Der innere Straßenring um Köln

Der innere Straßenring um Köln
Oder wie allgemein genannt „der Ring“. Dies bedeutet einen Spaziergang von etwa 7,5 km. Und genau diesem Ring möchte ich heute einmal folgen. Um 1170 als etwa 10 Meter breiter Graben, zum Schutz der Stadt gezogen, wurde hier etwa 100 Jahre später die Stadtmauer angelegt. Um 1880 dann wurde die Stadtmauer fast komplett abgetragen und es entstanden prächtige Boulevards und Alleen. Dies war die Geburtsstunde der Kölner Ringe.
Ist eigentlich jemand hier, der es schafft, die Straßennamen alle in der richtigen Reihenfolge aufzuzählen? Gar nicht so einfach, sage ich euch, mir ist es nicht gelungen. Die Namen folgen einem klaren Muster, dem der deutschen Geschichte.
Mein Spaziergang beginnt am Ubierring, dem südlichsten Abschnitt. 822 Meter lang verläuft er vom Rheinufer bis zum Chlodwigplatz entlang der Kölner Südstadt. Der Chlodwigplatz wurde übrigens nach dem Merowinger Chlodwig I. benannt.
Nun kommt der Karolingerring, der nach dem fränkischen Herrschergeschlecht der Karolinger benannt wurde. Das vergleichsweise kurze Stück des Karolingerrings ist durch einen relativ schmalen Querschnitt geprägt. An der Brunostraße verbreitert sich der Ring hin zum Sachsenring, benannt nach den Sachsenkaisern. Hier kommen wir auch an der Ulrepforte und einem etwa 90 Meter langen Stück der Stadtmauer vorbei. Nun wird der Ring zum Salierring. Der bekannteste Salier war Heinrich IV.
Nach wenigen Minuten Gehzeit erreichen wir den Barbarossaplatz, nach dem Staufenkaiser Friedrich I. benannt. Als Platz möchte ich dieses Chaos eigentlich gar nicht bezeichnen. Ich finde ihn einfach nur furchtbar.
Verlassen wir nun den Barbarossaplatz und folgen dem Ring weiter, der jetzt zum Hohenstaufenring wird. Dieser verläuft über den kleinen Zülpicher Platz bis zur Schaafenstraße, an deren Ende sich bis zum Jahr 1882 das Schaafentor befand. Der Hohenstaufenring wurde nach einer bedeutenden deutschen Herrscherfamilie benannt, den Hohenstaufen, einem schwäbischen Adelsgeschlecht. Nach einer Weile wird er automatisch zum Habsburgerring, einem kurzen Teilstück. Auch hier handelt es sich um ein altes Fürstengeschlecht.
Wenige Meter später erreichen wir den Rudolfplatz, benannt nach dem Herrscher und ab 1273 sogar König, Rudolf von Habsburg, dem bedeutendsten Habsburger. Er ist der Namenspatron dieses Platzes, der
von der Hahnentorburg, eine der mittelalterlichen Torburgen Kölns, geprägt wird. Durch dieses Tor betraten die in Aachen gekrönten Kaiser über die Aachener Straße die Stadt.
Folgen wir weiter dem Ring, jetzt Hohenzollernring. Er steht für 103 Jahre Herrschaft der Hohenzollern in unserer Stadt. Könige und Kaiser gingen aus diesem Adelsgeschlecht hervor. Der Friesenplatz ist der nächste Platz am Ring. Den Namen kann man leider nicht mit Garantie erklären. Vermutlich war in diesem Abschnitt das Quartier der friesischen Händler.
Das nun folgende Teilstück, der Kaiser-Wilhelm-Ring, am 4. Mai 1882 nach Wilhelm I. benannt, dem ersten Deutschen Kaiser nach der Bismarckschen Reichseinigung, ist mit Bäumen und Brunnenanlagen ausgestattet. Ein herrliches Teilstück, das mir eine kleine Vorstellung davon gibt, wie prachtvoll der Ring einmal war.
Als nächstes kommen wir zum Hansaring. Hier sticht natürlich sofort das Hansahochhaus ins Auge. Das Hansahochhaus war eines der ersten Hochhäuser Deutschlands und steht unter Denkmalschutz. Als erstes Hochhaus Kölns war es mit einer Höhe von 65 Metern zum Zeitpunkt der Fertigstellung für kurze Zeit das höchste Haus Europas. Hier im Hansahochhaus, genauer im „Saturn“ beginnt meine persönliche Beziehung zu den Ringen, die wohl für immer in meinem Herzen bleibt. Wie oft war es meine Anlaufstelle als Jugendlicher.
In der damaligen „Uniform“, dem Parker, gekleidet, wurde der Saturn
regelmäßig geentert, um Musik zu hören oder/und sich die neuesten Plattencover anzusehen. Als ewig „klammer“ Jugendlicher mein kleines Paradies. Nie werde ich diese wunderbare Atmosphäre hier zwischen unzähligen Schallplatten und Kopfhörern vergessen. Traumhaft.
Der Hansaring steht allerdings nicht für das Hansahochhaus, obwohl man das auf den ersten Blick meinen könnte, sondern für die Hanse, denn Köln war lange Zeit Hansestadt und sogar Gründungsmitglied der Hanse. Die Farben rot-weiß im Stadtwappen weisen übrigens auch darauf hin. Auf diesem Teilstück kommen wir auch am Hansaplatz vorbei, einer Grünanlage an der südöstlichen Seite des Hansaringes, die durch einen 113 Meter langen Rest der mittelalterlichen Stadtmauer mit der Gereonsmühle begrenzt wird.
Nun nähern wir uns dem Ebertplatz, in letzter Zeit ja Mittelpunkt aller möglichen Diskussionen. Der Ebertplatz wurde früher öfter mal umgetauft, so hieß er mal Deutscher Platz, Platz der Republik oder auch Adolf-Hitler-Platz. Heute heißt er wieder Ebertplatz, benannt nach dem ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik.
Das letzte Teilstück dieser Ringstraße ist der Theodor–Heuss–Ring. Der 1963 nach dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss benannte Ringteil (früher Deutscher Ring) endet am Rhein gegenüber der Bastei. Auch dieser Teil ist mit einem extra breiten mittigen Grünzug versehen. Dieser Grünzug entstand auf dem Areal des 1810 bis 1813 gebauten Sicherheitshafens, der vom Eigelstein bis zum Rhein reichte.
Hier endet mein Spaziergang für heute.
Sicher, es war nicht gerade ein Spaziergang, der Ruhe und Erholung verspricht, aber trotzdem sehr spannend und aufschlussreich. Im täglichen Alltagstrott macht man sich über Namen und Geschichte keine Gedanken, und ich konnte heute auch nur ganz kurze Erklärungen abgeben.
Aber vielleicht hat dieser Spaziergang ein wenig neugierig gemacht, doch ein wenig tiefer in die Geschichte einzutauchen. Ich werde sicherlich den einen oder anderen Namen nachlesen.
Und ihr?
Euer Ronald
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