Ein unwiederbringlicher Verlust

Stolz stand sie einst da, unsere Stadtmauer. Erbaut, um die Stadt zu schützen vor allem Ungemach…was nicht immer funktionierte, denn mal als Beispiel gesehen, als die Franzosen Köln belagerten, hieß es bei den Stadtsoldaten nicht: „Da simmer dabei“, sondern „da simmer mal weg“…

Dieser Beitrag spukt mir schon lange im Kopf herum und es ist mit einigen Emotionen verbunden, ihn zu schreiben. Emotionen wie Traurigkeit über den Verlust eines Teiles der Geschichte Kölns, der unwiederbringlich verloren ist, Wut darüber, dass vielen Menschen im Köln des 19. Jahrhunderts eben diese Geschichte völlig gleichgültig gewesen zu sein schien, und darüber, dass für eine Stadterweiterung die Mauer nicht hätte niedergelegt werden müssen. Dazu aber später mehr…

Kehren wir zum Ursprung dieses monumentalen Werkes aus dem Mittelalter zurück. Nachdem im ersten bis dritten Jahrhundert die römische Stadtmauer erbaut worden war, welche wir aber hier nun vernachlässigen werden, entstand die erweiterte Stadtmauer, um die es heute geht. Von 1180 bis 1259 halbkreisförmig errichtet, betrug die Länge der Mauer ca. 7,5 Kilometer und war im Durchschnitt 7,50 Meter hoch. Und wenn man jetzt denkt, das wäre ähnlich wie heute vonstatten gegangen, dass man lange auf eine Baugenehmigung wartet, der irrt. Die Kölner beschlossen 1180 den Bau der Stadtmauer und begannen zu bauen. Erstmal ohne den damaligen Erzbischof Philipp von Heinsberg um Erlaubnis zu bitten. Kölsche Selbstverständlichkeit eben. Aber zur Beruhigung, die Erlaubnis des Erzbischofs kam natürlich trotzdem, denn auch ihm war ja am Schutz seiner Stadt gelegen.88357309_729435730795073_7492064625278582784_o

Allerdings wurde hier nicht einfach eine Stadtmauer gebaut…hier wurde ein Werk geschaffen, das als größte Stadtmauer deutscher Nation des römischen Reiches in die Geschichtsbücher einging. Sie verfügte über 36 Tore, sowie 52 Wehrtürme (wobei sich hier die Geister scheiden, es tauchte diesbezüglich auch auf, dass es 84 Wehrtürme gewesen sein sollen).

Kennt ihr eigentlich alle Torburgen? Nur für den Fall, dass nicht, ich schreibe sie mal auf, im Süden beginnend nach Norden, in der Reihenfolge, wie sie einst dort standen, oder die wenigen, die heute noch da sind:

Bayenturm
Severinstor
Ulrepforte
Pantaleonstor
Bachtor
Weyertor
Schaafentor
Hahnentor
Ehrentor
Friesentor
Gereonstor
Gereonswindmühle
Eigelsteintor
Kahlenhausener Pforte
Kunibertstor

Besonders schön klangen die Bezeichnungen der Tore im Mittelalter, als sie noch lateinische Namen trugen. So hieß beispielsweise das Eigelsteintor „Nova Porta Eigelis“ oder das Severinstor „Porta Sancti Severini“.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es natürlich die ein oder andere bauliche Veränderung. So wurden einige Tore, sowie ein Turm zu Windmühlen umgebaut, unter anderem die Pantaleonsmühle, die das Bachtor als „Krönung“ bekam.

19. Jahrhundert…nach jahrelangen Verhandlungen hatte die Stadt Köln den Preußen für 12 Millionen Mark die Stadtmauer abgekauft. Und das, obwohl diese seit vielen Jahrhunderten Köln sowieso gehörte und den Preußen unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war. Das Ganze hatte aber den Hintergrund, dass nur aus Grundstücken großes Kapital geschlagen werden konnte, die man vorher selbst dem Staat abgekauft hatte. Und diese sollten ja schließlich verkauft werden. Die Geldgier der Stadtverwaltung muss wohl sehr groß gewesen sein, denn nach einer eindringlichen Fürsprache des Zentrumsabgeordneten August Reichensperger im Berliner Reichstag, standen die Chancen gut, dass die Grundstücke der Festungsanlage vergütungsfrei an die Stadt Köln zurückgegangen wären.

Kommen wir jetzt zu dem Punkt, an dem ich schrieb, die Stadtmauer hätte zum Zwecke der Stadterweiterung nicht niedergelegt werden müssen. Am 11. Juni 1881 sagte der damalige Oberbürgermeister Dr. Hermann Becker (der rote Becker) den Mitbürgern in einer Rede folgenden Satz: „Was unsere Altvorderen bauen mußten, damit Cöln groß würde, das müssen wir sprengen, damit Cöln nicht klein werde“ und schloss mit einem „Alaaf Cöln“. Die Menge jubelte. An diesem Tag begann das westfälische Pionierbataillon 7 mit dem Abriss der Weyertorburg und bis auf die wenigen, uns bekannten Überreste, war die Stadtmauer nach vier Jahren der Niederlegung Geschichte…

100 Jahre nach dieser ersten Sprengung erklärte die damalige Stadtkonservatorin, Dr. Hiltrud Klier, dass es beim Abreißen oder Erhalten der Mauer gar nicht um die Stadterweiterung ging. Diese war nämlich nur deshalb möglich, weil die „Rayonbeschränkungen“ aufgehoben worden waren. Diese besagten einst, dass das Schussfeld (ca. 1 Kilometer) vor der Mauer nicht bebaut werden dürfe.

Dass es vielleicht unmöglich wäre, ein solches Bauwerk wie die Stadtmauer Kölns komplett zu erhalten und zu pflegen, allein aus finanzieller Sicht, ist noch nachvollziehbar. Aber wieviele Geschichten mehr könnte diese Stadt erzählen, wenn man von ihrer einstigen „Trutzburg“ mehr erhalten hätte…erfühlen kann man es nicht mehr bei deren Anblick. Nur noch in Geschichtsbüchern lesen. Hoffen wir, dass uns wenigstens die wenigen Zeugnisse alter Zeit erhalten bleiben.

Eure Ramona

likeheartlaughterwowsadangry
0

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.