Ein Märtyrer vor dem Herrn

Es war auf einem Feld bei Köln, später Mechtern (abgeleitet aus dem lateinischen „ad martyres“, woraus schon das Wort Märtyrer herauszulesen ist), heutiges Gebiet zwischen Thebäer- und Mechternstraße in Köln-Ehrenfeld, wo Hauptmann Gereon, zusammen mit seinen Mitstreitern sein Leben verloren haben soll. Eine andere Version der Legende besagt, dass Gereon am Gereonsdriesch gestorben ist. Welche nun stimmt, vermag ich leider aufgrund meiner damaligen Abwesenheit (Spaß) nicht zu sagen. Das aber nur nebenbei.
Was passiert war? Nun, er hatte sich seinen Glauben an Gott nicht nehmen lassen. Aber zum Anfang…
Gegen Ende des 3. Jahrhunderts gab es zwei große Kaiser, die sich die Herrschaft über das römische Reich teilten. Diokletian im Osten, Maximian im Westen. Durch ein strenges Regiment gelang es ihnen, dem Weltreich, welches längst nicht mehr auf festem Fundament gebaut war, wieder zu Reichtum und Glanz zu verhelfen. Strenges Regiment bedeutete, dass mit Waffengewalt dafür gesorgt wurde, dass die geschaffenen Gesetze auch eingehalten wurden. Dann aber geschah etwas, was die Menschheit auch heute noch kennt. All der Reichtum genügte den beiden Kaisern nicht mehr. Sie strebten nach mehr.
Und so ernannten sie sich selbst zu Göttern, die von ihren Untergebenen von nun an angebetet werden wollten. Und zwar nur noch sie und den gläubigen Christen drohte bei Zuwiderhandlung, sprich bei Glauben an den einen eigenen Gott, die Hinrichtung. Kirchen wurden verschlossen oder sogar zerstört.
Was folgte, war eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Christen im ganzen Reich. Es wurde so schlimm, dass Kaiser Diokletian Speziallegionen zu Kaiser Maximian schickte, um auch die Gläubigen jenseits der Alpen zu eliminieren. Die Männer dieser Legionen stammten aus dem ägyptischen Theben, und sie waren gefürchtet…denn sie hatten den Ruf, keine Scheu vor dem Töten zu haben.
Maximian entsandte Teile der Truppen aus der Schweiz nun nach Trier, Xanten, Bonn – und jetzt kommen wir zu unserem Protagonisten – nach Köln. Hauptmann Gereon zog mit 318 Mann in Köln ein, wo er sich gleich nach Ankunft seiner Truppe beim Unterfeldherrn Rictius zu melden hatte.
Während er auf seinen Befehl wartete, welchen er zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, schauten sich er und einige seiner Männer ein wenig in der Gegend um und sie waren verwundert, warum alle Menschen dort große Angst zu haben schienen und teilweise sogar vor ihnen fortliefen.
Die kleine Gruppe um Gereon suchte ein Gotteshaus, um zu beten, und als sie endlich eines gefunden hatten, welches aber verschlossen war, knieten sie kurzerhand vor dem Eingang nieder und beteten dort. Aus einiger Entfernung rief jemand das Wort „Heuchler“. Gereon verstand wieder nicht und auf seine Nachfrage bekam er zu hören: „heute betet ihr und morgen tötet ihr uns“. Gereon wies dies zurück, garantiert würden sie keine Christen umbringen und er konnte selbst einen kleinen ängstlichen Jungen, der ihn mit einem Stein bewerfen wollte, davon überzeugen, selbst Christ zu sein und an Gott zu glauben.
Dann kam der nächste Tag…
Unterfeldherr Rictius erteilte Hauptmann Gereon den Auftrag, alle gläubigen Christen Kölns zu vernichten. Die Menschen, die das hörten, weinten und waren der Verzweiflung nahe, aber es geschah etwas Unerwartetes. Hauptmann Gereon, sowie sämtliche Legionäre seiner Truppe verweigerten den Gehorsam. Er würde keine Menschen anbeten, denn nichts anderes als das waren die selbsternannten „Götter“ Diokletian und Maximian, ebenso würde er keine Gläubigen töten. Der erzürnte Unterfeldherr ließ daraufhin einen nach dem anderen der Gefolgsleute Gereons enthaupten, während die noch Lebenden laut und provokativ das „Vater unser“ beteten.
Gereon starb als letzter.
Der Legende nach erlitt er sein Martyrium an der sich heute im Inneren der Kirche St. Gereon befindlichen Blutsäule, welcher bis zum heutigen Tage die Fähigkeit zugesprochen wird, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.
Rictius stellte lautstark klar, dass so wie Gereon alle Christen sterben würden, doch seine Legionäre fanden keinen einzigen Gläubigen mehr in der ganzen Stadt. Gereon hatte ihnen die Angst genommen und so blieben sie, anstatt zu fliehen. Bis die Herrschaft der beiden mächtigen Kaiser zu Ende ging, lebten sie, gegenseitig geschützt und heimlich weiter glaubend, in der Stadt und unter dem neuen Kaiser Konstantin durften Christen endlich wieder Christen sein.
Der heilige Gereon ist der Patron von Köln, der Soldaten und, ja ich weiß, es klingt seltsam, der gegen Kopfschmerzen. Aber was wir von Gereon lernen dürfen, ist, uns nicht von anderen von dem abbringen zu lassen, woran wir glauben.
Nächstes Mal, wenn ich in Köln bin, werde ich wieder St. Gereon besuchen, die für mich persönlich schönste romanische Kirche Kölns, aber sicherlich nicht, ohne meine Gedanken zu dieser Legende schweifen zu lassen. Ich bin sicher, Euch wird es genauso gehen.
Bis bald
Eure Ramona
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