Liebe Freunde, hier auf dieser Seite stellen wir Spaziergänge vor, die ihr in unserer Stadt unternehmen solltet. Sie sind nicht zu lang, bieten auch immer einige Einkehrmöglichkeiten und natürlich erzählen  wir euch an einigen „Stationen“ etwas wissenswertes.

Wir wünschen euch viel Spaß auf „unseren“ Touren durch die Stadt.

Eure Kölschgänger


Vom Geusenfriedhof zum Marienbild
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Wir starten am Geusenfriedhof, dem ältesten, evangelischen Friedhof des Rheinlandes. Nachdem wir einen Rundgang über den Friedhof gemacht haben, spazieren wir ein Stück stadteinwärts zum Rathenauplatz. Es ist schon erstaunlich, welche wunderbare Oase der Förderverein hier hat enstehen lassen. Kinderspielplatz und Biergarten sind echt klasse geworden. Sogar Boule kann hier gespielt werden und einen Bücherschrank gibt es auch.
Gehen wir nun weiter. Unser nächstes Ziel ist der Aachener Weiher, den wir nach einem Stück durch die Grünanlagen erreichen. Wer möchte, kann ihn einmal umrunden und es gibt natürlich auch hier zwei Möglichkeiten, um einzukehren.
Auf der anderen Straßenseite geht es dann gleich mit Wasser weiter, denn nun spazieren wir den Lindenthaler Kanal entlang. Hier entlang zu schlendern, ist einfach herrlich.
Nach dem Lindenthaler Kanal geht es jetzt noch in den Lindenthaler Tierpark. Wir können kurzfristig festlegen, wir groß die Runde durch den Tierpark werden soll. Alternativ können wir uns auch gleich rechts halten und durch den Park in Richtung Aachener Straße gehen, um an unser heutiges letztes Etappenziel zu kommen, das Gasthaus „Gaffel im Marienbild“. Hier strecken wir jetzt die Füße aus und lassen es uns gut gehen.
Der Geusenfriedhof, 1584 angelegt, ist damit die älteste evangelische Begräbnisstätte des Rheinlands. Heute befindet er sich inmitten des dicht besiedelten Wohngebiets Köln-Lindenthal. Damals jedoch lag er außerhalb der Stadttore und bot damit, nach geltendem Recht, die einzige Möglichkeit für die reformierte Gemeinde, ein Begräbnis zu erhalten. Seit 1981 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.
Der Begriff Geusen (gueux) ist auf den französischsprachigen Raum zurückzuführen und bedeutet so viel wie Bettler. Bezeichnet wurden mit diesem Ausdruck die aus den Niederlanden kommenden protestantischen Freiheitskämpfer, die als Glaubensflüchtlinge während des Achtzigjährigen Krieges (1568 bis 1648) nach Köln kamen. Doch auch hier waren zur damaligen Zeit die Anhänger der Refomation wenig willkommen. In der freien Reichsstadt Köln, die Anfang des 16. Jahrhunderts definitiv im katholischen Lager verblieben war, wurden die „Artfremden“ verhört, verfolgt und verhaftet. Ein protestantischer Gottesdienst oder gar eine Bestattung auf einem katholischen Friedhof innerhalb der schützenden Stadtmauern? – nicht nur unvorstellbar, sondern streng verboten! Allenfalls eine Verbrennung auf dem Elendsfriedhof, neben Selbstmördern, Ehrlosen und Hingerichteten kam in Frage.
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Umso skurriler die Entstehung des Geusenfriedhofs. Denn 67 Jahre nach der Publizierung der 95 Luther-Thesen wurde das Grundstück vor dem Weyertor ausgerechnet von einer katholischen Adligen, Ursula von Gohr zu Kaldenbroek, gespendet. Sie schaffte damit die erste und einzige Möglichkeit für die reformierte und lutherische Gemeinde, ihre Angehörigen auf einem christlichen Friedhof beizusetzen.
Offiziell genutzt wurde die Grabstätte bis 1829. Anschließend war es den protestantischen Toten gestattet, auch auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt zu werden, was dazu führte, dass 1875 die letzte Beerdigung auf dem Geusenfriedhof stattfinden sollte.
Heute ist das kleine Areal mit den halbverfallenen, überwucherten Gräbern ein idealer Ort für neugierige Spurensucher, die die Vergangenheit der Stadt fernab von Museen entdecken wollen. Die zahlreichen Grabplatten erhalten dabei nicht nur Lebensdaten der Verstorbenen, sondern sind auch mit kunsthistorisch wertvollen Darstellungen verziert. Familienwappen, alte Berufsbezeichnungen, Bildmetaphern des Todes, sowie Bibelinschriften prägen diese Grabplatten, Stelen, Säulen und Obelisken. Sie erzählen ausführliche Geschichten.
Wir gehen nun auf der Kerpener Straße weiter nach Osten in Richtung Gymnicher Straße und dann auf die Zülpicher Straße. Dort biegen wir links ab auf die Dasselstraße und dann rechts auf die Meister-Gerhard-Straße, wo wir wieder links abbiegen auf den Rathenauplatz, den wir nun erreichen.
Das erste, was Besucher des Rathenauplatzes sehen, ist der Biergarten, der natürlich sofort ins Auge fällt. Und das zu Recht. Wer ein paar Meter entfernt auf den ewig hektischen Ringen unterwegs ist und dann hier ankommt, der glaubt im ersten Moment, die Zeit wäre stehengeblieben. Ein so herrlich gelegener Biergarten mitten in der Stadt. Gleichzeitig ist der Rathenauplatz der größte Platz in der Neustadt. Früher hieß er Königsplatz und eigentlich sollte hier der Volksgarten angelegt werden. Da es Probleme mit dem Ankauf der Grundstücke gab, wurde der Volksgarten an seinem jetzigen Platz angelegt und hier am Rathenauplatz ist eine andere kleine Oase entstanden.
Wir bewegen uns in Richtung Görrestraße und biegen dann links in die Boisseréestraße ein. Nun kommen wir auf die Lindenstraße, der wir folgen, bis wir den Aachener Weiher erreichen.
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Diese Parkanlage wurde in den 1920er Jahren gebaut, damals war die Parkanlage noch flach. Hügelig wurde sie erst nach dem zweiten Weltkrieg, als hier Trümmer aufgeschüttet wurden. Es gab einmal einen sehr schönen Werbeslogan für das Gebiet um den Aachener Weiher. Er hieß „Zwischen Enten und Studenten“. Sehr passend. Direkt neben dem Weiher befindet sich das Museum für Ostasiatische Kunst. Sehr hübsch angelegt ist der Biergarten. Sogar einige große Schaukeln gibt es hier. Jedenfalls in „nicht-Corona-Zeiten“.
Wir verlassen den Aachener Weiher und überqueren die B264, um auf die Clarenbachstraße zu kommen, der wir nun entlang des Kanals folgen. Am Ende biegen wir links in die Brucknerstraße ab und gelangen automatisch auf die Rautenstrauchstraße und damit an den zweiten Teil der Lindenthaler Kanäle, dem Rautenstrauchkanal.
Die beiden kleinen Kanäle sind zusammen ungefähr 1,5 km lang. Clarenbach und Rautenstrauch wurden 1925 angelegt, um die beiden Grüngürtel zu verbinden. Besonders schön sind die beiden Kastanienalleen. Auf Höhe der Richard-Strauss-Straße überspannt eine kleine Brücke den Kanal. Hervorzuheben ist hier das Brückengitter, da es noch aus den zwanziger Jahren stammt. Hübsch sind auch die beiden Skulpturen rechts und links der Brücke.
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Nach dem Ende des Rautenstrauchkanals kommen wir an die Straße Stadtwaldgürtel. Hier biegen wir links ab und folgen ihr ein kleines Stück. Dann kommen wir an die Wüllnerstraße. Hier biegen wir rechts ab und folgen ihr in Richtung Lindenthaler Tierpark.
Am Ende dieses Weihers kommen wir auf die Hermann-Pflaume-Straße. Dieser folgen wir bis zur Aachener Straße. Nun biegen wir links ab und erreichen nach wenigen Metern das „Gaffel im Marienbild“.
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Das „Marienbildchen“ war früher mal eine Postkutschenhaltestelle, dann eine Dorfschule und seit vielen Jahren ist es ein Brauhaus. In alten Zeiten war es üblich, in einer Gastwirtschaft ein Bild der Mutter Gottes zu haben. Diese Tradition ist heute größtenteils ausgestorben. Im „Gaffel im Marienbild“ findet sich sogar eine Statue in der Fassade integriert. Leckeres Gaffel Kölsch im Ausschank sorgt für ein angenehmes Verweilen und der Biergarten hinten raus lässt die Hektik der Aachener Straße vergessen.
Viel Spaß beim Erkunden
Euer Ronald

 


Eigelstein und Kunibertsviertel

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Bei diesem Spaziergang konzentrieren wir uns auf zwei Veedel. Zum einen geht es tief in die kölsche Vergangenheit, denn wir schauen uns St. Kunibert und den Kunibertsturm an. Danach besuchen wir das Brauhaus Max Stark, wo wir Gelegenheit auf den Genuss eines süffigen Päffgen Kölsch haben. Anschließend spazieren wir zum Türmchenshafen. Wie bitte? Da gibt es keinen Hafen? Stimmt, heute nicht mehr, aber zu dieser spannenden Geschichte kommen wir später.

Das Eigelsteinviertel ist Kölner Tradition pur. Früher waren Schmiede, Töpfer und Glasbläser im Eigelsteinviertel angesiedelt, es war also immer ein Arbeiterviertel. Auch die Eigelsteintorburg sehen wir uns an, bevor wir uns aufmachen und drei wunderbare „Glasbierverkaufsgeschäfte“ besuchen. Der kölsche Boor macht den Anfang. Von da sind es jeweils nur ein paar Schritte zum Gasthaus Anno Pief und dem Weinhaus Vogel. Auf dem Weg zu unserem Startpunkt schauen wir uns dann noch das schmalste Haus in Köln an.

Aber lasst uns losgehen. Wir starten am Hinterausgang des Hauptbahnhofs, dem Breslauer Platz. Von dort aus gehen wir ein paar Schritte nach links, biegen in die Domstraße ein und folgen ihr, bis wir auf die Machabäerstraße treffen. In dieser Straße lag im Mittelalter das Benediktinerinnenkloster zu den sieben makkabäischen Brüdern, daher der Name. Hier biegen wir rechts ab und kommen kurz darauf auf die Straße An der Linde. Jetzt gehen wir nach links und erreichen das Kunibertskloster.

Der Heilige Kunibert, um 600 geboren und später Bischof von Köln, stiftete damals an dieser Stelle eine Kirche, in der er auch bestattet wurde. Ca. 1210 wurde dann mit dem Bau von St. Kunibert begonnen. Damit ist sie die jüngste der großen romanischen Kirchen in Köln. Die Kirche wurde im Laufe der Zeit immer wieder verändert und ausgebaut und im 2.Weltkrieg stark zerstört. Hier wurden die Kriegsschäden sehr spät komplett beseitigt, denn erst 1993 wurde St. Kunibert vollständig wiedereröffnet. Beim Aufbau wurden allerdings starke Veränderungen vorgenommen, so dass die Kirche heute anders aussieht als vor der Zerstörung. Sehr bekannt ist die Legende vom Kunibertspütz, einem Brunnenschacht. Dieser Legende nach befand sich auf dem Grund des Schachts eine Art Paradies, in dem Kinder spielten und von der Jungfrau Maria gefüttert wurden. Nach Ansicht dieser Kölner Legende wurden die Kinder also nicht vom Storch gebracht, sondern entsprangen dem Kunibertspütz. Bis ins 19. Jahrhundert war es Brauch, dass Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch Wasser aus diesem Brunnen tranken. Sehr schön ist auch die Orgel, die eher untypisch ebenerdig untergebracht ist und die schon sehr beeindruckend aussieht. PSFix_20200619_102226

Nachdem wir uns die St. Kunibert Kirche näher angesehen haben, biegen wir jetzt ab zum Rhein und gehen am Konrad-Adenauer-Ufer etwa 300 Meter entlang und stoßen dann automatisch auf den Kunibertsturm.

Der Kunibertsturm, errichtet um 1233. Nachdem die Torburg 1266 bei Aufständen der Bürgerschaft gestürmt und zerstört wurde, blieben lediglich die Turmbauten erhalten. Heute
steht nur noch der kleine Turm, auch „Weckschnapp“ genannt. Dieses „Türmchen“ gab dem Wall, an dem es liegt seinen Namen, „Thürmchenswall“ eben. Die Sage der Weckschnapp erzählt von einem Turm, in dem im Mittelalter Gefangene eingesperrt wurden, die durch die sogenannten „heimlichen Gerichte“ verurteilt worden waren. Die dort Eingesperrten bekamen weder etwas zu essen, noch zu trinken und waren einem qualvollen Tod ausgeliefert. Ihre einzige Möglichkeit, an etwas Essbares zu gelangen, war ein Sprung zu einem Laib Brot (Wecken), der oben an der Decke hing. Sprang der verzweifelte Gefangene allerdings nach diesem Brot, öffnete sich unter ihm eine Falltür und er fiel durch ein mit scharfen Messern gespicktes Loch direkt in den Rhein. Und das wahrscheinlich nicht mehr an einem Stück. IMG_20200619_070656

Nur ein einziger Gefangener soll den Sturz in den Rhein überlebt haben. Der Sohn einer reichen Kaufmannswitwe, der von seiner eigenen Mutter wegen Diebstahls angezeigt wurde, soll so zwischen den Messern durchgefallen sein, dass er unverletzt in den Rhein fiel und sich retten konnte.

So schaurig- schön die Legende von der „Weckschnapp“ auch ist, die Wahrheit war wohl eine etwas andere. Im Kunibertsturm wurden, wie sie damals hießen, „Peinliche Verhöre“ abgehalten. Im Rhein stand nur eine „Ark“, ein Befestigungsteil, das mit dem Kunibertsturm über einen Wehrgang verbunden war. Die Ark ist 1784 beim großen Hochwasser untergegangen und zerstört worden. Nicht weit von hier befindet sich die “Bastei”, errichtet auf dem Stumpf eines ehemaligen Festungsturmes. Adenauer ließ 1923 von dem Architekten Riphahn das Panorama-Restaurant mit den Worten „bauen se dat Ding, aber machen se et schön“ bauen.

Gehen wir nun einige Schritte zurück und biegen rechts ab auf den Thürmchenswall und nach 240 Metern links auf die Straße Unter Kahlenhausen. Direkt an der Ecke finden wir das Brauhaus Max Starck.

Gut versteckt im Kunibertsveedel eröffnete im Jahr 2000 das Brauhaus Max Stark. Dieses sehr angenehme Ecklokal besitzt längst Kultstatus. 1998 abgerissen und im originalen Stil wieder aufgebaut, zapft man hier seitdem Päffgen Kölsch. Natürlich frisch aus dem Fass. Einziger Nachteil, man darf nicht zu spät kommen, denn der Laden ist nicht so groß und füllt sich abends schnell.

Nachdem wir gestärkt das Brauhaus Max Stark verlassen haben, gehen wir einige Schritte wieder zurück, bis wir auf die Niederichstraße stoßen, auf die wir links abbiegen. Niederich hieß im 11. Jahrhundert die Vorstadt in diesem Gebiet. Sie wurde 1106 eingemeindet und lag vor der römischen Stadtmauer. Nach etwa 200 Metern treffen wir auf den Theodor- Heuss-Ring und haben den Park erreicht. In diesem kleinen Park ist, wie in vielen Kölner Parks, das Grillen erlaubt. Hier biegen wir im Park links ab in Richtung des Weihers, den wir von hier aus bereits sehen können.

Der Thürmchenshafen ist eigentlich ein kleiner Park mit einem kleinen Weiher in der Senke. Das ist alles, was heute noch übrig ist vom Hafen. Früher war hier mal ein kleiner Sicherheitshafen, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts von den Franzosen für die Schifffahrt angelegt wurde. Den Auftrag erteilte Napoleon persönlich bei einem Besuch in Köln 1804. IMG_4623

Eigentlich sollte der Hafen hinter St. Kunibert, also innerhalb der Stadtmauer, angelegt werden. Bei Hochwasser oder Eisgang fanden die Schiffe hier Schutz. Am nordöstlichen
Rand der Grünanlage finden wir ein großes Eisengitter. Hier geht es abwärts in den berühmten Kronleuchtersaal, der sich in den Abwasseranlagen befindet. Kurios. Wir spazieren am kleinen Weiher vorbei und halten uns sofort danach links und verlassen den Park noch vor der vor uns liegenden Unterführung. Nachdem wir die Turiner Straße überquert haben, biegen wir halb links in die Greesbergstraße ein und folgen ihr bis zum Eigelsteintor. IMG_4618

Das Eigelsteintor ist das Nordtor der mittelalterlichen Stadtmauer. Ab 1180 erbaut und 1881 abgerissen war dies die römische Verbindung zwischen den beiden alten Städten Neuss und Xanten und weiter in die südlichen Niederlande. Die Stadtmauer war ein starkes Bollwerk und die stärkste Befestigung nördlich der Alpen. In einer Nische des Tores steht ein Abguss des „kölschen Boor“. Er wurde 1891 als Symbol der Treue der Kölner zu ihrem Kaiser Wilhelm II. aufgestellt. Aber erst mit dem Dreigestirn wurde der „kölsche Boor“ wirklich populär. Das Original steht heute im Rathaus.

Im Turmbogen hängt ein halb zerschossenes Schiffswrack, das an den Untergang der „Cöln“ im Seegefecht 1914 erinnern soll. Damals starben 379 Matrosen. Am Jahrestag findet hier immer eine Gedenkfeier statt. Ebenfalls hängt hier, wie an vielen Orten in Köln, das Stadtwappen. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? Die Erklärung: Das Schild hat die Farben rot und weiß, die Farben der Hanse. Die Hanse war eine Vereinigung der Kaufleute zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert. Was heute kaum noch jemand ahnt, Köln war zusammen mit Lübeck Mitbegründer eben dieser Hanse und zählt damit zu den ältesten deutschen Hansestädten.

Die drei Kronen im Wappen stehen für die heiligen drei Könige, denn ihre Reliquien wurden 1164 nach Köln gebracht und liegen im Goldenen Schrein des Kölner Doms. Seit dem 12. Jahrhundert sind die drei Kronen das Hoheitszeichen unserer Stadt. Die elf schwarzen Flammen sind seit dem 16. Jahrhundert im Kölner Stadtwappen zu finden. Sie erinnern an die Heilige Ursula. Eigentlich sollten die Flammen Hermelinschwänze darstellen, da diese im Wappen der Bretagne auftauchen, denn Ursula war eine bretonische Prinzessin.

Wenn wir die Straße Eigelstein runterschauen, können wir unser nächstes Ziel bereits erblicken. Das Brauhaus “Em Kölsche Boor”.

In unmittelbarer Nähe zur Eigelstein-Torburg, früher ein wichtiger Teil der alten römischen Heerstraße, die durchs komplette Rheinland führte, finden wir dieses schöne Brauhaus mit seiner über 250 Jahre alten Tradition. Namentlich erwähnt wurde es bereits vor der Zeit der französischen Revolution. Damit ist es eines der ältesten Brauhäuser Kölns. Einer der früheren Besitzer hatte vorher übrigens den „Roten Ochsen“ als Brauhaus (siehe Südstadttour). Ausgeschenkt wird nach Besitzerwechsel nun Mühlen-Kölsch. Sehr gut finde ich auch, dass hier der Senf unserer Kölner Senfmühle (siehe Südstadttour) benutzt und verkauft wird. So gehört sich das. Wer nicht aus Kölle kommt, sollte sich unbedingt das „Kontörchen“ in der Mitte des Brauhauses ansehen. Ein schönes Stück kölscher Brauhaus Tradition.

Wo ich gerade vom Essen spreche. Hier im Eigelsteinveedel lebte früher auch ein unvergessenes Kölsches Original, das einem immer einfällt, wenn man vom Essen spricht. Die Rede ist von Johann Arnold Klütsch. Den Kölnern besser bekannt als „Fressklötsch“. Sein Appetit war überall in Köln bekannt und er sorgte immer wieder für unglaubliche Anekdoten. So hat er einmal beim Entladen eines Holländischen Frachters geholfen und als
Lohn ein großes Rad Käse erhalten. Als er in die Stadt wollte, forderte man ihn auf, die fällige Steuer für den Käse zu zahlen. Dies tat er nicht. Stattdessen setzte er sich hin und vertilgte das komplette Rad Käse vor den Augen des Offiziellen und stolzierte danach hämisch grinsend an ihm vorbei durch das Stadttor.

Nachdem wir uns „gestärkt“ haben, gehen wir einige Schritte weiter und biegen nach rund 100 Metern rechts ab auf den Stavenhof. In dieser kleinen Gasse liegt das Anno Pief.

Mal kein Traditions-Gasthaus, aber trotzdem prima. Das Anno Pief entstand aus einer normalen Wohnung, nachdem der Stavenhof, so heißt die Straße, seinen Ruf als Rotlichtgasse eingebüßt hatte. Hier im Stavenhof arbeiteten früher die sogenannten „Kleingeld- Prostituierten“, sprich die älteren Damen des horizontalen Gewerbes, die aus den lukrativen Bezirken verdrängt wurden. Hier ist es die Straße, die für die Tradition zuständig ist. Millowitsch drehte hier seine „Klefisch“ Krimis und Jürgen Zeltinger besang den Stüverhoff. Eine normale Kneipe ist es aber natürlich trotzdem nicht. Im hinteren Bereich des Raumes sitzt man auf Kirchenbänken. Hier „denkt“ man Kölsch. Zurück auf der Straße Eigelstein sehen wir gegenüber in 20 Metern bereits das Weinhaus Vogel.

Das Weinhaus Vogel ist ein sehr angenehmes Wein- und Bierhaus mit gemütlich rustikalem Ambiente. Urig schön. Wenn man hier im Biergarten sitzt, fällt es schwer sich vorzustellen, dass es nur rund 700 Meter bis zum Hauptbahnhof sind. Früher wurde viel Wein getrunken, auch in Köln. Aus dieser alten Tradition stammt noch der Name. Wie in vielen Brauhäusern war es auch üblich, Schnaps zu brennen. Auch dafür stand das Weinhaus Vogel. Und ein kleiner Tipp von mir, probiert einmal das eigene, etwas stärker eingebraute „Hopfenblut“. Es lohnt sich, am besten im urigen Thekenraum.

Typischer Köbes Spruch: Gast: Köbes noch ene dubbelte Schabau (Schnaps) – Köbes: Sull ich dä bränge, bevur ich d’r Notarz roofe oder später?! Das nur am Rande.

Am Eigelstein 115 steht das schmalste Haus in Köln. Es hat eine Breite von nur 2,56 Metern. Dafür hat es eine Länge von rund 30 Metern. Wenn ihr genau hinseht, werdet ihr feststellen, dass die Außenmauern der Nachbarhäuser für dieses kuriose Haus die Innenwände sind. Die oberen Etagen sind nur über eine Freitreppe im Hinterhof zu erreichen. Würdet ihr hier wohnen wollen?

Von hier aus ist es jetzt nur ein kurzer Weg bis zum Hauptbahnhof. Wir gehen den Eigelstein weiter runter bis zur Unterführung, die wir schon sehen konnten. Jetzt halten wir uns links und sind nach wenigen Schritten wieder am Breslauer Platz.

 


Von der Südbrücke zu St. Maria im Kapitol

Heute wollen wir eine Tour vom Rhein aus quer durch einige Parks machen, bevor wir dann später in Richtung City abbiegen. Wir besuchen am Rhein die berühmte „Tatort-Wurstbude“, spazieren durch den Friedenspark und haben die Gelegenheit, uns die Südstadt ein wenig anzusehen.PicsArt_02-11-07.53.49

Der Volksgarten spielt im Freizeitbereich eine große Rolle und nachdem wir ihn besucht haben und vielleicht sogar eine kleine Pause im sehr gelungenen Biergarten eingelegt haben (leider ist dieser momentan natürlich geschlossen, aber der nächste Sommer kommt bestimmt) verstehen wir auch, warum dieser Park so beliebt ist.

Danach wird es Zeit für die Kultur. Beginnen wir mit der Kirche St. Panthaleon, einer früheren Benediktinerabtei.
Von hier aus geht es ein Stückchen weiter in Richtung Innenstadt zur Kirche St. Maria im Kapitol. Wir schauen uns diese sehr schöne Basilika und das Dreikönigenpförtchen an.

Nach dem Besuch dieser beiden wunderbaren Kirchen wird es Zeit, sich noch einmal einem anderen Kölner Kulturgut zu widmen, dem Kölsch. Also spazieren wir ein kleines Stückchen in Richtung Rhein und Altstadt und besuchen die Malzmühle, ein altes traditionelles Brauhaus. Hier lassen wir unseren Spaziergang gemütlich ausklingen.

Unsere Tour beginnt heute an der Südbrücke, oder wegen der besseren Aussicht, auf der Südbrücke.
Seit 1910 rollen Züge über die 536 Meter lange und etwa 10 Meter breite Südbrücke. Im 2. Weltkrieg wurde sie zerstört und 1950 wieder aufgebaut. Leider nicht original, denn die beiden Westtürme waren etwa doppelt so hoch. Wenn wir uns umschauen, sehen wir auf der anderen Rheinseite die Poller Wiesen.
Durch die unmittelbare Nähe des Rheins war das Fischerdorf Poll früher natürlich vom Fischfang geprägt, besonders der Maifisch war hier im Frühjahr eine wichtige Einnahmequelle. Desweiteren waren die Wiesen für die Viehhaltung ebenfalls ein Segen. Heute wird dieses Areal eher für die Freizeitgestaltung genutzt. Von joggen, Hundeauslauf, grillen, Drachensteigen und vielen anderen Sachen ist für jeden etwas dabei.
Auf unserer Rheinseite schauen wir auf den Rheinauhafen mit seinen Kranhäusern und dem „Siebengebirge“. Direkt neben der Brücke sehen wir den Skaterpark und die „Tatort- Wurstbude“ (saisonabhängig). Sie ist jetzt unser Ziel und in wenigen Schritten erreicht.IMG_4245

Bereits seit 1997 wird in Köln ermittelt und seit vielen Folgen ist auch die Wurstbraterei dabei. Aber wie so häufig im Fernsehen ist nicht alles so, wie es scheint. Im Tatort steht die Bude immer auf der „Schäl Sick“, damit der Dom mit im Bild ist. Ansonsten finden wir sie am Ende des Rheinauhafens. Die alte Wurstbude hat übrigens schon mehr als sechzig Jahre auf dem Buckel. Eine Zeitlang stand sie am Malakoffturm, musste dort aber aus Denkmalschutzgründen weichen. Wenn ich mir dann die jetzige Bude am Malakoffturm ansehe, frage ich mich wirklich, was die Herren im Rathaus sich da eigentlich gedacht haben. Geöffnet hat die Wurstbude von Ostern bis Oktober.

Wir wollen aber nun in den Friedenspark, den wir von hier schon sehen können, denn das Fort I. mit dem Adler auf dem Dach ist gut sichtbar. Also überqueren wir die Straße und laufen direkt auf den Friedenspark zu.
Der Friedenspark hieß früher Hindenburgpark, hat eine Größe von knapp 5 Hektar und gehört für mich zu den interessantesten Parks in Köln. Was natürlich zu einem großen Teil am wunderschön integrierten Fort liegt. Neben einem Bauspielplatz für die Kinder gibt es hier einen kleinen Rosen-, einen Stauden-, sowie den Schattengarten. Leider wurde die Pflege in den letzten Jahren ein wenig vernachlässigt. Zu sehen ist außerdem eine Wandskulptur und eine kleine John Lennon „Gedenkstätte“.54192520_510125136059468_3717294589824991232_o

Wir verlassen den Friedenspark und gehen die Titusstraße entlang. Rechts sehen wir den Römerpark, eine kleine Parkanlage von ca. 2 Hektar mit einem schönen Spielplatz als Mittelpunkt. Angelegt wurde er um 1895, denn zu dieser Zeit wurde das Werthchen auf der Rheinauinsel versandet und der Römerpark sollte als Ersatz dienen. Da ihm ein aufgeschütteter dreieckiger Baublock zugrunde liegt, ist der Park in Form eines Dreiecks angelegt. Nun laufen wir auf einen kleinen Kreisverkehr zu. Die Kölner haben diesen „Eierplätzchen“ getauft. Wir biegen auf die Rolandstraße ab und folgen ihr. Nach einer Weile geht sie in die Volksgartenstraße über und wir erreichen den selbigen.

Bereits seit 1890 existiert der etwa 15 Hektar große Volksgarten und ist damit einer der ältesten Parkanlagen Kölns, entstanden auf dem Gelände des ehemaligen Fort IV. Dieses Fort wurde in der Zeit von 1816-1825 erbaut. Am Rand des Volksgartens und direkt in Nachbarschaft zu den letzten Resten dieses Forts liegt ein kleiner, aber wunderschöner Rosengarten. Dazu gibt es im Park einen Weiher mit Tretbootverleih. Mitten in diesem Weiher schießt eine Wasserfontäne rund 15 Meter in die Höhe. Seit den 1980er Jahren wird der Park als Liegewiese und Grillplatz genutzt. Bei schönem Wetter besuchen täglich bis zu 10.000 Menschen den Volksgarten.
Mitten im Garten, wunderschön neben dem kleinen See gelegen, befindet sich der Heller‘s Biergarten mit rund 600 Sitzplätzen. Kein Straßenlärm stört, herrlich. Ausgeschenkt wird süffiges Heller‘s. Nebenan kann man Böötchen fahren. Am Südende des Parks fällt ein kleines rotes Holzhaus ins Auge. Hier handelt es sich um „Haus Gotland“, ein Geschenk des schwedischen Staates an die Stadt Köln nach dem Krieg, um hier einen Kindergarten einzurichten.67753437_584700691935245_6121128647991492608_o

Wir verlassen nun den Volksgarten und gehen nach rechts in Richtung Eifelplatz und überqueren ihn. Folgen dann weiter der Eifelstraße, die nach einer Weile in die Waisenhausgasse übergeht. Dieser folgen wir, bis es links in die Straße am Panthaleonsberg geht. Wir biegen hier ab und erreichen St. Panthaleon.

St. Panthaleon war früher eine Benediktinerabtei, die 972 von Erzbischof Bruno zum Andenken an Panthaleon eingerichtet wurde. Der Legende nach war dieser der Leibarzt des römischen Kaisers Maximilian. Panthaleon war Christ und wurde dabei belauscht, wie er versuchte, seine Frau zum Christentum zu bekehren. Er wurde verraten und als Märtyrer hingerichtet. In der Krypta befindet sich sein Grab.IMG_4276

St. Panthaleon galt als sehr wohlhabend und hatte zahlreiche Güter im ganzen Rheinland. Dadurch war sie eine der reichsten Kirchen in Köln. Der wichtigste Produktionszweig war der Weinanbau. Da er sehr sauer war, bekam er schon mal Namen wie „Kirchweg Schattenseite“.

Wir gehen nun wieder ein Stück zurück bis zur Waisenhausgasse, der wir jetzt weiter folgen. Im Jahre 1800 wurde in dieser Straße ein Waisenhaus errichtet, deshalb der Name. Nach dem Überqueren der B 55 folgen wir der Straße Blaubach, biegen später links in die Straße Hohe Pforte ein und kurz danach rechts zum Marienplatz. Links sehen wir bereits die Kirche St. Maria im Kapitol, unser nächstes Ziel.

Etwa um 1065 wurde diese dreischiffige Basilika erbaut. Auffällig ist das dominante Mittelschiff, welches von eher schmalen Seitenschiffen unterstützt wird. Am auffälligsten aber ist zweifellos das kleeblattförmige Chorhaupt. Man kann sicher behaupten, dass die Bauherren von St. Aposteln und auch von Groß St. Martin hier inspiriert wurden. Aber lasst uns noch in den Hinterhof der Kirche gehen, denn hier sehen wir dann das Dreikönigenpförtchen und die Skulptur „Die Trauernde“.84923933_708686186203361_3933195139731685376_n

Durch das Dreikönigenpförtchen sind der Legende nach die Gebeine der Heiligen Drei Könige gebracht worden. Am Torbogen sehen wir eine Darstellung der Heiligen aus dem Morgenland. Gehen wir nun durch das Tor und betreten den Lichhof, was soviel wie Leichhof, also Friedhof bedeutet. Hier im Lichhof steht eine Statue. Sie stellt „die Trauernde“ dar und erinnert an die Toten des zweiten Weltkrieges.66800762_571871166551531_417609033218785280_o

Spazieren wir nun wenige Meter den Lichhof entlang, biegen links in die Straße im Malzbüchel ein und erreichen unser letztes Ziel für heute, das Brauhaus zur Malzmühle.

Es gibt in Köln ja leider nur noch zwei traditionelle Hausbrauereien, das Päffgen in der Friesenstraße und eben die Malzmühle. Früher stand an der Kreuzung Malzbüchel und Mühlenbach eine Malzmühle. Daher der Name des Brauhauses. Wie dieser es ja bereits erahnen lässt, schmeckt das hauseigene Mühlen- Kölsch etwas malziger und kommt farblich ein wenig dunkler daher. Aber es ist ein Genuss, keine Frage. Mittlerweile gibt es dieses schöne Brauhaus bereits über 150 Jahre und es ist eine der letzten Brauereien, die wirklich noch an ihrem Ursprungsort produziert. Im Brauhaus selbst wird Tradition großgeschrieben. So ist der „Beichtstuhl“, oder auch „Thekenschaf“ genannt, immer noch in Betrieb, was leider selbst in einer Stadt wie Köln sehr selten geworden ist. Die Köbesse sind freundlich und haben immer einen Spruch auf den Lippen. Auf die Frage: „Was habt ihr denn für Knödel ?“ bekommt man schon mal die Antwort „runde“. So sind sie, die kölschen Köbesse. Hier wollen wir unsere Tour für heute auch beenden. Wir bleiben lieber noch ein wenig sitzen und genießen das eine oder andere süffige Mühlen-Kölsch.

 


Von der City ins Friesenviertel

Heute möchte ich euch einladen, einen weiteren „Kölschgänger-Spaziergang“ zu unternehmen. Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere diesen Weg nachgeht. Diese Tour geht mitten durch die Innenstadt und das Friesenviertel. Wir beginnen nicht allzu weit vom Dom und besuchen das Jupp Schmitz Denkmal. Danach geht es ein Stück durch die Kölner Einkaufstraße. Mitten auf der Schildergasse treffen wir dann auf die Antoniterkirche, der wir einen Besuch abstatten.PicsArt_10-22-03.40.51

Nach einer Stärkung im Traditions – Gasthaus „Bei d’r Tant“ geht es weiter an Kölns größtem Platz, dem Neumarkt, vorbei zur Kirche St. Aposteln. Den Besuch dieser wunderschönen Kirche lassen wir uns auf keinen Fall entgehen.

Durch weitere Einkaufstraßen nähern wir uns dann dem Millowitsch Denkmal, wo sich ein Fotoshooting mit diesem Original einfach anbietet. Nur wenige Meter weiter gelangen wir dann zur Hahnentorburg, durch die schon große Kaiser schritten.IMG_20191022_140536

Nach so viel Kölner Geschichte bewegen wir uns nun zu einem Brauhaus mit großer Tradition, dem Päffgen. Und da es unmöglich ist, seine Gäste von hier aus noch einmal zum weitergehen zu bewegen, beenden wir die heutige Tour hier und lassen uns lieber noch einige Päffgen Kölsch schmecken.

Aber jetzt genug geredet, lasst uns losgehen.

Diese Tour beginnt am Jupp Schmitz Plätzchen.
Jupp Schmitz war Schlager- und Krätzchensänger und natürlich Karnevalist. Seine bekanntesten Lieder sind sicher: „Wer soll das bezahlen“ und „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, sowie „Es ist noch Suppe da“.
Wegen seines markanten Oberlippenbartes wurde er von den Kölnern „dä Schnäuzer“ genannt. Er starb 1991 und liegt auf Melaten begraben. Auf seinem Grabstein ist der Titel des Liedes „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ eingraviert. 1994 wurde dieses Denkmal aufgestellt und kurz danach auch der Platz auf seinen Namen umgetauft.

Weiter geht es jetzt bis zur Gürzenichstraße. Hier biegen wir rechts ab in Richtung GaleriaKaufhof. Gleich neben dem Kaufhaus kommen wir noch am Kölner Bierbrunnen vorbei. Die hier entstandene Brunnenanlage war für eine alljährliche Veranstaltung gedacht. Es sollte einmal im Jahr kurzzeitig Bier an diesem Brunnen gezapft werden können. Den für die Passanten verblüffenden Ausschank am Brunnen ermöglichte eine unterirdisch verlegte Zuleitung, die zu einem in einer Nebenstraße parkenden Bierwagen führte. Leider war diese Veranstaltung nur von kurzer Dauer.

Wir gehen weiter geradeaus, bis wir nach etwa 200 Metern auf der linken Seite die Antoniterkirche erreichen.
Seit 1805 werden hier Gottesdienste gefeiert. Damit ist die Antoniterkirche das älteste protestantische Gotteshaus Kölns. Anfang der 90er Jahre kam sie in die Schlagzeilen, als hier in einer der ersten Kirchen des Landes „Kirchenasyl“ gewährt wurde. Jürgen Becker gab ihr einmal den Beinamen „Mc Donalds unter den Kirchen“ wegen ihrer 10-Minuten- Andachten. Gehen wir nun die Schildergasse weiter bis zur U-Bahn und biegen hier links ab auf die Antonsgasse und dann rechts auf die Cäcilienstraße.

Nun erreichen wir das Gasthaus „Bei dr Tant“, eine alte Traditionskneipe, in der Gaffel-Kölsch gezapft wird. Natürlich vom Fass. Ob im Sommer auf der Terrasse, an der hufeisenförmigen Theke oder im Oberstübchen. Egal, hier fühlt man sich wohl. Ein paar Kölsch und “jet zo müffele” (wie der Kölner sagt) und schon vergeht die Zeit wie im Fluge. Früher konnte man vom ersten Stock direkt hinunter schauen, aber mittlerweile ist die Decke geschlossen. Den Namen hat die Kneipe von Maria Kremer, die nach dem Krieg das Gebäude unter großen Mühen wieder aufbauen ließ. Für die Kinder hatte sie immer eine Zuckerstange übrig und wurde von den Menschen liebevoll „de Tant“ gerufen. Nur ein paar Schritte vom hektischen Neumarkt entfernt liegt dieses kleine Paradies.

Wir gehen jetzt ein Stück zurück, bis wir wieder auf die Schildergasse kommen. Hier biegen wir links ab und sehen die Kirche St. Aposteln bereits vor uns.

St. Aposteln wurde unmittelbar an der römischen Stadtmauer erbaut, war aber wohl anfangs nur ein einfacher Bau. Erst unter Erzbischoff Pilgrim änderte sich das im 11. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche dann noch einmal stark vergrößert, denn zu dieser Zeit entstand die achteckige Kuppel und der sogenannte Kleeblattchor. St. Aposteln verfügt über drei Orgeln. Man erkennt an der Kirche immer noch ein ehemaliges Türchen, das zugemauert wurde. Auf dieser Höhe war die Stadtmauer und der Pfarrer kürzte seinen Weg über einen Steg direkt in den Chor der Kirche ab. Unmittelbar hinter dem Eingang finden wir die Figuren der „14 Nothelfer“. Der bekannteste ist wohl heute noch der Heilige Christopherus, der durch den ADAC in den Köpfen der Menschen geblieben ist. Der Heribertskelch aus dem 13. Jahrhundert ist die größte Kostbarkeit, mit der St. Aposteln heute aufwarten kann. Die Gravur des Kelches stellt die zwölf Apostel dar. Sehr schön ist der ehemalige Pfarrgarten. Ihr solltet mal reinschauen. Hier im Grünen dringt kaum Lärm durch und es fällt schwer zu glauben, dass man nur ein paar Schritte vom Neumarkt entfernt ist. Ebenfalls etwas in Vergessenheit geraten ist das Adenauer Denkmal im Schatten von St. Aposteln.IMG_20191022_133105

Nach dem Besuch dieser sehr schönen Kirche begeben wir uns auf die Hahnenstraße und gehen diese durch bis zur Hahnentorburg.

Die Hahnentorburg ist eine der drei großen Torburgen, die noch erhalten sind, jedenfalls halbwegs. Zu Zeiten der Kaiser und Könige wurden diese in Aachen gekrönt. Wenn sie Köln besuchten, kamen sie hier durch das Hahnentor. Entsprechend prächtig war natürlich dieser Eingang in die Stadt.

Von der Hahnentorburg gehen wir nach Osten und folgen der Fahrradroute „Wälle“. Wir biegen dann links ab auf die Pfeilstraße und folgen dieser für etwa 250 Meter, gehen dann rechts ab auf die Ehrenstraße und kommen nach weiteren 200 Metern auf die Breite Straße, wo sich der Willi-Millowitsch-Platz mit dem Millowitsch-Denkmal befindet.IMG_20191022_130142

Willi Millowitsch stammt aus einer alten Schauspieler-Dynastie. Das Theater faszinierte ihn bereits als Kind und so war der weitere Werdegang vorgezeichnet. Sein Theater an der Aachener Straße war absolut Kult, seine Fernsehaufzeichnungen „Straßenfeger.“ Auch als Sänger hatte er Erfolg, beispielsweise mit dem Lied „Schnaps, das war sein letztes Wort“. Unvergessen bleibt den Kölnern zweifellos seine Interpretation von „Ich ben ne kölsche Jung“. Hier am Willy-Millowitsch-Platz steht nun sein Denkmal. Ein schöner Ort, denn hier ist immer Betrieb und so bleibt er unvergessen. Erwähnen muss ich leider noch, dass es auch in der weiter nördlich gelegenen verbotenen Stadt, mit dem unaussprechlichen Namen, am Uerige Brauhaus eine Gedenktafel der Millowitsch-Dynastie gibt.

Wir folgen nun der Breiten Straße und biegen direkt rechts ab auf die Albertusstraße und nach 200 Metern links in die Friesenstraße. Dann kommen wir zum Brauhaus Päffgen, unserer letzten Station dieser Tour. Wer hier erstmal sitzt und ein paar Päffgen-Kölsch genossen hat, dem wird schnell klar, warum diese Tour hier endet.

Dieses Brauhaus wird immer genannt, wenn vom Friesenviertel die Rede ist, denn es ist untrennbar mit diesem Viertel verbunden. Das Päffgen gibt es hier bereits seit 1883. Besonders schön ist der Biergarten, seit einiger Zeit im Winter überdacht. Zwei Kastanien stehen hier im Biergarten, von Hermann Päffgen 1884 selbst gepflanzt. Bis heute gibt es Päffgen-Kölsch nur in Fässern. Kein Flaschenbier und auch das mittlerweile übliche Lohnbrauverfahren werden hier abgelehnt. Durch die begrenzte Herstellungsmenge gibt es Päffgen deshalb nur in wenigen ausgesuchten Gasthäusern.IMG_20191022_124924

Übrigens haben Friesenstraße nebst Platz ihren Namen von Tuchhändlern aus Friesland, die sich im 10. Jahrhundert hier angesiedelt haben sollen.
Früher sah man in den Brauhäusern überall Marienbildchen. Diese Tradition ist mittlerweile fast ausgestorben. Fast, denn im Päffgen gibt es das noch. Und, soweit mir bekannt ist, gibt es hier als einziges Brauhaus noch das „ewige Licht“, das nur mal nebenbei.

 


Südstadtour

„Et Hätz vun Kölle schläät en d´r Südstadt“, sagen eingefleischte Kölsche. Also dachte ich mir, „Wahnsinn, do jommer och hin“, wie Wolfgang Niedecken, der übrigens auch aus der Südstadt kommt, schon vor langer Zeit sang. So schauen wir an der Severinstorburg vorbei und checken ins Früh im Veedel auf ein Kölsch ein. Frisch gestärkt machen wir uns dann auf zur Ulrepforte und danach zum Karl- Berbuer-Platz, wo diesem großen Sänger und Komponisten ein Brunnen gewidmet wurde.

Nun schauen wir uns zwei Kirchen an. Erst St. Gregorius im Elend und danach St. Severin. Ein Stückchen weiter die Severinstraße hinunter machen wir nochmal eine kleine Kölsch– Pause, diesmal im alten Brauhaus. Das war die Südstadttour im Überblick und ich finde, schön ist sie, wirklich schön.IMG-20190917-WA0009

Wir starten unsere Tour an der Severinstorburg. Die am Chlodwigplatz gelegene Torburg hat ihren Namen von der Pfarrei St. Severinus. Das Severinstor oder „Vringspooz”, wie sie auf Kölsch genannt wird, ist eine der Stadttorburgen der mittelalterlichen Stadtmauer.
Im 13. Jahrhundert errichtet, diente sie der Verteidigung des Toreingangs, und war gleichzeitig ein wichtiger Standpunkt zur Sicherung einiger Klöster und der Straße in Richtung Bonn. Nachdem 1881 die Stadtmauer eingerissen wurde, verlor die Torburg ihre Funktion und beherbergte lange Zeit verschiedene Museen. Heute kann man sich in der Torburg trauen lassen und verschiedene Räumlichkeiten können für private Feiern gemietet werden. Traditionell wird hier jedes Jahr die Geschichte von Jan und Jriet aufgeführt.

Das „Früh im Veedel“ ist direkt daneben, mitten im Herzen der Südstadt und eine der ältesten Gaststätten Kölns. Früher war hier eine Brennerei beheimatet, wie man an der Fassade immer noch erkennen kann. Seit 1979 wird hier Früh-Kölsch gezapft. Im „Invalidendom“, wie er bei Insidern heißt, kann man immer noch die historische Destille bewundern, die hier früher im Einsatz war. Das Essen ist typisch Kölsch und das urige Flair lädt zum Verweilen ein.

Von hier aus sind es gerade einmal 500 Meter bis zur Ulrepforte. Also los geht es. Wir gehen noch einmal an der Severinstorburg vorbei und kommen automatisch auf den Karthäuserwall. Nun geht es nur noch geradeaus und wir laufen direkt auf unser Ziel zu. Die „Ülepooz“, wie der Kölner sagt, hatte keine große Bedeutung für den Verkehr und war deshalb das kleinste der Stadttore. Auch dieses Tor wurde im 13. Jahrhundert während des Baus der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet. Mit einer Breite von vier Metern war es der schmalste Durchgang der Kölner Stadttore. Den Namen hat es von den „Ulnern“ (Töpfer), die ihr Handwerk hier ausübten. Wegen der Brandgefahr mussten sie in unbewohnte, eher bäuerliche Bereiche ausweichen.

In der Nacht zum 15. Oktober 1268 war die Ulrepforte Schauplatz einer blutigen Auseinandersetzung. Der zuvor aus Köln geflohene Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg hatte vor, gegen die Overstolzen seine Macht zurückzuerobern. Hilfe hatte er dabei von der, ebenfalls aus der Stadt vertriebenen, Familie der „Weisen“.
Einer Sage nach wurde ein Schuster mit Namen Havenit, der direkt an der Mauer wohnte, mit 25 Mark bestochen, um einen Tunnel zu graben, durch den ein unbemerktes Eindringen in die Stadt möglich war.
Allerdings flog der Plan auf und die Eindringlinge konnten getötet, in die Flucht geschlagen oder gefangen genommen werden.
Tatsächlich wurde bei Bauarbeiten, welche die Prinzengarde in Auftrag gegeben hatte, ein nachträglich zugeschütteter Durchgang entdeckt. Ob dieser etwas mit der Schlacht an der Ulrepforte zu tun hatte, ist allerdings nicht bestätigt.

Ab 1450 wurde dieses eher unwichtige Stadttor zugemauert und der Turm zur Windmühle umgebaut… Im Gegensatz zu Wassermühlen, die im Falle einer Belagerung anfällig waren, da die Belagerer den Kölnern das Wasser abgraben konnten, waren Windmühlen sicher. Und so konnte hier die wichtige Versorgung durch Mahlen des Korns aufrechterhalten werden. Im 19. Jahrhundert wurde an der Ulrepforte immer wieder angebaut und diese verstärkt. So gab es 1900 hier sogar eine Gastwirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die roten Funken die Ulrepforte gepachtet.

Von hier bis zum Karl Berbuer Platz sind es ebenfalls wieder rund 500 Meter. Dazu biegen wir ab auf die Ulrichgasse und folgen dieser. Die Ulrichgasse hat ihren Namen eigentlich von den „Ulnern“, den Töpfern. Durch Fehldeutungen wurde daraus Ulrich. An dieser Gasse wurde auch die berühmte Schlacht an der Ulrepforte ausgetragen. Wir folgen der Straße weiter, bis es leicht nach rechts zum Karl-Berbuer-Platz abgeht und wir praktisch bereits vor dem Denkmal stehen.

Der sogenannte Narrenschiffbrunnen. Der Kölner Sänger und Komponist Karl Berbuer schrieb im Laufe der Jahre über 120 Lieder, von denen einige auf etwas kuriose Art Verwendung fanden. So reiste Konrad Adenauer 1950 als Bundeskanzler zu einem Besuch nach Chicago. Da es zu dieser Zeit noch keine offizielle Hymne gab, wurde er mit dem Berbuer Lied „Heidewitzka, Herr Kapitän“ empfangen. Bei anderen offiziellen Gelegenheiten wurde auch gerne „Wir sind die Eingeborenen von Tritzonesien“ gespielt, eine kleine Anspielung auf die drei Zonen der Westmächte. Auch bei Sportlehrehrungen war es sicher ein besonderes Gefühl mit dem Tritzonesien Lied geehrt zu werden. Weitere sehr bekannte Lieder waren „Un et Arnöldche fleut“ oder das „Camping Leed“. Der Brunnen wurde 1987 errichtet und stellt Figuren seiner Lieder dar, sowie Karl Berbuer selbst.

Wir verlassen den Platz wieder und gehen auf die Severinstraße zu. Diese überqueren wir und spazieren nun automatisch auf die Kirche St. Gregorius im Elend zu.
Der Name im Elend entstand aus dem früheren Namen des Katharinengäßchens. Dieses hieß früher „Om Elend“. Die Kirche hatte eine besondere Stellung, denn auf dem Elendskirchhof wurden die heimatlosen und nicht-katholischen Leute begraben. Diese durften damals noch nicht auf einem Pfarrkirchhof beerdigt werden. Es war also der Friedhof der „akatholischen Toten“. Protestanten wurden später dann auf dem Geusenfriedhof beerdigt, wohin uns ein anderer Spaziergang führt. Die Kirche wird bis heute für katholische Gottesdienste nationaler Minderheiten genutzt, womit sie ihrer Tradition treu geblieben ist. Das Eingangsgitter stand übrigens früher am Kölner Rathaus. Außerdem ist sie die einzige private Kirche Kölns, da sie der Familie de Groote gehört. Und das schon seit 1678.

Wenn wir aus dem Haupttor treten, liegt links die Achternstraße. Der große Kölner Liedermacher Willi Ostermann hat einen sehr bekannten Song geschrieben, dessen Inhalt sich hier abgespielt haben soll. Denn hier war die Wohnung seiner Schwiegereltern und diese hießen „Palm“. Ich denke jeder Kölner kennt dieses Lied. „Kut erop! Kut erop! Kut erop! Bei Palms do es de Pief verstopp….“ und so weiter. Auf der Rückseite der Kirche liegt die Arnold-von-Siegen-Straße. Dieser Arnold von Siegen (1484 – 1569) war von 1529 – 1562 Bürgermeister von Köln und hatte damit satte 12 Amtszeiten. Als hochrangiger Ritter bescherte er der Kirche St. Johann Baptist einiges an Reichtum. Er liegt auch im südlichen Seitenschiff der Kirche begraben. Die Stadt widmete ihm auch einen Brunnen, der an ihn erinnert. Dieser hat die Form des Familienwappens.

Aber das nur am Rande. Wir haben uns nun eine Erfrischung verdient und gehen zurück auf die Severinstraße und biegen links ab. Nach wenigen Metern erreichen wir auf der rechten Straßenseite liegend “Das Alte Brauhaus”.
An diesem Ort entstand 1894 die Brauerei Reissdorf, von Heinrich Reissdorf gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg befand sich hier die Flaschenfüllanlage. Nachdem der Platz aber zu eng wurde und in Rodenkirchen ein neues Werk entstand, wurde 2010 an alter Stelle wieder ein Brauhaus errichtet. Diese Tradition setzt das Brauhaus fort, da hier natürlich Reissdorf gezapft wird. Hier, mitten in der Südstadt und im Schatten der Severinstorburg, lässt es sich gut aushalten. Bei schönem Wetter können die Glastüren geöffnet werden. So sitzt man dann direkt an der Straße und bekommt auch noch etwas vom Leben im Veedel mit.

Nachdem wir uns gestärkt haben, wollen wir nun die letzte Station dieser Tour anlaufen. Dazu gehen wir die Severinstraße weiter hinunter und kommen nach kurzer Zeit zur Kirche St. Severin.
Sie ist die zweithöchste der romanischen Kirchen in Köln, nur Groß St. Martin ist knapp drei Meter höher. Der Name dieser Kirche prägte das ganze Veedel. Auch die Hauptstraße des Veedels, die Severinstraße ist nach ihr benannt. Zur Zeit der Römer war sie ein wichtiger Teil der Nord-Süd-Verbindung. Hier befand sie ein großes Gräberfeld. Am Rande des Feldes gab es eine kleine Kapelle, aus der im Laufe der Jahrhunderte dann St. Severin wurde. Den Namen bekam die Kirche durch den Heiligen Bischof Severin, der laut Legende durch Engelsgesang vom Tode des hl. Martin erfahren hatte. Selbst Papst Leo III. hat diese Kirche besucht.

Nach dem Besuch der Hauptkirche hier im Severinsviertel schauen wir noch beim Schokoladenmädchen vorbei. Dieses Denkmal befindet sich direkt an der Kirche.
Das Schokoladenmädchen, wie es genannt wird, hat seinen Platz in der Südstadt und in den Herzen der Menschen im Veedel. Vor dem Denkmal steht ein Blumenkübel, der regelmäßig von den Bewohnern des Veedels bepflanzt wird. Viele nennen es auch „Gerda“. So wurde das Mädchen von der Uschi Huber genannt, die ein ganzes Buch mit Fotografien herausgegeben hat. Ihr war aufgefallen, dass sich dieses Denkmal immer wieder verändert und das Schokoladenmädchen zum öffentlichen Leben auf diesem Platz dazugehört. So entstand dieses sehr schöne Buch. Wir brauchen jetzt nur ein paar Schritte weiter zu gehen und kommen wieder zum Ausgangspunkt der Tour, der Severinstorburg.

 

 


Vom Rhein in die Südstadt

Der erste Spaziergang in unserer wunderbar verrückten Stadt führt uns vom Rande der Altstadt ein Stück am Rhein entlang in Richtung Bayenthal und in die Südstadt.
Genießen wir ein leckeres Kölsch im “Brauhaus Im Roten Ochsen” oder auf der Hafenterrasse im “Biergarten am Malakoffturm”. Weitere Möglichkeiten bieten sich im “Bürgerhaus Stollwerk” und in der urigen “Ubierschänke”.
Wir werfen einen Blick in die „Schifferkirche“ St. Maria Lyskirchen und in unsere historische Kölner Senfmühle, wenden uns dann dem Denkmal des Tauziehers zu und gehen über Kölns älteste Brücke, die über Rheinwasser führt.
Dann spazieren wir ein wenig durch das Gebiet des neuen Rheinauhafens, denn hier hat sich in den letzten Jahren unglaublich viel verändert. Wir erfahren etwas kölsche Geschichte über den Malakoffturm, die Bottmühle und den Bayenturm. Ein schöner und informativer Spaziergang durch unsere schöne Stadt – denn Köln hat was zu bieten.

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Wir starten am Thurnmarkt, vor dem Brauhaus im Roten Ochsen, nur ein paar Meter von der Altstadt entfernt. Dieses Brauhaus kann auf eine lange Tradition zurückschauen, die bis ins Jahr 1798 zurückreicht. Leider wurde 1916 der Braubetrieb eingestellt und das Traditionshaus von dieser Zeit an als Gasthaus weitergeführt. Hier haben wir die Möglichkeit, die Tour mit einem leckeren Reissdorf Kölsch zu beginnen, natürlich vom Fass gezapft. Dazu vielleicht etwas typisch Kölsches zum Essen, etwa einen „halven Hahn?“.

Es gibt viele Legenden, wie es zu diesem kulinarischen Leckerbissen kam. Hier ist eine davon: Ein Köbes serviert dem Kunden ein Roggenbrötchen mit Käse. Dieser beschwert sich allerdings, er hätte nur ein halbes Brötchen bestellt. „Ävver isch wollt doch bloß ne halve han“, daraufhin schnitt der Köbes das Brötchen durch und nannte es von da an „Halver Hahn“. Ja, so sind sie, die Köbesse.
Bei schönem Wetter bietet sich der kleine Biergarten vor dem Haus an. Dieser liegt zwar direkt an der Straße, ist aber trotzdem einigermaßen ruhig gelegen.

Nachdem wir uns gestärkt haben, setzen wir unsere Tour fort. Aus dem Brauhaus kommend gehen wir rechts die Straße hinunter und biegen wieder rechts ab in den Filzengraben. Hier führten früher die Filzer ihr Handwerk aus und nutzten den hier entlang laufenden Bach für ihre Filzerzeugnisse, wie z.B. Hüte. Wenige Meter danach gehen wir links in die Straße an Lyskirchen und erreichen unser nächstes Ziel, die Kirche St. Maria Lyskirchen. Sie ist die kleinste der zwölf großen romanischen Basiliken, entstand etwa um 1220. Besonders schön sind die Gewölbefresken über dem Eingang. Diese wurden ab 1879 wieder freigelegt und sind größtenteils erhalten geblieben. Die Kirche hat auch den Beinamen „Schifferkirche“, weil hier die spätgotische Schiffermadonna verehrt wird. Dies ist kein Wunder, bedenkt man die unmittelbare Nähe zum Rhein. Außerdem befand sich hier am Rhein die Holzwerft. Bau -und Brennholz wurde hier entladen und gehandelt. Daran erinnert der Name des benachbarten Platzes, der Holzmarkt. Aber zurück zur Kirche. Bei genauer Betrachtung stellen wir fest, dass diese Kirche nur einen Turm hat. Der geplante linke Turm hat nur zwei Geschosse und da Lyskirchen immer nur Pfarrkirche war und deshalb zu wenig Geld zur Verfügung stand, wurde er nie fertig gestellt. An der Westfassade sind einige Hochwassermarkierungen zu erkennen. So z.B. eine Markierung aus dem Jahre 1784, als Köln von einem schlimmen Hochwasser mit Eisgang heimgesucht wurde. Neben der Kirche geht es einige Treppenstufen hoch und wir befinden uns auf dem ehemaligen Kirchhof. Er ist heute eine kleine Grünanlage im Schatten der Kirche. Hier fehlt jetzt nur noch eine hübsche Bank, um diese feine Anlage in Ruhe genießen zu können.

Verlassen wir nun die Grünanlage und überqueren die Große Witschgasse. Übrigens der älteste nachgewiesene Straßenname in Köln. Bereits 948 wurde die Witschgasse urkundlich erwähnt, vermutlich benannt nach einem Grundstückseigentümer Namens Wizechinus.
Wir stehen nun direkt vor dem Schaufenster der historischen Senfmühle. An manchen Tagen steigt einem der Senfgeruch auch bereits in die Nase. Die historische Kölner Senfmühle ist über 200 Jahre alt und damit eine der ältesten in Europa. Sie wurde 2009 wieder in Betrieb genommen. Hier können wir die altertümliche Herstellungsweise in seiner vollen Bandbreite bewundern. Pro Tag werden etwa 360 kg feinster Gourmetsenf in neun verschiedenen Geschmacksrichtungen von süß über mittelscharf bis scharf hergestellt. Hierzu werden alte Rezepte aus dem 15. Jahrhundert und aus dem Jahr 1820 verwendet, wie es dem Baujahr der Senfmühle entspricht.

Nehmt Euch ein wenig Zeit und nutzt die Gelegenheit, dem Senfmüller bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen. Mehrere Führungen täglich geben dazu reichlich Gelegenheit. Und natürlich muss man den Senf auch probiert haben, denn er ist von höchster Stelle prämiert worden. Hier wird Klasse statt Masse geboten. In vielen Kölner Metzgereien und Gasthäusern wird dieser Senf verköstigt, auch im Roten Ochsen. Nach diesem kulinarischen Highlight käme jetzt eine kleine Erfrischung in einem schönen Biergarten gerade richtig. Und dä, wie der Kölsche sagt, brauchen wir nur die vor uns liegende Straße zu überqueren und stehen direkt vor dem Malakoffturm mit Biergarten. Mutter Colonia meint es heute sehr gut mit uns. Also einen schönen Platz gesucht. Die meisten Plätze bieten eine schöne Sicht auf den Rhein.

Seit 2005 befindet sich dieser schön gelegene Biergarten mit 200 Sitzplätzen auf der Hafenterrasse und lädt bei schönem Wetter zu einem süffigen Sion Kölsch ein. Essen wird nicht angeboten, aber direkt vor dem Biergarten befindet sich eine Imbissbude. Wir dürfen das Essen mit in den Biergarten nehmen. Ein Schild vor dem Biergarten weist sogar extra darauf hin, dass nach einer Biergartenverordnung König Ludwigs aus dem 19. Jahrhundert mitgebrachte Speisen im Biergarten verzehrt werden dürfen. So mag es der Kölsche. Also genießen wir die Zeit und betrachten uns den Malakoffturm schon einmal in Ruhe und erfahren etwas über seine Geschichte.

Als im Jahre 1848 die rheinseitige Stadtbefestigung ausgebaut wurde, entstand vor der südlichen Altstadt ein neuer Sicherheitshafen. Um diesen zu schützen, wurde im Jahre 1855 der Malakoffturm als Geschützturm gebaut. Die Anlage lag damals noch an der Nordspitze der „Rheinau“. Seinen für uns etwas seltsamen Namen hat der Turm von der Eroberung des Fort Malakow in Sewastopol durch französische Truppen im Jahre 1855. Durch die Berichterstattung während des Krimkrieges wurde der Name Malakoff mit Stärke, Größe und Belastbarkeit in Verbindung gebracht.
Nachdem diese Verteidigungseinrichtung später nicht mehr gebraucht wurde und das Areal zum Rheinauhafen umgestaltet wurde, entstand ein neues Hafenbecken und der Turm wechselte die Seite und steht jetzt auf der Stadtseite. Im Jahre 1880 wurde dann eine hydraulische Druckwasserpumpe in den Turm eingebaut, um das Bewegen der nebenan liegenden Drehbrücke zu ermöglichen. Diese befindet sich direkt neben dem Biergarten und deshalb schauen wir sie uns jetzt an. Übrigens ist sie Kölns älteste Brücke, die über Rheinwasser führt.

Die Drehbrücke am Malakoffturm wurde 1888 gebaut, um einen weiteren Zugang zum Rheinauhafen zu schaffen. Als Antriebstechnik war die damals sich entwickelnde Elektrizität zu schwach und die Dampfkraft zu unattraktiv und aufwendig. Deshalb entschied man sich damals für Druckwasser. Dieser Druck wird in der Pumpstation erzeugt, die im Malakoffturm untergebracht ist. Mittels unterirdischer Rohre ist die Pumpstation mit den Bewegungseinheiten der Brücke verbunden. Zu festen Zeiten wird die Brücke für den Schiffsverkehr gedreht. Wer Gelegenheit hat, sich das anzusehen, sollte es machen. Es lohnt sich.

Direkt rechts neben der Brücke sehen wir uns noch ein Denkmal an, den Tauzieher. Diese Skulptur aus Muschelkalk wurde im Rheinauhafen 1911 aufgestellt. Man hat sie dann 1980 unter Denkmalschutz gestellt. Sie hat eine Höhe von etwa 6,50 Meter, wobei der Sockel etwas mehr als die Hälfte davon einnimmt. In Köln übrigens eine der ganz seltenen Figuren, die einen körperlich arbeitenden Menschen zeigen. Nun spazieren wir über die Drehbrücke. Direkt vor uns liegt das Schokoladenmuseum.

Wir biegen aber nach rechts ab in das Gebiet des Rheinauhafens und schauen uns ein wenig um. Wir gehen auf die ersten Häuser zu und kommen automatisch auf die Straße Im Zollhafen. Direkt als erstes haben wir auf der linken Seite das Sport- und Olympiamuseum. Kurz danach lohnt es sich immer wieder, mal ein paar Meter Richtung Rhein zu gehen, da hier einige sehr schön restaurierte Kräne stehen, die erahnen lassen, dass es hier früher ein wenig robuster zuging.
Hier auf dem Rhein gab es früher eine kleine vorgelagerte Insel, eine Werth. Diese war wirklich klein und wurde deshalb nur das Werthchen genannt. Die Insel erstreckte sich etwa vom Bayenturm, den wir gleich noch sehen werden, bis kurz vor St. Maria Lyskirchen. Im 13. Jahrhundert taucht die Insel in Aufzeichnungen erstmals auf, damals als Hinrichtungsstätte. Später wurde sie von Fischern und Schiffsbauern genutzt, im 19. Jahrhundert dann in einen Park umgewandelt. Wir gehen gemütlich weiter und lassen den Rheinauhafen auf uns wirken. Nach einiger Zeit taucht rechts ein imposanter Turm auf, der Bayenturm.

Der Bayenturm ist ein mittelalterlicher Wehrturm, der um 1220 als Teil der acht Kilometer langen Stadtbefestigung entstand. Er war der südliche Eckturm der Stadtmauer, die Köln 700 Jahre lang umschloss. Mit seinen 35 Metern Höhe und 2,50 Meter dicken Mauern ist er schon sehr imposant anzuschauen. Ebenfalls konnte von hier aus der „Treidelbetrieb“ (das Ziehen der Kähne stromaufwärts durch Pferde) überwacht werden. Dem Turm vorgelagert war eine Schleuse, durch die der Graben vor der Stadtmauer geflutet wurde. Während des zweiten Weltkrieges wurde der Turm erheblich beschädigt und fristete lange Zeit sein Dasein als Ruine. Erst 1987 wurde er wieder aufgebaut, eigentlich unglaublich. Heute ist er Sitz der von Alice Schwarzer initiierten gemeinnützigen Stiftung „Frauen Media Turm“. Im Turm befindet sich auch ihr Büro und die Redaktion der Zeitschrift „Emma“. Eine alte Kölner Weisheit sagt „Wer den Turm hat, hat die Macht“. Ein prima Streitthema für gesellige Runden in unseren schönen Brauhäusern, finde ich. Stimmung garantiert.

Wir verlassen jetzt den Rheinauhafen und überqueren die B 51. Bayenthal war übrigens der erste Stadtteil, der mit einer Pferdebahn an die Innenstadt angeschlossen wurde.
Aber zurück zu unserer Tour. Wir biegen in den Ubierring ein. Wenn wir uns die Namen der hier beginnenden Ringstraßen genauer ansehen, stellen wir fest, dass diese nach den Herrschergeschlechtern benannt sind. Beginnend mit den Ubiern, dann den Sachsen, Karolingern, Saliern und den Preußen. Wir folgen nun dem Straßenverlauf, bis wir die Ubierschänke erreichen.
Die wohl traditionsreichste Kneipe in der Südstadt, urig und typisch kölsch. Und da in urigen Kneipen immer alles etwas anders ist, gibt es hier auch ein eigenes Bier, nämlich Böll Bier. Benannt wurde das Bier nach dem Szenewirt Clemens Böll, der nur wenige Schritte von hier das “Chlodwig Eck“ betrieben hat. Neben Kölsch könnt ihr hier je nach Saison auch Maibock, Helles oder den Roten Bengel trinken. Diese Biere werden in der Sünner Brauerei im Lohnbrauverfahren unter Aufsicht nach eigener Rezeptur gebraut. Da es in kleinen Brauchargen hergestellt wird, kann auf groß industrielle Stabilisierungsmethoden verzichtet werden und wir bekommen ein absolut natürliches Bier. Auch Konzerte finden hier regelmäßig statt.

So, nach einer Erfrischung in der Ubierschänke gehen wir jetzt den Ubierring einige Meter zurück, bis es links in die Straße “An der Bottmühle” abgeht. Dieser folgen wir bis an ihr Ende. Nun liegt links die Bottmühle.

Die Bottmühle liegt zwischen Bayenturm und Severinstorburg, war aber kein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Etwa 1552 wurde hinter der Stadtmauer eine „Bott“ (Wallplattform) angelegt. Eigentlich war geplant, hier eine Geschützstellung einzurichten. Gebaut wurde später eine Bockwindmühle. Um 1678 wurde diese durch eine steinerne Turmwindmühle ersetzt. Sie war lange in Privatbesitz und gehört erst seit 1921 der Stadt Köln. Seit 1970 ist sie der Sitz der „Sozialistischen Jugend der Falken“.

Wir überqueren nun die Straße und gehen jetzt die Karl-Korn-Straße hinunter. Nach einer Weile kommen wir automatisch zu unserem letzten Ziel des Spaziergangs, dem Trude-Herr-Park.
Dieser Park ist der beliebten und unvergessenen kölschen Volksschauspielerin gewidmet. Lange Zeit hatte Trude Herr ein eigenes Theater mitten in der Südstadt. Mit ihrem Talent für komische Auftritte sorgte sie auf der Bühne für ausgelassene Stimmung. So flog sie auch schon mal als komischer Engel über die Bühne. Musikalisch hatte sie mit dem Lied “Ich will keine Schokolade” einen Riesenhit. Von ihrer ernsten Seite zeigte sie sich mit dem Hit “Niemals geht man so ganz”, den sie mit Tommy Engel und Wolfgang Niedecken sang. In über 30 Filmen spielte sie ebenfalls mit, so z.B. als Fahrlehrerin an der Seite des ebenfalls unvergessenen Heinz Erhardt.
Nach dem Abriss der Schokoladenfabrik Stollwerk wurde dieser Park mit Grünflächen und Skulpturen angelegt. Direkt am Rand des Parks steht das Bürgerhaus Stollwerk. Bei schönem Wetter lohnt es sich, ein wenig im Biergarten Platz zu nehmen und die Ruhe zu genießen. Immerhin sind wir gerade mal 2000 Meter vom Dom und der hektischen Betriebsamkeit dort entfernt.

Wenn wir rechts am Bürgerhaus vorbei gehen, erreichen wir wieder die B 51. Diese überqueren wir, wenden uns nach links und gehen am Rhein entlang zurück zu unserem Ausgangsort, den wir nach kaum fünf Minuten auf der linken Seite erblicken.


 

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