Wer hat Angst vor bösen Geistern?

Schließt einmal für einen kurzen Moment eure Augen und stellt euch unser linksrheinisches Stadtpanorama vor. Mit z. B. Groß St. Martin, dem Rathaus, dem Rheinufer und…dem Dom. Richtig. Und jetzt das Ganze ohne Dom. Denn der steht ja ganz woanders, vielleicht sogar auf der rechtsrheinischen Seite. Unvorstellbar? Tja, für uns heute schon, aber fast wäre es so gekommen. Aber lest…

Alles begann zu Beginn des neunten Jahrhunderts. Der Erzbischof zu Köln entschloss sich, auf dem Hügel im Nordosten der Stadt, ganz in der Nähe des Rheins, einen Dom zu bauen. Groß sollte er werden und zu Ehren Gottes sollte er errichtet werden. Die Bürger Kölns aber versuchten, den Erzbischof davon abzubringen, den Dom an dieser Stelle bauen zu wollen. Dom ja, überall, aber nicht auf diesem Hügel. Regelrecht panisch vor Angst versuchten einige Männer, den Erzbischof davon zu überzeugen, dass dies kein guter Platz für den Dom sei, schließlich standen dort aus der heidnischen Zeit noch Mauerreste, es gäbe Steine mit Inschriften, die sich nicht erklären ließen und dergleichen mehr. Es heiße zudem, dass es des Nachts dort spuke und die verlorenen Seelen dort ihr Unwesen trieben. Seltsame Geräusche drangen von dort herab. Ebenso habe man Lichter flackern sehen.
Nein, da wollte keiner von ihnen an einem neuen Dom arbeiten.

Der Erzbischof aber ließ sich nicht beirren, er versuchte, die aufgebrachte Meute zu beruhigen, indem er erklärte, dass Gott doch längst alle Heidengötter vernichtet hätte. Und selbst die letzte böse Seele würde vom Domhügel verschwinden, wenn der Dom erst geweiht wäre.

Die Männer wussten nichts mehr zu entgegnen und zogen von dannen. So war es also beschlossen. Es dauerte nicht lange und aus dem ganzen Land kamen Zimmerleute, Steinmetze und Baumeister nach Köln und die Arbeiten begannen.
Bei jedem ausgegrabenen Stein, den man nicht etwas Harmlosem zuordnen konnte, musste ein Priester mit Weihwasser kommen, mit welchem der Fundort „bearbeitet“ wurde. Dadurch zogen sich die Bauarbeiten an der Grube über die Monate.

Es war inzwischen Herbst, es wurde früh dunkel und auch kalt. Doch es gab noch einen anderen Grund, warum den Leuten kalte Schauer über den Rücken liefen. Angeblich hatten sie Stimmen gehört, klagende, wehleidende Stimmen. Von Lichtern und seltsamen Unfällen ganz zu schweigen.
Für die Kölner Bürger und sämtliche Arbeiter konnten nur die bösen Geister vom Domhügel schuld sein, die sich rächten, weil man es wagte, sie zu stören und vertreiben zu wollen.

So wurde die Weiterarbeit am Dom verweigert, was zu Streit mit dem Erzbischof führte, bis…ja bis dieser selbst vorschlug, vierzig Tage und Nächte zu fasten und zu beten, dass Gott ihnen beistehen möge. In der Nacht nach der vierzigsten wolle er dann den Hügel von allem noch dort hausenden Bösen befreien.

So geschah es.

In der einundvierzigsten Nacht ging der Erzbischof zum Hügel, begleitet von Blitz und Donner, von Sturm und Regen. Er ließ sich jedoch nicht einschüchtern und setzte seinen Weg fort. Er umrundete den Hügel einmal…dann ein zweites Mal, immerzu Gebete sprechend und mit Weihwasser den Boden besprengend. Da kamen drohend dunkle Schatten und drohten, ihn zu vernichten, sollte er die dritte Runde vollenden. Doch im festen Glauben an den Schutz Gottes tat er genau das.
Kaum hatte er den Hügel zum letzten Mal umrundet, fuhr der Sturm in die Grube, zog Geister und alles Böse heraus und schleuderte sie auf die andere Seite des Rheins. Dann war der Sturm vorbei.

Die Arbeiten am „Alten Dom“, wie wir ihn heute nennen, konnten weitergehen und nichts seltsames war jemals wieder geschehen…

Köln deine Legenden…einzigartig, wie du selbst.

Bis bald
eure Ramona

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