Ein Zeitensprung

Köln ist eine Stadt der Superlative. Jeder interpretiert das für sich anders. Für die einen ist es die schönste Stadt der Welt, für andere die perfekt unperfekteste Stadt der Welt. Für manche leben hier die liebenswertesten Menschen, für andere sind die Kölner das verrückteste Völkchen überhaupt. Wir haben den Dom, unglaublich viele Kirchen für eine einzige Stadt, den Schrein der Heiligen drei Könige, weshalb die Stadt einst sogar heilig genannt wurde in einem Atemzug mit Rom und Jerusalem. All das sind große Dinge. Das größte aber, was Köln – zumindest für mich persönlich – besitzt, ist seine Geschichte. Vergleichbar mit nur sehr wenigen anderen Orten in diesem Land.
Machen wir einen Zeitensprung in die Römerzeit.IMG_4773
Ohne die Römer, deren Zeugnisse noch überall in der Stadt zu finden sind, wenn man nur etwas genauer hinsieht, gäbe es dieses Köln nicht. Im Jahre 50 n. Chr. zur Colonia erhoben, war es die Hauptstadt der Provinz Niedergermanien (Germania Inferior), bekannt unter dem uns allen geläufigen Namen: Colonia Claudia Ara Agrippinensium, kurz CCAA.IMG_4796
Zu diesem großen Ganzen gehören aber auch viele einzelne Dinge, oft fast vergessene, wie z. B. die römische Wasserleitung, die Stadtmauer usw.
Heute aber möchte ich euch von etwas erzählen, was tatsächlich im Verborgenen liegt. Das Römergrab in Weiden. Von außen nur sichtbar durch einen besonderen Eingang in Form eines kleinen Häuschens, sowie einer kleinen Tafel, angebracht am Gebäude daneben, in welchem es ebenfalls viel über die Grabkammer, bzw. über das Leben und den Tod der Römer zu erfahren gibt, dem sogenannte Wärterhaus.IMG_4800
Um es gleich vorweg zu nehmen, bei dieser Führung dürft ihr kein riesiges Grab erwarten, wie der Name „Römergrab“ vielleicht vermuten lässt. Nein, es ist in der Tat ein sehr kleiner Raum, weswegen auch bei jeder Führung höchstens 3 Personen mitgehen können, bzw. mitgenommen werden (Gruppenführungen sollen erst in naher Zukunft wieder in Angriff genommen werden). Dieser kleine Raum allerdings besitzt eine Strahlkraft, die augenblicklich gefangen nimmt und Gänsehaut verursacht.
Betritt man diese Grabkammer, ist man umgeben von römischer Geschichte, spürt diese förmlich. Diese Grabstätte stammt aus der Zeit des zweiten bis vierten Jahrhunderts n. Chr. und das Wort Grabkunst trifft es hier zu 100 Prozent. Den mit Bildnissen der Jahreszeiten, sowie geflügelten Wesen, die die Verstorbenen, oder eher gesagt, deren Seelen in andere Sphären tragen, reich verzierte Sarkophag, wurde auf Geheiß des Gutsbesitzers für sich und seine Frau, wie wir erfahren haben, im weit entfernten Rom aus Carraramarmor gefertigt. Dieser hat im Lauf der Zeit seine Farbe verändert, was seiner Schönheit aber keinerlei Abbruch tut. Die Platte des Sarkophags ist nur noch teilweise erhalten, so dass man auch einen Einblick in das Innere erhält, welches natürlich wesentlich einfacher gestaltet ist. Er bildet den Mittelpunkt der Grabkammer, obgleich er hier ursprünglich nicht gestanden hat, sondern weiter oben. Durch einen Einsturz erst fand er seinen Platz dort, wo er heute steht.
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Das ist aber nicht alles, was wir dort vorgefunden haben. Diese Grabkammer, und offenbar war dies bei reichen Römerfamilien üblich, ist einem Speisezimmer nachempfunden. Ausgestattet mit Liegeflächen für die Herren, auf denen heute Büsten aus jener Zeit stehen, Wandnischen für, heute nennt man es Dekoartikel und noch etwas ganz besonderem. Zwei Sessel aus Stein, in ihrer Optik Korbsesseln sehr ähnlich. Das besondere hieran: diese beiden Sessel sind Originale, also ca. 1.800 Jahre alt. Im Römisch-Germanischen Museum befinden sich „lediglich“ Kopien derer. Auf der ganzen Welt finden sich solche Exemplare nur noch in Pompeji.
Seht ihr auch gerade die Männer und Frauen in ihren Tuniken und Gewändern dort Platz nehmen in diesem Speisezimmer der besonderen Art?
In diesem kleinen Grab atmet man Geschichte, möchte man am liebsten in der Zeit zurückreisen. Einmal beobachten, wie das römische Leben wohl aussah, wie Römer und Römerinnen ihren Alltag bestritten.
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Verlassen wir nun die Grabkammer und gehen wieder eine Etage höher. Wie sehr alles miteinander verbunden ist in dieser Stadt, wird hier ersichtlich. Denn über der Grabkammer, in die man bereits von hier oben herabschauen kann, befindet sich ein Schutzbau, welchen niemand geringeres als Ernst Friedrich Zwirner, damaliger Dombaumeister, entworfen hat und errichten ließ.
Dieses Römergrab, welches im Jahre 1843 bei Erdarbeiten entdeckt wurde, ist eine der beeindruckendsten Grabstätten der römischen Zeit, die es nördlich der Alpen überhaupt gibt. Sehr zu empfehlen ist auch die Ausstellung im Wärterhaus, die man unmittelbar vor einer Führung besichtigen kann.
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Wagt einmal einen Zeitensprung und besucht das Römergrab in Weiden. Ich bin sicher, ihr werdet genauso fasziniert sein, wie ich.
Bis bald, eure Ramona
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