Der alte Hänneschen-Brunnen in der Südstadt

Der alte Hänneschen-Brunnen in der Südstadt
Ja, es gibt einen alten, fast vergessenen Hänneschen-Brunnen in der Südstadt. Er wird kaum erwähnt, und als ich ihn besuchte, hatte ich das Gefühl, auch die Menschen in der Stadt haben ihn vergessen. Als Kölschgänger suche ich ja gerade die kleinen, nicht mehr so bekannten Schätze, die aber den Charme unserer Stadt und ganz besonders der Veedel, in denen sie zu finden sind, ausmachen. Deshalb tut es mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie wenig Beachtung diesem Brunnen geschenkt wird. Vielleicht kann ich das mit diesem Beitrag ein ganz klein wenig ändern.
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Es ist ja schön, wenn überall neues aufgebaut wird, aber sollten wir nicht gerade unsere alten Schätze pflegen und lieben? Die tragen doch maßgeblich zum Flair eines Veedels bei und immer, wenn ich durch ein Veedel gehe, sind es gerade diese unverrückbaren Dinge, die schon immer da waren, die mir persönlich das Wohlfühlen, das Verbundensein, das Heimatgefühl geben. Vielleicht ist es ein Problem unserer schnelllebigen Zeit, wir verlieren den Respekt, die Achtung vor den kleinen und alten Dingen.
Wir Kölschgänger werden immer wieder versuchen, an diese Dinge zu erinnern, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Das ist uns wichtig und genau in dem Moment, wenn ich vor so einem alten, fast vergessenen Stückchen Heimat stehe, weiß ich, es lohnt sich immer und immer wieder, darauf hinzuweisen.
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Aber zurück zum Star dieses kleinen Beitrags. Der Hänneschen-Brunnen steht in der Straße „Im Dau“, unweit des bekannten Narrenschiff-Brunnens Karl Berbuers. Er wurde 1914 vom Bildhauer Simon Kirschbaum aus Muschelkalk erbaut. Er soll an die Witwe Magdalena Klotz, die Enkelin des Gründers des Theaters erinnern und hat eine stolze Höhe von etwa 4 Metern. Der Brunnen besteht aus einem barockartigen Pfeiler mit einem Wasserbecken an einer Seite. Auf dem unteren Teil steht eine Eule, die als Wasserausguss fungieren soll. Sehr hübsch übrigens. Am Brunnen, der eigentlich recht schlicht gehalten ist, finden wir Kränze, Füllhörner und Muscheln als Pfeilerabschluss. Auf der Rückseite sollte über einen Pumpschwengel das Wasser in den Brunnen gepumpt werden. Jedenfalls war das früher so.
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Ganz oben sehen wir zwei Figuren, sitzend der Besteva im barocken Kostüm, einen Schirm haltend, mit der rechten Hand umfasst er den Zipfel eines Sackes, den er sich über die Schulter geworfen hat. Neben ihm steht das Hänneschen, auf dem Kopf seine typische Mütze, die Hände locker in der Hosentasche.
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Diese beiden Figuren verkörpern zwei sehr bekannte und beliebte Stockpuppen und stellen für mich ein Stück kölschen Gefühls dar. Zum einen der Besteva, der gutmütige, angenehme Großvater mit der leichten Neigung zum kaate un suffe, gerne auch in der Rolle des Pantoffelhelden und oft auf der Flucht vor seiner Frau. Also, wie der Kölsche sagen würde, „ne griese Spetzboov“. Zum anderen das Hänneschen, „ne kölsche Fetz“, ein schlagfertiger, gewitzter und mutiger Bursche, hier mal ohne sein Bärbelchen.
Ich mag diesen Brunnen, vielleicht besucht ihr die beiden ja auch mal beim nächsten Gang durch die schöne Südstadt.
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Und jetzt frage ich euch noch einmal, darf so ein Stück Köln in Vergessenheit geraten und untergehen?
bleibt neugierig und aufmerksam
Euer Ronald
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