Ein zerbrechlicher Riese

120.000 Tonnen wiegt er. Sagt man. Selbst von 160.000 Tonnen habe ich schon gehört. Vermutlich liegt das tatsächliche Gewicht unseres Domes irgendwo dazwischen. Was allerdings feststeht…dass er über der Erde genauso viel wiegt wie darunter. Faszinierend, zu was für baulichen Leistungen man damals bereits fähig war.

Heute wäre das ohne die Hilfe von computerbasierten Berechnungen gar nicht mehr denkbar. Davon abgesehen auch nicht bezahlbar. Man hat mal errechnet, dass der Kölner Dom, würde man ihn heute bauen, ca. 10 Milliarden Euro kosten würde.

Warum aber bezeichne ich ihn als zerbrechlichen Riesen? Wegen seiner Bauweise. Der gotischen Architektur. Ich habe im Dominneren schon oft beobachtet, wie die Blicke der Besucher staunend nach oben gingen. Als würden sie in den Himmel schauen. Und in der Tat ist die Höhe im Innenraum gigantisch. Und auch die Gewölbedecke selbst ist ein Wunderwerk damaliger Zeit. Wenn im Kreuzgewölbe der jeweils letzte Stein, der Schlussstein gesetzt war, wurden die Stützen unter dem Gewölbe herausgebrochen und erst dann wurde ersichtlich, ob die Konstruktion hielt. Und wenn ihr euch den „Himmel“ im Kölner Dom etwas genauer anschaut, seht ihr, dass sich diese Frage wohl oft gestellt wurde.

Was aber trägt dieses unglaubliche Gewicht? Tragende Wände gibt es kaum, an ihrer statt befinden sich hohe Fenster, die das Dominnere je nach Wetter in ein wunderschönes Licht tauchen. Die Antwort liegt draußen. Dieses filigran anmutende Strebewerk ist es, welches den Dom davor schützt, einfach in sich selbst 72783404_629873424084638_5763378397883400192_nzusammenzufallen…

Ohne dieses Strebewerk würden die Kräfte der Gewölbe, die sogenannten Schubkräfte, die auf die Hochschiffwand einwirken, diese nach außen drücken, sie würden irgendwann nachgeben und… weiter brauche ich hier glaube ich nicht über die Folgen zu schreiben.

Die Strebebögen nehmen diese Schubkräfte auf und leiten sie über die Strebepfeiler nach unten in den Boden ab, was dafür sorgt, dass unser Dom dasteht, wie ein Fels in der Brandung. Und ist er nicht genau das für ganz viele von uns? Gerade in dieser Zeit, wo wir von Stabilität und Beständigkeit so weit entfernt sind, steht er da nicht genau dafür?

Noch etwas wird über dieses Strebewerk vom Dom „weggeführt“. Etwas, dem der Dom häufig ausgesetzt ist, nämlich Wind. Wenn wir über die Domplatte gehen und dort schon gegen den oft vorkommenden starken Wind ankämpfen müssen, was für Kräfte wirken dann wohl erst oben am Dach des Domes…

Ihr seht also, dass dieses Strebewerk mit all seinen Türmchen, bildhauerischen Feinarbeiten und Steinblumen nicht einfach nur schmückendes Beiwerk zum Dom selbst ist. Er wäre ohne dieses nicht fähig, stehen zu bleiben. Ein Anlass, einmal mehr all jenen zu danken, die ihre ganze Kraft und ihr ganzes Können in den Erhalt des Domes geben und gegeben haben. Von 1904 bis 1939 zum Beispiel wurde das gesamte Strebewerk am Chor durch die Dombauhütte erneuert.

Zum Schluss noch etwas erstaunliches, hat es auch nicht rein mit dem Strebewerk zu tun, sondern vielmehr damit, schädliches Nass vom Dom fernzuhalten. War es eben der Wind, ist es jetzt der Regen, der auf das Dach des Domes prasselt, oder Schmelzwasser von Schnee und Eis. Denn, dass dieses Wasser zur schnellen Verwitterung des Gemäuers und Schäden auch an den Fenstern führen würde, wusste schon Meister Gerhard. Und so wird dieses auf einem Weg von unglaublichen 50 km!! über Rohre und Rinnen und dann zum Teil über die vielen Wasserspeier vom Dom weggeführt.

Unsere Kathedrale…durchdacht bis ins kleinste Detail. Einfach faszinierend…unser zerbrechlicher Riese.

Bis bald
Eure Ramona

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