Sappho , eine griechische Dichterin auf dem Offenbachplatz

Dienstag Mittag, Offenbachplatz. Ich kam gerade die Brüderstraße entlang spaziert und entdeckte auf dem Offenbachplatz eine Skulptur, die mir noch nie so richtig aufgefallen ist. Seit ich Beiträge über die schönen und manchmal auch etwas verborgenen Sachen hier in der Stadt schreibe, gehe ich mit einem anderen Bewusstsein und mit offenen Augen durch Köln. Und so passiert es, dass ich auf einmal etwas entdecke, an dem ich seit Jahren vorbei latsche und mir auf einmal die Frage stelle „wasn dat?“ So auch an diesem Dienstag. Steht doch da eine Dame, äh als Skulptur meine ich, die ich gar nicht kenne. Sogar ein Schildchen mit Namen ist angebracht. In Köln beileibe keine Selbstverständlichkeit.
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Ich schaue mir natürlich die Person genauer an, lese was auf dem Schild steht und …tja, nix und. Sagt mir nichts, nie gehört, ich oute mich also wieder mal als Kunstbanause. Peinlich. Also, ab nach Hause, googeln, Bücher raus und suchen, lesen, Notizen machen.
Das habe ich jetzt getan, und so kann ich euch auch über dieses Mädel ein paar Sachen erzählen, denn bestimmt geht es einigen genauso wie mir. Also, lehnt euch zurück und ich erzähle euch ein wenig über die Geschichte der Sappho, denn so heißt sie.
Dafür gehts in der Geschichte richtig weit zurück, bis ins 6. Jahrhundert v. Chr.
Sappho galt als Lyrikerin, als älteste Dichterin des Altertums, hielt sich im Kreis junger Frauen auf, die genau wie sie den Tanz und Gesang liebten. Gelebt hat sie auf Lesbos. Bei uns wurde sie eigentlich erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt und gewürdigt. Zu dieser Zeit wurden immer mehr „griechische Papyri“ gefunden und es wurde deutlicher, in welch kunstvoller Sprache die Dichterin aus weiblicher Sicht ihre Lebenswelt in lyrischen Versen zum Ausdruck zu bringen vermochte.
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So wurden unter anderem Götterhymnen, Hochzeits- und Liebeslieder wurden von ihr gefunden. Sie wurde wohl auch wegen der Erotik und eigentlich schlichten Sprache in ihren Werken sehr verehrt. Es wird vermutet, dass sie zwischendurch aus ihrer Heimat verbannt wurde, später aber zurückkehrte, eine Schule für junge Damen im heiratsfähigen Alter aufbaute und wohl auch intime Verhältnisse zu den Schülerinnen „pflegte“. So soll das Leben der „Sappho“ maßgeblich zu dem Wort „Lesbisch“ beigetragen haben, wie auch der Name ihrer Heimat „Lesbos“ aussagt.
Die Kölner Universität erwarb 2002 eine Sammlung von 25 Papyri aus privater Hand und konnte nach aufwendiger Arbeit zwei Fragmente wieder herstellen, die 2004 veröffentlicht wurden. Hierbei handelt es sich um die ältesten Zeugnisse ihres Schaffens und die Dichterin erklärt ihre Sicht auf das Alter. So beklagt sie den Verlust der Schönheit, den ihr das Alter zugefügt hat und ihre Unattraktivität für ihre jüngeren Gefährtinnen.
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1963 kaufte die Stadt Köln das Werk des Bildhauers Emile-Antoine Bourdelle und stellte es vor dem Schauspielhaus auf. Übrigens wiegt die Dame rund 600 kg und hat angeblich einen Wert von 1,4 Millionen Euro, so sagt man.
Die Kölner verniedlichten natürlich wieder alles. So erklärten sie die Lyra einfachhalber zur Harfe und nannten die Sappho schlicht „Harfelisje“. So einfach geht das hier. Schon ist sie eine von uns.
Bleibt neugierig und aufmerksam
Euer Ronald
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