Petrus von Mailand – Schutzheiliger der Brauer

Ich denke, jeder in Köln kennt das Brauhaus Früh am Dom und hat es schon einmal betreten. Aber längst nicht jedem ist Petrus von Mailand aufgefallen, obwohl das Relief direkt über dem Eingang hängt. Verständlich, auch ich habe anderes im Sinn, wenn ich ein Brauhaus betrete.

Eigentlich denkt man bei einem Brauhausbesuch ja an positive Sachen, aber ich erzähle euch jetzt eine Geschichte von Ketzern und Mönchen, trotzdem steht die Geschichte in direktem Zusammenhang mit eurem leckeren Kölsch.
Dieses Relief über dem Eingang zum Früh zeigt einen Mönch bis zur Brust. In dieser steckt ein Messer und zu allem Überfluss steckt auch noch ein Schwert im Schädel. Nein, es ist nicht der Schutzheilige gegen Kopfschmerzen, das ist, wie wir ja wissen, der gute Gereon, das aber nur nebenbei. Zurück zum Relief. Der Mönch schaut ziemlich griesgrämig drein, wer will es ihm verdenken, der Tag scheint ja auch mies zu laufen. Es handelt sich hier um Petrus Martyr, oder besser Petrus von Mailand. Dieser lebte im 13. Jahrhundert und entstammte einer Kartharerfamilie, diese Leute waren…sagen wir mal…etwas extrem. In diesem Milieu war die Ketzerbewegung weit verbreitet. Nun merkte Petrus aber, dass er eigentlich ganz anders drauf war und schloss sich den Dominikanern an. Ausgerechnet, denn diese waren wiederum bekannt als der Orden, aus dem die meisten päpstlichen Ketzerverfolger kamen. Ihr Ordensname „domini cani“ wurde damals gerne als „die Hunde des Herrn“ übersetzt. Also alles nette Gesellen in dieser Geschichte.

Unser Petrus machte in diesem Orden jedenfalls ganz gut Karriere und war schon bald als Inquisitor zuständig für ganz Oberitalien und verfolgte mit ganzer Kraft und Härte seine ehemaligen Glaubensgenossen. Aber natürlich hat so jemand nicht nur Freunde, und so kam, was kommen musste. Eines Tages im Jahre 1252, auf einer Landstraße bei Mailand, wurde er überfallen und übel zugerichtet, wie uns das Relief ja deutlich zeigt. Dieser feige Mord rief nun Papst Innozenz IV. auf den Plan. Da es unruhige Zeiten für die Kirche waren, konnte der Papst noch ein paar Heilige gebrauchen. Nachdem er also vom Mord an unserem Petrus hörte, wusste er diesen für sich zu nutzen. Er sprach Petrus von Mailand heilig, hatte nun einen neuen Märtyrer und sorgte dafür, dass sein Bild, so wie am Früh zu sehen, schnell verbreitet wurde.
Verlassen wir nun Italien und kommen zu uns nach Köln.

Nun wird vermutet, das die Dominikaner ihre Finger im Spiel hatten und gerne im kölschen Klüngel mitmischen wollten. So „überredeten“ sie die Brauerzunft, zu dieser Zeit eine der mächtigsten Zünfte, diesen Petrus von Mailand zu ihrem Schutzheiligen zu machen. Denn die rheinischen Schutzheiligen waren in Köln sehr hoch im Kurs und erfreuten sich größter Beliebtheit. Da wollten die Dominikaner auch gerne mitmischen. Aber gegen Severin, Gereon und Ursula hatten sie keine Chance, und so ist Petrus von Mailand auch heute eher unbekannt in unserer Stadt.

Im Jahre 1797 wurden unter französischer Besatzung die Kölner Zünfte aufgelöst. Die St. Peter von Mailand-Bruderschaft überstand dies, umbenannt in „Cölner Brauer-Cooperation“, unbeschadet als einziger Handwerkerverband Kölns. Nach Ende der Franzosenzeit lebte die Bruderschaft als Traditions- und Gemeinschaftspflegeverein wieder auf.

Eigentlich hatte die Bruderschaft ihren geistlichen Mittelpunkt in der Kirche des Dominikanerklosters Heilig-Kreuz in der Stolkgasse. Dort war Petrus von Mailand ein eigener Altar gewidmet und es gab sogar eine Darstellung dessen mit klaffender Kopfwunde in Farbe. Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1802 durch die Franzosen zog das Bild in die Kirche St. Andreas um, die bis heute Patronatskirche des Ordens ist. Seit dem Jahre 1895 ist dem Heiligen Petrus von Mailand dort eine eigene Kapelle gewidmet, die von der Bruderschaft mit einem Altar, einem Glasfenster und einem Reliquiar, einem Aufbewahrungsbehälter für Reliquien, ausgestattet wurde.

Die Kölschbrauer pflegen auch heute noch die Tradition der Bruderschaft und feiern am 29. April das Patronatsfest in St. Andreas. Man trifft sich außerdem zu geselligen Gesprächsrunden und betätigt sich als Stifter. So schenkten die Kölner Bierbrauer ihrer Patronatskirche etwa im Jahre 2001 eine „Brauerkrippe“.

Die Interessen der Kölschbrauer vertritt seit 1948 der „Kölner Brauerei-Verband e.V.“, der sich historisch auf die Tradition der St. Peter von Mailand-Bruderschaft beruft.
Was es nicht alles gibt in Kölle. Also, wenn ihr das nächste mal ein Kölsch trinkt, dann gedenkt dem Schutzheiligen der Brauer. Prost,
euer Ronald

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