St. Maria ad Gradus

Es gibt Geschichten über Köln, so wie die heutige, die sind vielleicht nicht so lang, was aber nicht an Zeitmangel meinerseits liegt, sondern dass sie schlicht nicht so viel Raum in der Geschichte einnehmen. Und dennoch, oder gerade deshalb, ist es mir wichtig, von einem vielleicht schon längst vergessenen Bauwerk zu erzählen…

Zwei Treppen führten einst zu der zwischen dem Rhein und dem damaligen Domhügel erbauten Kirche. Dort, auf dem Gelände des heutigen Domherrenfriedhofes stand sie. Die Stiftskirche St. Maria ad Gradus, was übersetzt „Maria zu den Stufen“ bedeutet, was auf ihre Lage hindeutete.
Wie ihr Name schon sagt, stand sie unter dem Patrozinium der Gottesmutter Maria, des Weiteren aber auch unter dem der weiteren Patrone Anno und Agilolf. Der Name Anno taucht in der Kölner Geschichte ja oft auf, aber auch der Name Agilolf sagt euch etwas? Ich schreibe gleich noch etwas dazu…84352775_703531623385484_907959225995493376_o

Zu jener Zeit stand noch der sogenannte Alte Dom, an dessen Rückseite der Erzbischof Hermann II. begann, ein Chorherrenstift zu planen und aufzubauen, welches aber erst durch Hermanns Nachfolger, Erzbischof Anno II. vollendet wurde. Dieser weihte die Kirche auch ein, es wird vermutet, dass dieses im Jahre 1057 geschah. Nachdem Papst Nikolaus II. 1059 die Gründung bestätigt hatte, zogen die ersten Kanoniker aus Dortmund in das Kloster ein. Der Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld schrieb einst nieder, dass dort die Unterbringung von 30 Chorherren geplant war.

Besonders hervorzuheben ist bei dieser Kirche, dass Anno II. im Jahre 1062 die Gebeine des Erzbischofs Agilolfs (hier taucht dieser Name wieder auf), der um 748 gestorben ist, hier beisetzte, und ein Jahr später die verstorbene Richeza, Königin von Polen und Enkelin Kaiser Otto II. und der Kaiserin Theophanu. Michael hat ja am vergangenen Samstag über Theophanu berichtet. Der jüngste Bruder Richezas war übrigens jener Erzbischof Hermann II. der den Bau des Chorherrenstiftes Maria ad Gradus begann, das aber nur am Rande. Hier alle weiteren Verwandschaftsverhältnisse Richezas aufzuzählen, würde meine Einleitung bezüglich des kürzeren Beitrages zunichte machen.

Wie bei so vielen Bauwerken des Mittelalters blieben auch hier Katastrophen nicht aus. Im Jahre 1080 vernichtete ein verheerender Brand die Gebäude, die aber wieder aufgebaut wurden und 5 Jahre später von Erzbischof Sigewin eingeweiht wurden.82976179_702898250115488_8432906893986365440_o

Jahrhunderte vergingen…dann, im Jahre 1817 wurde das Stift infolge der Säkularisierung (1802) nicht mehr benötigt und abgerissen. Als man 10 Jahre später den Domhügel abtrug, verschwanden mit ihm auch die Fundamente dieses Zeugnisses aus alter Zeit. Einzig eine einzige Säule aus dem Säulengang, die „Domsäule“, blieb erhalten (auf dem Foto die dunkle Säule). Sie wacht nun auf dem Domherrenfriedhof über die dort Bestatteten.

Kommen wir zum Schluss noch zu jenem Namen, der mehrfach fiel. Agilolf. Dieser Name begegnet uns heute im Kölner Dom wieder. Wenn ihr den Dom betretet, euch rechts haltet und dann geradeaus blickt, seht ihr vor dem Eingang zum Kapellenkranz den „Agilolphusaltar“. Warum die Schreibweise hier vom ursprünglichen Namen abweicht, kann ich euch leider nicht sagen. Dieser bedeutende, vermutlich aus dem Jahr 1520 stammende Antwerpener Schnitzaltar war einst der Hauptaltar in der Kirche St. Maria ad Gradus…und gelangte ebenso wie die wenigen sterblichen Überreste der Richeza von Polen im Jahre 1817 in den Kölner Dom…

An dieser Stelle endet meine Reise in die Vergangenheit…für dieses Mal…

Bis bald, eure Ramona

(Das Foto des Modells hat uns freundlicherweise Ellen Hachfeld zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank hierfür)

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