Wenn es Nacht wird

Wenn es Nacht wird
Wie ist das eigentlich…wenn es Nacht wird im Kölner Dom…
Am Tage ist er gefüllt mit Menschen. Tausende jeden Tag. Sei es zum Besuch einer Messe, zur eigenen inneren Einkehr, zur Beichte, oder – und das ist der größte Teil – auch Touristen, die ihn einfach nur bestaunen wollen.
Da ist er erfüllt von Geräuschen, wie das Klicken von Fotoapparaten, das Gehen über den Fußboden, das Rascheln von Taschen und von Stimmen. Leise, gedämpfte Stimmen, aber bei der Menge von Menschen doch gut vernehmbar.
Erst abends…wenn der letzte Besucher gegangen ist und die Türen geschlossen und auch verschlossen werden…wird es still. Und in dieser Stille wirkt er jetzt ganz anders. Er gehört nun für die Stunden der Nacht nur sich selbst. Selbst den Regen, der gegen die Scheiben prasselt, kann man jetzt hören, ebenso wie das Quietschen der Bremsen der einfahrenden Züge im nur wenige Meter entfernten Hauptbahnhof.
Wenn man sich tagsüber im Dom aufhält, fühlt man schon das Geheimnisvolle, das Mystische. Aber jetzt abends oder nachts, wenn alles still ist, spürt man den „Geist“ des Kölner Doms noch sehr viel mehr. Es ist, als würde er nur dir allein seine Geschichte erzählen. Er läßt fühlen.
Andererseits ist es aber doch auch etwas unheimlich. Da knackt es überall, wenn zum Beispiel das Holz des mittelalterlichen Chorgestühls arbeitet. Geräusche, die man sonst nicht wahrnimmt. Geräusche, die jetzt nur der Domschweizer, der gerade den Nachtdienst im Dom antritt, hört. Vielleicht hab ich mal die Möglichkeit, mir von einem Domschweizer erzählen zu lassen, wie so eine ganze Nacht abläuft, was er fühlt allein im Dom und was ihn hat Domschweizer werden lassen. Auch, was er vielleicht während seiner Dienste schon so erlebt hat. Immerhin sorgt er unter anderem, wie auch seine Kollegen am Tage, für die Sicherheit im Dom.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben jetzt ist das Abräumen der vielen Kerzen, die die Menschen am Tag angezündet haben, verbunden mit Gedanken an ihre Lieben oder auch mit Gebeten. Stündlich dreht er dann seine Sicherheitsrunden durch den nächtlichen Dom. Was wirken die Säulen und die Gewölbedecken jetzt im Halbdunkel so riesig. Der Innenraum so viel größer…Erst nachts wird einem die volle Größe des Doms so richtig bewußt.
Die Ruhe und Stille der Nacht hat auch der Domorganist schon oft genutzt, um zu üben. Im leeren Dom wirkt der Klang der Kirchenorgel ganz anders, er erfüllt dann alles.
Und was macht der Dom nachts mit einem selbst? Er beruhigt, läßt selbst stiller werden, entspannt. Läßt zu sich selbst kommen.
Bei einer der wenigen nächtlichen Führungen durch den Dom, bei denen auch nur ganz kleine Teilnehmerzahlen möglich sind, kann man all das erfahren.
Vielleicht kommt ihr ja einmal in diesen Genuss. Ich wünsche euch schon heute ein unvergessliches Erlebnis in unserem schönen Dom bei Nacht.
Bis bald
eure Ramona
likeheartlaughterwowsadangry
0

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.