefahr…viele Jahre später, 1767, wurde das Leprosenhaus nicht mehr benötigt, die Krankheit war zurückgegangen. Man riss es zum größten Teil ab, nur ich blieb bestehen.

Kapelle Melaten innen

„Mit Napoleon kam die Veränderung“

Nachdem seinerzeit hier lediglich die an Lepra Verstorbenen und Hingerichteten begraben wurden, erließ Napoleon am 12.06.1804 ein Dekret, nach welchem es aus hygienischen Gründen keine Beerdigungen innerhalb der Stadtmauern mehr geben durfte, schon gar nicht, wie oft üblich, in Kellern. Ein Friedhof außerhalb der Stadt musste her und so wurde das Gelände des ehemaligen Leprosenheims zum Friedhof, auch wenn die Umsetzung hierzu einige Jahre dauerte.

Mich kennt man heute oftmals nur noch als Friedhofskapelle von Melaten. Jetzt, da ich euch meine Geschichte erzählt habe, seht ihr mich vielleicht mit anderen Augen. Heute kümmert sich der St. Maria Magdalenen Verein um meine Erhaltung. Er sorgt dafür, dass ich renoviert werde und auch dafür, dass ich weiterhin genutzt werde. Nur so kann meine Geschichte weiterleben.

Es grüßt euch St. Maria Magdalena und Lazarus

Wenn ihr mich gerne einmal ausführlicher besichtigen wollt, wendet euch gerne an:
St. Maria Magdalenen Verein Köln e.V., an Herrn Georg Dietlein, den ihr per Email hier erreichen könnt: info@magdalenen-kapelle.de

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