Wehrhaftes aus alter Zeit

Wehrhaftes aus alter Zeit
Es wird langsam Abend in Köln. Endlich, denn ich will, mit Fotoapparat und Stativ bewaffnet, losziehen. Nachtfotografie hat es mir in letzter Zeit besonders angetan und was gibt es für bessere Möglichkeiten, als abends die beleuchteten Brücken, den angestrahlten Dom, oder die mit bunten Lichtern bestückten Schiffe zu fotografieren. Ja, alles tausendfach abgelichtet, aber dennoch immer wieder schön anzuschauen.
Dummerweise ist es etwas windig, was besonders mein Vorhaben, mit den Fotos auf der Zoobrücke zu beginnen, zunichte machen könnte. Was heißt könnte, eigentlich weiss ich es, dass Wind, gepaart mit den Vibrationen der Brücke durch darüber fahrende Autos, das Verderben eines guten Nachtfotos darstellt. Stur, wie ich bin, versuche ich es dennoch. Und muss nach nur wenigen Minuten einsehen, dass der Wind doch stärker als meine Sturheit ist.
Gut, aufgeben will ich mein Vorhaben (noch) nicht, also verlasse ich die Brücke und gehe direkt die Uferpromenade ein Stück entlang. Da angekommen, versuche ich es erneut. Aber auch hier: Fehlanzeige. Ich muss mir nun wohl oder übel eingestehen, mir, wider besseren Wissens, den falschen Abend ausgesucht zu haben.
Aber wenn ich schon mal hier bin, nutze ich die Gelegenheit zu einem kleinen Spaziergang am Rhein entlang. Vorbei an der Bastei, mit Blick auf den Dom, die vorbeifahrenden Schiffe und eben jenem besagten Wind, der mir um die Nase weht. Aber Moment…die Bastei. Im wahrsten Sinne des Wortes herausragend wirkt sie da. Nur, was hat es mit diesem Bauwerk eigentlich auf sich?
Dort, wo sich einst ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer befand, existierte bis über das Jahr 1900 hinaus eine Kaponniere, bzw. das was später davon übrigblieb. Ein massiver Raum, aus welchem heraus Angreifer mithilfe von Waffen und Geschützen rheinseitig in die Flucht geschlagen werden konnten. Hier befand sich auch die Hafeneinfahrt des sich dort damals befindenden Sicherheitshafens, auch er wurde von dort aus bewacht.
Im Zuge der Stadterweiterung, sprich, als die Kölner Neustadt entstand, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wurde dieser allerdings wieder zugeschüttet.
Ca. 1891 wurde die ehemalige Kaponniere umgestaltet und diente nun als Eckpfeiler der Befestigungsanlage. Der obere Teil wurde 1911 entfernt und der untere Teil tat seinen Dienst als Aussichtsplattform, bis 10 Jahre später der Kölner Architekt Wilhelm Riphahn die damals viel Skepsis, von Seiten des Stadtrates, auslösende Idee einer Gastronomie in dem nicht mehr genutzten Gebäude hatte.
Nachdem er seine Pläne nach zähem Kampf doch durchsetzen konnte, begann das Projekt „Bastei“, wie das Bauwerk seitdem heißt. Bastei, angelehnt an „Bastion“. Am 22. Oktober, ebenfalls bereits 1924, wurde das elegante Restaurant eröffnet. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurde es jedoch geschlossen und 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. In den 50er Jahren ist es wieder Wilhelm Riphahn, der nach seinen eigenen alten Plänen der Bastei zu neuem Glanz verhilft. Am 5. Dezember 1958 wird sie, in Anwesenheit des damaligen Oberbürgermeisters Theo Burauen, wiedereröffnet.
Laut der Webseite der Bastei, welche immerhin eine Fläche von 300 qm hat und je nach Veranstaltung 80 bis 200 Gäste fasst, wird diese derzeit saniert und ist somit geschlossen.
Wie ich feststelle, ist sie aber auch von außen definitiv einen Blick wert. Geht sie doch auch einmal besuchen, sie ist ein Stück Kölner Geschichte.
Ich für meinen Teil beeile mich jetzt, nach Hause zu kommen, denn wie könnte es anders sein, fängt es jetzt auch noch an zu regnen.
Also dann, bis bald ihr Lieben, eure Ramona
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