Der Kallendresser

Wer Platzjabbeck sagt, muss auch Kallendresser sagen! Muss man das? Der Kommentar vom Sommer beschäftigt mich doch noch etwas.

Ich hatte ja ein wenig über den Platzjabbeck, das hässliche, zungenstreckende Kerlchen vom Rathausturm, geschrieben. Kurz erklärt, dass sich eine Rechnung aus dem Jahr 1445 gefunden hat, die bestätigt, dass der Rat der Stadt Köln diesen hat aufhängen lassen und dass dieser vermutlich aufgehangen wurde, um die Patrizier zu verspotten. Im Jahr 1396 hatten die Gaffeln und Zünfte ja die Vormachtstellung der Patrizier gebrochen und die Macht im Rat der Stadt übernommen.

Wer es nochmal lesen möchte, kann gern etwas scrollen, oder in meinen Artikeln auf unserer Hausseite http://www.koelschgaenger.net stöbern.

Der Kallendresser, ich glaube, das Wort muss man wirklich nicht erklären, wenn man das Bild betrachtet, hängt genau gegenüber am Haus „em Hanen“ am Alter Markt. Das Haus selbst wurde 1956 von Jupp Engels in einer Kriegslücke gebaut. Er war Ordensmeister des Kallendresserordens und hat sich sehr für die Brauchtumspflege in Köln eingesetzt. Über ihn möchte ich an andere Stelle nochmal berichten.

Diese Figur dieses Grobians, der sein Geschäft in die Rinne macht, stammt vom Künstler Ewald Mataré, der ihn für Jupp Engels als Kopie des steinernen Originals in Kupferblech gefertigt hat.

Mir wurde gesagt, es sei eine Reaktion auf den Platzjabbeck gewesen. Die Figur an sich, gäbe es dort seit dem Mittelalter. Die Patrizier hätten ihn als Gegenfigur platziert, um dem Rat ihre Meinung zu sagen. Hm, ich habe da ja meine Zweifel. Zumindest fühlt sich doch diese Verhalten für einen Patrizier komisch an. Oder?

Und wenn man ein wenig sucht, finden sich schnell weitere Erklärungen:

Die erste Geschichte ist die eines von der Obrigkeit verfolgten Menschen, der sich in die Immunität des Klosters Groß St. Martin begeben hat, aber vom Abt wider aller Gepflogenheiten den städtischen Bütteln übergeben wurde. Selbstverständlich ist dies ein Regelbruch, ach was ein Affront, der bis heute irritiert. Die Bürger waren zutiefst in ihrem Vertrauen auf geltende Werte erschüttert und drückten hiermit ihren Unmut aus. Diese Geschichte finde ich irgendwie glaubwürdiger.

Eine andere Geschichte erzählt von einem Schneider, der im obersten Stockwerk des Hauses wohnte und sich durch einen Musiker, der in der Wohnung unter ihm oft laut und lange mit seiner Tuba übte, gestört fühlte. Auf die mehr oder weniger freundliche Bitte, doch leiser zu spielen, habe dieser noch die Fenster geöffnet und dort musiziert. Der Schneider soll daraufhin zur Tat geschritten sein und auf diese Weise verdeutlicht haben, was er davon hält. Filmreif lustig, oder?

Und zuletzt finde ich eine ganze „natürliche“ Erklärung: die Häuser hatten früher meistens ja einfache Plumpsklos im Hinterhof. Wer oben wohnte hatte einfach einen weiten Weg und wenn er faul war, verrichtete er sein Geschäft eben in die Regenrinne. Diese Erläuterung hat die Variante, dass an diesem Haus ein Dachdecker gesehen wurde, der sich so erleichterte. Diese Version klingt zwar über ganz Köln betrachtet recht eklig, aber irgendwie ehrlich.

Ja und was machen wir jetzt? Also ich, ich such mir einfach die schönste Variante aus. Und die wiederum hängt wohl davon ab, wen ich mit der Erklärung beeindrucken möchte…

Was sagt Ihr?

Michael

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