Weinfest in Niehl am Rhein

 

Ein Weinfest in Niehl? Was um alles in der Welt hat Niehl mit Wein zu tun? Nun, eigentlich nichts, aber es gab hier einmal ein „ungeplantes Weinfest“. Lasst euch erzählen…

Wir schreiben den 05.06.1926 und befinden uns im schönen Niehl. Alles ist ruhig, die Menschen gehen ihrem Tagwerk nach, nichts deutet auf Hektik oder etwas außergewöhnliches hin. Noch, denn nur einige Kilometer rheinauf bewegt sich ein Schiff auf Köln zu, das hier heute für einen denkwürdigen Tag sorgen wird.

Die Rede ist von der „In nomine Dei“ einem Moselkahn, der sich, voll beladen mit etwa 100 Fässern und vielen Flaschen Moselwein als Anhangkahn, in einem Schleppzug von Koblenz aus unserer Heimatstadt nähert. Dort soll er in Nähe der Südbrücke anlegen und entladen werden. So der Plan. Doch dann passiert dies…

11:30 Uhr. Langsam kommt die Südbrücke in Sicht, der Kahnführer gibt lautstark die Kommandos, um die „In nomine Dei“ aus dem Schleppzug zu lösen, er will die schwache Drift des Rheines nutzen und den Kahn langsam an die Verladerampe antreiben lassen.

Alles Routine bis hierhin. Doch damit ist kurz darauf Schluss, denn nun überschlagen sich hier die Ereignisse. Der Kahnführer lässt den Anker fallen, dummerweise beginnt sich der Kahn zu drehen und die Ankerkette reißt, auch der Notanker bringt nichts, so treibt der Kahn nun quer auf die Südbrücke zu und knallt ungebremst gegen den linksseitigen Strompfeiler der Südbrücke, dumm gelaufen. Der Kahn bricht in der Mitte auseinander, kentert und übergibt seine Ladung nun Vater Rhein. Nichts war es für die Fässer mit Weiterverladung auf die Bahn.

11:55 Uhr. Während an der Südbrücke totale Hektik aufkommt, machen sich die Weinfässer gemütlich schunkelnd im Wasser auf den Weg rheinabwärts. Unter dem Motto „auf zu neuen Ufern“. Eines dieser Ufer, übrigens ein wunderschönes noch dazu, befindet sich in Niehl.

13:25 Uhr. Die Niehler Fischer, die am Ufer ihre Netze und Nachen pflegen, bekommen nun Besuch vom etwas aufgeregten Vorarbeiter der Strombauabteilung namens Jakob Etheber, hier in Niehl besser als Kauchs Jakob bekannt, denn er ist gleichzeitig auch Gastwirt, und solche Leute kennt man halt. Er berichtet von dem Unfall und meint, die Fässer würden sicher bald Niehl erreichen und falls hier Fässer stranden, müssten die unbeschädigt zurückgegeben werden, es drohten ansonsten empfindliche Strafen.

„Dann loss kumme, wat kütt, m‘r dunn, watt m’r künne“ sagt der Görges Wickes und alle stimmen treuherzig zu. Nach wenigen Minuten sehen sie auch schon die ersten Fässer auf Höhe des Cranachwäldchens auftauchen. Ruckzuck sind die Fischer mit ihren Kähnen unterwegs, 5, dann 10, dann 15 Fässer tauchen auf. Am Niehler Damm bricht die Hölle los, alles ist mittlerweile auf den Beinen. Inzwischen findet hier am Rhein ein kleiner „Wettstreit“ statt. Die Wasserpolizei versucht die Fässer zu beschlagnahmen, sogar berittene Polizei macht sich auf den Weg, um angeschwemmte Fässer zu sichern, notfalls bis Neuss und Düsseldorf, so heißt es.

Aber da haben sie die Rechnung ohne die Niehler gemacht. Diese haben längst die ersten „Weinausgabestellen“ eingerichtet und so den leckeren Inhalt zum Verzehr freigegeben.

Ein herrliches Bild muss das gewesen sein. Überall offene Fässer, die Leute strömten ans Ufer und das erste Niehler Weinfest war eröffnet und das Schicksal nahm seinen Lauf. Auch die Polizeibeamten sollen wohl nicht durch Zurückhaltung oder größeren Diensteifer aufgefallen sein, sondern haben sich tatkräftig an der Weinprobe beteiligt. Was da alles so abging, darüber schweige ich mich jetzt aus, aber lustig war es am Niehler Ufer an diesem Tag, soviel steht fest.

Aus zugegeben unsicheren Quellen war zu erfahren, es hätte auf diesem „Fest“ sogar eine kurze Eröffnungsrede gegeben, aber, na ja, dies halte ich jetzt für etwas übertrieben.

19:00 Uhr (etwa, so genau konnte sich niemand mehr erinnern) wurde dann eine Hundertschaft der Polizei zum Niehler Strand geschickt, um an Fässern zu retten, was zu retten war und das Fest nun aufzulösen. Jedenfalls erstmal.

Als der Kommandant kam und seine Leute sammeln wollte, um sich zurückzuziehen, denn der Versuch war recht kläglich gescheitert, kam ihm ein Teil seiner Truppe laut „“Oh du wunderschöner deutscher Rhein“ singend entgegen.

Bis spät in die Nacht sah man Niehler in kleinen Prozessionen zum Rhein und zurück ziehen, ausgerüstet mit allerlei Gefäßen.
Rückblickend war das erste Niehler Weinfest ein Riesenerfolg. Über 4.000 Liter Wein wurden ausgeschenkt.
Offizielle Mitteilung: Das Wrack „In nomine Dei“ konnte problemlos geborgen werden. Sehr viel Wein sei durch den Unfall verloren gegangen oder ungenießbar geworden.

PS: Es halten sich Gerüchte, nach denen in den Niehler Wirtschaften noch sehr lange von diesem ungenießbar gewordenen Wein ausgeschenkt worden sei.

Tja, so sitze ich hier auf der Terrasse im Linkewitz , direkt am Rhein in Niehl, habe mir ein paar Kölsch gegönnt und im unten genannten Buch geschmökert, die Sonne genossen und auf einmal war diese Geschichte aufgeschrieben. Sowas passiert einfach…

Nachtrag: Bei diesem Gelage kamen insgesamt 5 Menschen ums Leben. Dies zeigt, wie „heftig“ es zugegangen sein muss. Bei allem Spaß an der Geschichte möchte ich auch darauf hinweisen.
Herzlichen Dank an Joachim Brokmeier für diese Info und das zusenden des Zeitungsartikels.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dies war die SEHR frei erzählte Geschichte vom Niehler Weinfest. Quelle: Das Buch „Niehl“ von Robert Christ und Josef Dollhoff
Diese Geschichte enthält Werbung

euer Ronald

likeheartlaughterwowsadangry
0

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.