Eine altehrwürdige „Dame“

Alter Stammheimer Weg. Unter dieser Anschrift finden wir den Botanischen Garten Kölns, die Flora. Wer nun glaubt, dieser wäre schon immer hier an dieser Stelle gewesen, der irrt. Wo aber befand er sich?

Sagen wir so, wachsen tut an ursprünglichem Ort seit vielen Jahren nur die Zahl Reisender. Um genau zu sein, die Zahl Zugreisender. Denn dort, wo sich heute der Kölner Hauptbahnhof befindet, existierte einst der Botanische Garten der städtischen Universität. Selbst, als es diese Universität nicht mehr gab, die Anlage blieb bestehen. Bis – ja, bis das Gelände anderweitig gebraucht wurde.

Die Dombrücke (Hohenzollernbrücke), noch neu, sollte sich bald in direkter Nachbarschaft eines großen Bauwerkes befinden. Nein, nicht des Domes, der stand ja schon…also fast.

Warum ich das erwähne? Nun, ich habe tatsächlich einmal gelesen, dass sich darüber empört wurde, wie man denn nur den Dom so nah an den Hauptbahnhof hätte bauen können. Aber Spaß beiseite. Tatsächlich war es jener neue Zentralbahnhof, wofür die Stadt Köln das Gelände des Botanischen Gartens zur Verfügung stellte.

Drei Jahre später…

Im Herbst des Jahres 1862 wurde von Eduard Oppenheim, einflußreicher Bankier in Köln, Adolph Rautenstrauch, sowie einiger weiterer Größen Kölns die „Aktien-Gesellschaft zur Anlage eines Botanischen Zier- und Lustgartens“ ins Leben gerufen.

Seinen Segen zur offiziellen Gründung dieser AG gab Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen am 3. März 1863 höchstselbst, da hatten die Arbeiten aber bereits begonnen. Schirmherrin wurde im Mai desselben Jahres seine Gattin, Kaiserin Augusta.

Für 22.130 Taler wurde ein Areal von umgerechnet 5,5 Hektar Größe zwischen den Ortschaften Riehl und Nippes gekauft, damals noch reines Ackerland. Heute schwer vorstellbar, oder? In einen „Garten“ verwandelte dann Julius Nieprasck das Ganze, er wurde auch der erste Gartendirektor. Er war ein Schüler des preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné und dessen Pläne waren es auch, die Nieprasck umsetzte.

Der älteste Teil der Gartenanlage der Flora (denn das sich im Mittelpunkt befindliche Gebäude trägt den gleichen Namen) wurde im Jahre 1864 eingeweiht und ist der dem Zoo am nächstgelegenen Teil. Und nur am Rande – im Gegensatz zu heute waren Zoo wie Flora zum damaligen Wohlbefinden der höheren Gesellschaft gedacht.

Nun besteht die Flora nicht nur aus der Parkanlage, sondern, wie eben schon erwähnt, auch aus einem prunkvollen, schlossähnlichen Gebäude, damals auch „Glaspalast“ genannt, da sich Architekt Max Nohl an verschiedenen Bauwerken von Paris und London orientierte.

Die Jahre vergingen, es wurde spazierengegangen, oder wie man es damals nannte, lustgewandelt, es fanden sogar verschiedene Ausstellungen statt…aber wie es so oft kommt, kam es auch hier: die Finanzen gerieten in Schieflage und die Aktien gingen im Jahr 1909 gezwungenermaßen in den Besitz der Stadt Köln über. In den Jahren 1912 bis 1914 erhielt die Gartenanlage dann Gewächshäuser für allerlei tropische Pflanzen. Selbst Orchideen waren damals noch etwas exotisches.

Durch die Erweiterungen wuchs die Anlage auf eine Größe von 11 Hektar. So kennen wir sie auch heute.

Die Gewächshäuser wurden im zweiten Weltkrieg nahezu vollkommen zerstört, aber wir wissen ja, die Kölschen haben sich nicht unterkriegen lassen und so wurde Ende Dezember 1949 wiedereröffnet.

Seit nun 156 Jahren also ist Köln im Besitz dieser besonderen Anlage, in welcher wir an die 12.000 Pflanzenarten in und außerhalb der Gewächshäuser bestaunen können, oder einfach nur einen ausgedehnten Spaziergang unter teils uralten Bäumen in einer wunderschön angelegten Umgebung genießen können.

Wer weiß, vielleicht begegnen wir uns dort ja mal.
Bis bald, eure Ramona

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