Der Schnüsse-Tring-Brunnen

Heute erzähle ich euch ein wenig von einer gewissen Katharina aus Ossendorf, einer Dienstmagd, die für ihre Zeit wohl mit sehr viel Selbstvertrauen gesegnet war, und der sogar ein Brunnen gewidmet ist.

Bekannt wurde sie durch den Heimatdichter und Komponisten Joseph Roesberg. Der hatte nämlich das zweifelhafte Vergnügen, diese Dame leibhaftig zu erleben, da sie bei seiner Schwester angestellt war. Und dieser Mann hat neben vielen Karnevalsliedern 1859 auch ein Lied über die Dienstmagd Katharina geschrieben. Das „Schnüsse–Tring“-Lied. Er beschreibt sie im Lied als Dienstmagd mit etwas herbem Charme, seitdem ist die Frau unter diesem Namen bekannt, als die aufmüpfige Schnüsse Tring.

Ein Brunnen für eine Hausangestellte, da ist wohl jedem klar, die muss ein Original gewesen sein. So einfach kommt man ja nicht zu der Ehre, als Statue eines Brunnens „herhalten“ zu dürfen. Ja, und sie war wohl auch „etwas“ anders. Gelebt hat sie Mitte des 19. Jahrhunderts, also zu einer Zeit, als eine Hausangestellte noch tat, was ihr aufgetragen wurde.
Nicht aber unsere Tring. Die hatte einen eigenen Kopf. Einen Dickschädel noch dazu. Sie hatte daheim bei ihrer Mutter kochen gelernt, und das machte ihr wohl auch Spaß.

So begann sie als Dienstmagd zu arbeiten. Allerdings sollte sie da natürlich auch putzen, und das schmeckte unserer Katharina ja gar nicht. An Karneval frei haben war für sie normal, Windeln waschen…“ne, dat machen ich net“ konnte da schon mal die Antwort sein. Dreht sich um, verschwindet und lässt die Hausherrin stehen. Oder sich mit Selbstverständlichkeit an den Leckereien der Familie bedienen, all das konnte einem bei der Tring passieren. So verlor sie natürlich meist schnell ihre Anstellung und irgendwann landete sie bei der Schwester von Joseph Roesberg, und dieser schrieb dann ein Lied über Katharina.
Aber kommen wir zum Brunnen selbst.

Vor der Dreifaltigkeitskirche an der Rochusstraße findet ihr den „Schnüsse-Tring-Brunnen“, von Heinrich Esser 1982 als Erinnerung an Katharina von Ossendorf errichtet, dank der Initiative des Karnevalsvereins „Alte Kölner Karnevalsgesellschaft „ Schnüsse Tring“ 1901 e.V.

Die Tring wird im Kittel, mit Besen und Putzeimer, aus dem Wasser in eine Schüssel läuft, dargestellt. An den Füßen grobe Holzschuhe. Sie steht auf einem Podest auf dem „Schnüsse Tring“ steht. Neben ihr steht eine Schüssel, aus der Wasser in das Wasserbecken unter ihr läuft. Der leicht schiefe Mundwinkel ist sehr gut gelungen, sie scheint nicht sehr glücklich über ihre Aufgabe zu sein, und fast erwartet man, dass gleich eine Schimpftirade auf den Betrachter losgelassen wird.

Ein schöner kleiner Brunnen, der die Geschichte eines kölschen Originals erzählt. Eine feine Sache, finde ich. Wenn ihr mal in Ossendorf seid, dann schaut mal bei Katharina vorbei.

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Euch eine gute Woche, bleibt neugierig und aufmerksam,
euer Ronald

Herzlichen Dank an Stefan Voss, der mir das Foto für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.

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