Drei Straßennamen für eine Straße – Das Seidmacherinnengäßchen

Eigentlich ist diese kleine, kaum 100 Meter lange Straße in der Kölner Altstadt eher als unauffällig im Kölner Straßenbild anzusehen. Gäbe es da nicht eine kleine Besonderheit. Gleich drei verschiedene Straßenbeschilderungen zeigen hier den Namen an. OK, wir sind in Köln, schon klar, hier ist vieles anders, aber das ist schon etwas kurios.

Wenn ihr von Obenmarspforten in die Straße geht, begegnet euch ein Straßenschild mit „Unter Seidmacher“. Von der anderen Seite kommend, habt ihr dann gleich zwei Angebote. Am Haus St. Peter 77 ( Zims) steht in goldener Schrift „Seidmachergäßchen“ und auf der anderen Straßenseite finden wir ein Straßenschild mit „Seidmacherinnengäßchen“. Verwirrend, oder?IMG_20200307_105118

Der Name selbst kommt von den Seidenmacherinnen, die sogar eine sehr bedeutsame Zunft bildeten, was schon höchst ungewöhnlich war. Hier muss „Fygen Lutzenkirchen“ hervorgehoben werden, die diese Zunft lange leitete. Michael hat über diese starke Persönlichkeit bereits einen Beitrag verfasst, ihr findet ihn auf unserer Homepage unter https://koelschgaenger.net/2019/08/17/fygen-lutzenkirchen/IMG_20200307_104724

Jetzt will ich aber das Rätsel auflösen. Einige Straßen in der Altstadt weisen mit ihrem Namen auf die historischen Gewerbe hin, die hier ausgeübt wurden, in diesem Fall halt auf die Seidenstickerinnen oder auch Seidenmacherinnen. Allerdings war dieses Quartier in zwei kleine Straßen unterteilt. In der Gasse stand im ausgehenden 14. Jahrhundert das Seidhaus. So hieß diese Straße in den alten Zeiten „Unter Seidmacher“ und der untere Teil hieß „Seidmachergäßchen“. Ferdinand Franz Wallraff fasste dann beide Straßen zusammen.IMG_20200307_104658

In den 1980ern gründete sich der Frauengeschichtsverein, und dieser hängte damals symbolisch ein Schild mit neuem Namen „Seidmacherinnengäßchen“ auf. Denn die alte Bezeichnung wies ja nicht auf das weibliche Geschlecht hin. Sie stellten auch einen Antrag auf Änderung des Straßennamens, was dann auch offiziell geschah. So wurde aus „Seidmacher“ dann „Seidmacherinnen“.
Etwas kurios das Ganze, weil immer noch alle drei Straßenschilder sichtbar sind, ich persönlich finde aber, es hat Charme und ehrlich gesagt, es fällt auch kaum auf.

euch eine gute Zeit, bleibt aufmerksam
euer Ronald

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