Die Deutzer Drehbrücke

Die Deutzer Drehbrücke

Heute lag ein schöner Spaziergang entlang der Poller Wiesen an, und zum Schluss dann mein heutiges Highlight. Die Deutzer Drehbrücke. Als ich mich ihr nähere, fällt mir auf, dass ich sie irgendwie viel größer in Erinnerung hatte. Mein letzter Besuch liegt Jahre zurück. Vielleicht deshalb.

Etwas abgelegen an einer kleinen Landzunge, dem Eingang zum Deutzer Hafen steht sie, und markiert das vordere »Einfahrtsbecken« vom hinteren größeren Hafenbecken. Hübsch sieht sie aus, im Jugendstil erbaut, die genietete Gitterträgerkonstruktion mit dem aufgesetzten, aus Stahlblech erbauten Steuerhaus, in dem die komplette elektrische Steuerung der Brücke untergebracht ist, macht was her.

Ihre Geschichte reicht weit zurück. Im Jahre 1888 wurde die Erlaubnis erteilt, die „Schäl Sick“ ans Wassernetz anzuschließen. Denn nun war Deutz eingemeindet und kein Konkurrent mehr für die Stadt Köln. Nachdem man sich einig war, dass hier am Schnellert der Deutzer Hafen entstehen sollte, da es hier ein natürliches Becken gab, welches man gut nutzen konnte, gab es allerdings erst noch ein paar Probleme zu lösen. Es mussten erst rund 1000 private Parzellen durch Enteignung der Stadt zugeführt werden, dies dauerte bis 1904.

Dann endlich konnte die Brücke nach dreijähriger Bauzeit zeitgleich mit dem Bau des Hafens fertiggestellt werden. Konstruiert wurde sie von der Duisburger AG, die Mechanik stammt von der Düsseldorfer Firma Haniel & Lueg.

Die Brücke wird hydraulisch angehoben und mit Elektromotor in die gewünschte Position geschwenkt. Ähnlich wie die Brücke am Rheinauhafen. Ihre Spannweite beträgt 31,29 Meter und ihre Breite 10 Meter. Ihr Gewicht beträgt 177 Tonnen. Das Hafenbassin hat eine Größe von etwa 12 Hektar.

Seit Juli 1980 steht die Drehbrücke unter Denkmalschutz und 2014 wurde sie aufwendig saniert, der Fahrbahnbelag wurde erneuert, die Elektrotechnik stammte noch aus den 50er Jahren und war marode, außerdem wurde die Brücke 2008 durch ein Schiff gerammt und dabei wurde ein Träger stark verbogen.

Übrigens ist sie ein gern gefilmter Blickfang für den Kölner Tatort. Unsere Drehbrücke, eine von nur noch 16 Stück in Deutschland. Und ein hübscher Ort. Ich stehe am Geländer, links liegen die Boote der Feuerlöschbootstation Köln, auf der anderen Seite wendet gerade ein Schiff. Ich höre das Knattern des Dieselmotors, ansonsten ist es ruhig hier. „Wie lange noch“, denke ich. Die Stadt hat großes vor in dieser Ecke, ein neuer Stadtteil soll entstehen. Was wohl mit dieser hübschen Brücke geschehen mag? Hoffentlich haben die Stadtplaner genug Fingerspitzengefühl und halten sie in Ehren. Leben ist eben Veränderung, auch an diesem Flecken, den ich sehr mag.

Ronald

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