Eine Zeitreise

Was für ein klarer Abendhimmel, der Mond scheint in seiner ganzen Pracht. Es ist mild an diesem späten Abend im Juli. Wohlhabende Damen in kostbaren Tuniken unterhalten sich über die Geschehnisse des Tages, während die Männer, ebenfalls in Tuniken gehüllt, nur kürzer als die der Damen, in Beratungen und Plänen vertieft sind. Bedienstete versorgen die Herrschaft mit Wein und Trauben und allerlei anderen Köstlichkeiten…
So oder so ähnlich wird es wohl oft zugegangen sein im alten Rom. Aber nicht nur dort. Auch in einem bestimmten Haus, erbaut ca. 50 n. Chr. in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, der römischen Kolonie, aus der das heutige Köln entstanden ist. Unsere Szene aber spielt im Jahr 230 n. Chr., also 180 Jahre und einige Umbauten des Hauses später. Hier, unter den Füßen der feinen Gesellschaft befindet sich etwas, das wir heute, ca. 1.700 Jahre nach Entstehung dessen, als Dionysosmosaik kennen. Dieses Mosaik, welches damals als Fußboden eines Speisesaals diente, befand sich in einem sogenannten Peristyl, einem rechteckigen Hof, der von Säulenhallen umgeben war, den Kolonnaden. In diesem Speisesaal wurden Speisesofas aus Holz errichtet, auf denen man mehr liegend als sitzend Speisen und Getränke zu sich nahm.
Man geht davon aus, dass es sich bei den Bewohnern um reiche Kaufleute gehandelt haben musste, denn dieser Innenhof gehörte zu einer ca. 2.600 Quadratmeter großen Stadtvilla. Bei einem Angriff der Franken auf das römische Köln im Jahre 355 brannte das Haus ab und das Mosaik wurde unter einer Schicht aus Schutt und Asche begraben. Zum Glück, muss man sagen, denn dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass es bis heute erhalten geblieben ist.
Im Jahr 1941 beim Bau eines Luftschutzkellers, dem Dombunker, fand man diesen Fußboden, sowie Reste des Fundamentes. Und genau hier, vor 1.700 Jahren fanden diese Szenerien statt, die ich anfangs beschrieben habe.
Eine bewegende Vorstellung, dass man dieses Überbleibsel heute an genau der ursprünglichen Stelle, an der es einst entstanden ist, bewundern kann, denn das Dionysosmosaik ist ein Bestandteil der Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum, wenn nicht DAS Denkmal schlechthin. Übrigens wurde das am 4. März 1974 eröffnete Museum über dem Mosaik errichtet und zeigt natürlich noch sehr viel mehr aus der Zeit der Römer und sogar der Ubier, aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.
Widmen wir uns also nochmals dem Hauptdarsteller:
Unser Mosaik besteht aus 27 mehrfarbigen Medaillons. In der Mitte finden wir den, ich nenne es mal vom Wein beseelten Dionysos, dem griechischen Gott desselben. In den das Hauptbild umgebenden achteckigen Bildnissen befinden sich verschiedene Ansichten aus der Natur, die Jahreszeiten, ebenso, wie ein bocksfüßiger Pan mit einem Ziegenbock an der Leine oder ein weiblicher Panther mit blauem Halsband, um nur einige Beispiele zu nennen.
In den Randfeldern finden wir Abbildungen, die sich auf das beziehen, was der damalige Raum war, nämlich wie schon erwähnt, ein Speisesaal. So tummeln sich hier Enten, ein Pfau und Täubchen. Weiterhin sind Trauben, Spalierobst oder auch Erntegeräte zu sehen.
Dieses Mosaik mit einer Fläche von 70 bis 75 Quadratmetern besteht aus ca. 1,5 Millionen Mosaiksteinchen aus Glas, Ton und Naturstein und gehört damit zu den größten seiner Art nördlich der Alpen.
Begebt euch doch mal auf eine Reise in die römische Vergangenheit unserer Stadt und sie wird wieder lebendig werden.
Salve, wie der Römer sagt,
Eure Ramona
Übrigens habt ihr Glück. Wegen Umbauarbeiten ist das Dionysos-Mosaik derzeit kostenlos zu besichtigen.
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