Die Straße, die keine ist

Nein, ich rede nicht von dem kölschen Versuch, etwas rechtzeitig fertig zu bauen, was dann aber aufgrund der allzu langen Bauzeit zum Scheitern verurteilt war. Dieser – ich nenne es mal „liebenswerte Wesenszug“ dieser Stadt – bietet doch immer mal wieder den Anreiz, einen Scherz daraus zu machen. Aber diesen beiseite…

Die Rede ist von der alten römischen Hafenstraße. Oder eben dem, was man bei Ausgrabungsarbeiten 1969/1970 davon freigelegt hat. Etwa 65 Meter lang und ca. 5,5 Meter breit, ist dieses Teilstück der alten Hafenstraße eines der ältesten Teile Kölns. Diese Straße wirkt erst mal nicht besonders auffällig, jedoch entsprach sie den damals höchsten technischen Möglichkeiten. Durch eines der an der Rheinseite gelegenen Stadttore führte sie in den römischen Hafen, ebenso verlief unter ihr ein Abwasserkanal, an welchen die dort angesiedelten Häuser mit Leitungen aus Holz angeschlossen waren. Sogar einen Gully für das Abwasser war angelegt, sowie ein Brunnen mit dem Relief einer Flussgottmaske. Einen kleinen Teil dieses Abwasserkanals hat man neben dem Brunnen an der Straße wieder aufgebaut.

Irgendwie hat man das Gefühl, dass die alten Römer bautechnisch zu mehr in der Lage waren als die Bautechniker der heutigen Zeit. Erstens ging es wahrscheinlich schneller, sogar in Köln (da war es wieder), und zweitens gab es keinerlei computerbasierte Berechnungen oder Werkzeuge, die mit den heutigen vergleichbar gewesen wären. Von schwerem Gerät ganz abzusehen.
Sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass man hier immerhin von einer Zeit von vor über 2000 Jahren ausgehen muss.

Was jetzt aber interessant zu wissen ist: da, wo wir heute über dieses Stück römische/kölsche Geschichte gehen können, lag es gar nicht. Dieses Stück Straße wurde etwa 5 – 6 Meter weiter südlich verlegt, weil sie den Arbeiten zum Bau der Tiefgarage unter dem Dom im Weg war. Ich weiß nun nicht, wie ich folgendes nennen soll, ob peinlich, kurios oder schlicht und einfach nur lustig. Die Archäologen nummerierten damals die ausgegrabenen Steine, um später zu wissen, wo denn nun welcher Stein wieder hingehört, um dieselbe…oder eben das Stück dieser Straße zu ergeben, wie sie im Ursprung vorgefunden worden war. Nur taten sie dieses (zum Schutz des Materials) unseligerweise mit Kreide. Und was passiert mit Kreidezeichnungen auf der Straße, wenn es regnet? Sie…verschwinden.

Schon ein bisschen seltsam, dass man nicht einkalkulierte, dass es auch in Köln mal regnen könnte. So. Jetzt lagen da ein Haufen Steine und irgendwie versuchte man nun, da wieder was draus zu bauen. Was daraus entstanden ist, sieht zwar einigermaßen ähnlich aus, entspricht aber nicht mehr der römischen Straßenbaukunst, da weder die Anordnung der Steine stimmt und dementsprechend natürlich auch nicht die Verfugung.

Trotz allem hat dieses Stück Geschichte Flair. Wenngleich ich persönlich die Stelle ihres Verbleibs als unangemessen empfinde. Ich hätte mir den Teil der römischen Hafenstraße gut als Verlängerung des Eingangs zum Römisch-Germanischen Museum vorstellen können.

Was meint ihr?

Eure Ramona

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