Der Nordturm des Kölner Domes

Der Nordturm des Kölner Domes
Steht man auf der Domplatte und betrachtet die Westfassade des Domes, bietet sich natürlich ein Gesamtbild aus deren Portalen und der beiden Türme. Der Südturm ist eigentlich derjenige, der öfter im Gespräch ist aufgrund der Tatsache, dass hier die Turmbesteigung möglich ist und sich hier auch der Eingang zu den Ausgrabungen, die man im Rahmen einer Führung besichtigen kann, befindet. Diese ist nicht zuletzt der Geschichte nicht nur unseres Domes, sondern auch schon dessen „Vorfahren“ wegen mehr als interessant und empfehlenswert, das aber nur am Rande und soweit ich in Erfahrung bringen konnte, werden derzeit nur Gruppenführungen angeboten.
Wir wenden uns aber heute mal dem Gegenstück des Südturms zu, dem Nordturm, denn auch er hat einiges zu erzählen.
Wie wir ja wissen, fiel der sich mitten im Bau befindliche Dom im 16. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf. Während der Südturm schon etwas vorangeschritten war und bereits aus zwei Geschossen bestand, auf denen dann jahrhundertelang der mittelalterliche, quietschende Kran stand, die älteren werden sich vielleicht noch erinnern – SPASS! -, brachte es der Nordturm lediglich noch bis zum Stumpf des Ostpfeilers, kurz nach dem Jahre 1500. Dieser war auch vorerst das letzte große Bauteil, während die westlichen Eckpfeiler auch gerade mal eine Höhe von 6 Metern erreicht hatten. Auch der Südwestpfeiler war lediglich begonnen worden.
Dann herrschte Stille…Es ging nicht mehr weiter und der Kölner Dom, bzw. das, was schon von ihm stand, verfiel zur Bauruine.
Ca. 300 Jahre später treffen wir auf einen bekannten Dombaumeister. Ernst Friedrich Zwirner. Dieser stellte 1846 im Zuge des Weiterbaus fest, dass unter dem begonnenen Turm noch Fundamente fehlten, die nun noch errichtet wurden. Ebenso mussten zwei der Pfeiler wieder abgetragen und neu aufgebaut werden, weil es auch hier alte bauliche Mängel gab. Im Zuge dessen erhielt der nordwestliche Eckpfeiler im Jahre 1856 eine Wendeltreppe. Da dies eine wesentlich bessere Lösung war, als die Platzierung der Treppe im Südturm, sie aber vom Baubefund des Mittelalters abwich, geriet Zwirner mit August Reichensperger, seines Zeichens Politiker und auch Förderer des Kölner Domes, aneinander, der sich auch bei der Dachkonstruktion gegen Zwirner versuchte aufzulehnen. Wäre dies gelungen, würde der Dachstuhl heute aus Holz bestehen und nicht aus Metall. Zwirner wusste sich in beiden Fällen durchzusetzen.
Beide Türme wuchsen nun in die Höhe und schlussendlich sagt man heute, dass der Nordturm 7 cm höher ist als sein Pendant. Allerdings scheiden sich hier die Geister.
Kommen wir zum 20. Jahrhundert…denkt man jetzt, der Nordturm wäre „nur“ Turm, der irrt. Denn im ersten Geschoss befand sich bis zum Jahr 1930 die Dombibliothek. Heute wird der Raum, soweit mir bekannt ist, als Magazin genutzt. Im Stockwerk darüber befindet sich die Modellkammer mit Gipsabgüssen von Figuren, aber auch beschädigte Figuren.
Wie alle anderen Gebäude wurde auch unser Dom im Krieg nicht wirklich verschont. So wurde der Nordturm am 3. November 1943 durch eine Luftmine schwer getroffen, was zur Folge hatte, dass nun ein riesiges Loch darin klaffte. Hier wurde schnellstens gehandelt, um einen drohenden Einsturz abzuwenden. Es gibt verschiedene Erzählungen, bis hin zu KZ-Häftlingen, die das Loch mit Ziegelsteinen geschlossen hätten, aber festlegen möchte ich mich hier nicht. Ein Mahnmal war diese Ziegelplombe allemal. Von 1995 bis 2005 wurde diese repariert und dann verblendet, sodass der Turm nun wieder aussieht wie früher. Lediglich die hellere Farbe erinnert noch daran, was sich darunter verbirgt.
Seit 1943 existierte im Erdgeschoss des Nordturmes ein Bunker, der unter Dombaumeister Güldenpfennig entstanden war. Dieser sollte sogar die Last des Turmes tragen können, wäre dieser durch Bombentreffer eingestürzt. In diesem Bunker waren viele Kunstgegenstände während des Krieges untergebracht, auch der Altar der Stadtpatrone fand hier einen geschützten Platz. Im Jahre 1986 wurde dieser Bunker abgerissen.
Ihr seht, auch dieser Turm hat eine ganz eigene Geschichte. Wenn ihr das nächste Mal auf der Domplatte steht und dieses Bild bewundert, habt ihr nun vor Augen, was der Nordturm zu erzählen hat.
Bis bald, eure Ramona

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