Finstere Zeiten

Es gab einst eine Zeit, von der man, zumindest teilweise, eine romantische Vorstellung hat. Denn wer kennt sie nicht, die Geschichte von Robin Hood und Lady Marian, die Artussage oder die von Merlin, dem Zauberer.
Wurden uns diese doch oft schon von früher Kindheit an in Form von Filmen oder Büchern in zigfacher Neuauflage präsentiert. Doch schaut man ein wenig hinter die Kulissen, merkt man schnell, dass diese Zeit, das Mittelalter, mit Romantik herzlich wenig zu tun hatte. Im Gegenteil, es war eine oft dunkle Zeit, geprägt von Gewalt und Brutalität. So wie in der Geschichte, die ich euch heute erzähle. In diesem Fall handelt es sich zwar um eine Sage, aber wir wissen ja, dass sich auch bei einer solchen dahinter eine gewisse Wahrheit verbirgt.

Unsere Geschichte trägt sich in der Glockengasse zu. Heute bringt man diese mit „4711“ in Verbindung, dem „Urparfüm“. Damals aber stand diese Gegend für Wohlstand und Ansehen. Doch lest…

Köln, irgendwann im 15. Jahrhundert, in der Nähe von St. Maria im Kapitol…

„Es ist Nacht. Die Hebamme Ida war bereits zu Bett gegangen, als es an ihrer Tür klopfte. Wer konnte das sein? Keine ihrer Schwangeren, die sie betreute, stand unmittelbar vor der Niederkunft. Was also…

Sie ging zur Tür, öffnete diese und erschrak, denn vor ihr standen zwei vermummte Gestalten, die sie schroff aufforderten, ihnen sofort zu folgen und über das, was sie erwartete, niemanden etwas zu erzählen, dann würde sie reichlich entlohnt werden. In keinster Form kam dieses einer Bitte gleich.

Ida hatte Angst, aber ihr blieb keine Wahl. Hebammen gehörten nicht zum angesehenen Volk, vielmehr wurden sie oft genug verdächtigt, Teufelswerk zu betreiben, eine Hexe zu sein. Und viele bezahlten ihren Beruf mit dem Leben.

Sie packte schnell ihre Geburtstasche und ließ heimlich ein Säckchen mit Erbsen in eine Tasche ihres Rockes fallen. Nun bekam sie von den Männern die Augen verbunden, welche sie dann durch die Straßen führten. Unbemerkt ließ Ida alle paar Meter eine Erbse fallen…

Sie waren angekommen. Nachdem die Männer mit ihr in ein Haus gegangen waren, kam noch jemand herein und nahm ihr die Augenbinde ab. Ida fand sich in einem kleinen Raum wieder. In einem Bett lag ein junges Mädchen und die Geburt stand offensichtlich unmittelbar bevor.

Keiner sprach, auch das Mädchen nicht, nur ein herzzerreißendes Weinen war von ihr während der schweren Geburt zu hören.

Es war geschafft. Mit Hilfe der Hebamme hatte das Mädchen einen Jungen zur Welt gebracht. Nachdem Ida das Kind gebadet hatte, und es gerade der jungen Mutter in den Arm legen wollte, fiel ihr Blick auf etwas unter dem Bett. Dort stand ein Sarg. Ida gab dem Mädchen das Kind und ging. Entsetzt wollte sie jemanden suchen, der ihr erklärte, was hier vorging, als ihr plötzlich ein Mann mit einem Schwert in der Hand gegenüberstand. Die beiden Männer, die sie hergebracht hatten, waren Zeugen dieser Begegnung geworden und herrschten Ida an, sie sollte nur Stillschweigen bewahren, sonst…Sie verbanden ihr wieder die Augen, brachten sie nach Hause, bezahlten sie mit Goldmünzen und entfernten sich.

Ida kam nicht zur Ruhe. Als es langsam hell wurde, ging sie der Spur nach, die sie des Nachts mit den Erbsen gelegt hatte. Die Spur endete vor dem Haus einer geachteten Familie in der Glockengasse. Was sollte sie nun tun? Sie ging ein paar Schritte weiter zur Kirche St. Kolumba und fragte dort den Küster, der gerade die morgendliche Messe vorbereitete, ob letzte Nacht jemand im Viertel gestorben und unmittelbar in die Kirche gebracht worden sei. Der Küster erschrak und wollte Ida fortschicken, ohne ihr eine Antwort zu geben. Aber sie war standhaft und beharrte weiter auf einer solchen.

Der Küster nun, ein frommer Mann, kam nicht mehr umhin und zeigte ihr die Tote. Es war das Mädchen von letzter Nacht. Ihr eigener Vater hatte sie enthauptet. Das Kind hatte man erwürgt und bei der toten Mutter gelassen. Ein „Femegericht“ hatte das Mädchen zum Tode verurteilt, weil es nicht verheiratet war, als es schwanger wurde.

Ida ging noch am selben Tag zu Gericht und zeigte das Geschehene an. Der Vater des Mädchens wurde daraufhin selbst zum Tode verurteilt.“

Zur Erklärung: Femegerichte waren geheime Gerichte. Sie „wachten“ über die Einhaltung der Ehre in der Gesellschaft. Ihre Urteile waren oft erbarmungslos.

Daher kann ich mir gut vorstellen, dass es solche Vorfälle wirklich gegeben hat.

Bis bald, eure Ramona

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