Theophanu

Wisst Ihr, dass wir hier bei uns in Köln eine Dame habe, die früher einmal die mächtigste Frau von Europa war, wohl sogar von der ganzen Welt? Wie werde ich so einer Person bei Kölschgänger gerecht? – Es geht nicht.

Jetzt habe ich die Tage die Bücher von Rebecca Gablé über Otto I. gelesen „Das Haupt der Welt“ und „Die fremde Königin“. Da wurde mir klar, dass sie alle einfach auch Menschen waren, die geliebt haben, Freunde hatten, ihre Sorgen auch, Angst kannten und irgendwie nur das Beste für die Familie wollten. Gut, wenn du ein König bist und später auch Kaiser, muss man den Begriff „Familie“ etwas weiter fassen.

Otto I., auch der Große genannt, war ja der, der das ostfränkische Reich ab dem Jahr 936 groß gemacht hat. Er hat es im Osten abgesichert, die Ungarn auf dem Lechfeld nach Hause getrieben und sich Italien bis hinter Rom dazu geholt. Das kann man alles vergnüglich bei Rebecca Gablé nachlesen.

Das Reich ist so groß, dass es nur noch eins gibt, das Otto I. gefährlich werden kann: Byzanz. Und das byzantinische Reich, liegt ja zu der Zeit mit einem kleinen Teil im heutigen Italien. Otto hat auf einmal eine Grenze mit dem byzantinischen Reich. Ihr könnt Euch vorstellen, dass das der Kaiser von Byzanz nicht gut findet, dass Otto an der Türe steht und man nicht weiß, ob er herein kommt.83177914_701666210238692_2926006110315872256_o

Das will aber Otto I. gar nicht. Er will Frieden für seinen Sohn Otto II. Also schickt Otto I. seinen Bruder nach Konstantinopel, um mal vorsichtig nachzufragen, ob man gut Freund sein könne und das mit einer Heirat von Otto II. und einer byzantinischen Prinzessin besiegeln kann. Der Bruder war Erzbischof Bruno von Köln. Erfolg hat er nicht, er verstirbt im Jahr 965, ohne dass man sich einigen kann. Aber es könnte sein, dass die kleine Theophanu, die um 959 geboren ist, da das erste Mal einen Mann aus Köln gesehen hat. Erst der Nachfolger, Erzbischof Gero von Köln, hat Erfolg. Byzanz hat gerade interne Querelen und ein neuer Kaiser ist an der Macht, arg unsicher die Lage in dem Reich. Dadurch kommt Bewegung in die Verhandlungen. Nur eine echte Prinzessin will man selbst dann den Ottos nicht geben. Eine Nichte vom Kaiser muss reichen, Theophanu.

Als sie zwölf ist, führt unser Erzbischof Gero Theophanu nach Rom. Hier heiratet sie am 14. April 972 Otto II. Er ist zu der Zeit 16 und seit 967 auch Kaiser, neben seinem Vater Otto I. Und auf einmal war das kleine Mädchen, das in Byzanz irgendwie „übrig war“ jetzt ganz oben hier im Westen. So geht das zu der Zeit auch mal – zack Kaiserin. Wer jetzt schreit „Skandal“ – mit Kindern warten sie noch fünf Jahre, bis sie „soweit ist“. Ist ja sinnvoll.

Und irgendwie hat Otto II. echt Glück – und wir auch. Theophanu ist gut erzogen worden und hat Bildung. Sie bringt byzantinische Kultur nach Ostfranken. Künstler, Kunsthandwerker und Architekten aus Konstantinopel schaffen auf einmal hier und bringen Schwung und neue Ideen mit. Und sie regiert auf Augenhöhe mit Otto II. Er lässt Erlasse von ihr mit unterschreiben – mehr ist zu der Zeit für Frauen ganz oben noch nicht zu machen. Aber sagt man nicht auch, dass hinter jedem starken Mann meist auch eine starke Frau steht? Hier ist es so und das ist gut, denn Ottos Vater, Otto I., stirbt im Jahr 973.

Oft kommen sie nach Köln und ins Rheinland. Theophanu mag Köln. Zum einen hat die Familie, weil ja Bruno der Bruder von Otto I. war, ein gutes Verhältnis zu den Erzbischöfen – auch Brunos Nachfolger, Erzbischof Gero, danach auch Erzbischof Warin und danach noch Erzbischof Everger sind Freunde der Familie. Und wenn du die Menschen gut leiden kannst, besuchst du sie oft. Das ist zu der Zeit nicht so einfach, weil es zur der Zeit keinen festen Regierungssitz gibt, wie wir es heute kennen. Das Oberhaupt reist immer im ganzen Reich von einer Pfalz in die nächste Pfalz. Aber, gerade im Winter ist Theophanu gern im Rheinland. Muss man sich mal vorstellen. Sie kommt aus dem warmen Süden in das Rheinland und mag den Winter hier – kann man es glauben?

Was aber eine Tatsache ist, ist das der alte Erzbischof Bruno, der ja 965 verstarb, auf einem alten römischen Hof ein Benediktinerkloster bauen lässt. Eine große romanische Kirche plant er mit dazu: Sankt Pantaleon. Und er, der heilige Pantaleon, ist ein Heiliger aus Byzanz, aus der Heimat von Theophanu. Er war Arzt und wird gerade in Byzanz sehr verehrt. Ist das Absicht? Theophanu ist begeistert. Sie stellt den Bau fertig, das Mittelschiff wird 980 geweiht. Das Westwerk aber lässt sie neu mit byzantinischem Wissen planen. Es ist das Werk von Theophanu.

Und: auch im Jahr 980, sie ist 20, bekommt sie auch – endlich – einen Sohn, Otto III. Kann ja nicht anders sein, als dass das auch ein Otto ist. Otto II. ist glücklich, der Erbe! Braucht er auch, denn schon 983 wird er krank und stirbt.84005467_701666226905357_4952327532599836672_o

Theophanu lernt jetzt die Ostfranken kennen. Gut, vielmehr gibt es Ärger mit Heinrich von Bayern, genannt „der Zänker“. Er entführt das Kind und sieht sich selbst als Kaiser. Ich habe ja gesagt, wir haben alle unsere Sorgen. Die Ostfranken lernen aber auch Theophanu kennen. Sie braucht zwei Jahre und hat dann Otto III. wieder und ist an der Macht, bis er erwachsen ist. Die Macht teilt sie sich mit der Schwiegermutter, Adelheid, die ja auch noch lebt. Zusammen mit ihr führt sie das Reich und sicher die Grenze, eigentlich wie Otto I., der dafür der Große wurde. Lothringen, Italien, die Ostgrenze, überall schaffen diese Zwei Ruhe. Ein Reich, das sicher ist für Otto III.

Und sie hat Selbstbewusstsein. Sie emanzipiert quasi Kaiserinnen. Im Jahr 990 gibt sie den Anstoß, dass die Titel Kaiser und König vererbt werden. Davor musste der Herrscher immer sagen, wer denn der Nachfolger wird. Ihr wisst ja, wofür man zu der Zeit schnell gestorben ist, wenn es Streit zwischen den Häusern gab, die meinten, das erste Anrecht zu haben.

Im Jahr 991, als sie sich in der Pfalz in Nijmwegen aufhält, stirbt sie schon mit 32 Jahren, in denen sie viel für das Reich und Köln getan hat. Einen anderen Ort für die letzte Ruhe als Köln, gibt es für sie nicht. Hier liegt sie in Sankt Pantaleon.

Das Grabmal ist leicht zu finden. Direkt links, wenn man hereinkommt. Auf der Stirnseite ist Sankt Pantaleon zu sehen und die Hagia Sophia aus Konstantinopel. In der Mitte aber, ist sie wiedervereint mit ihrem Otto II. Das Paar wird von Jesus gesegnet.

Dieses kleine Mädchen kam mit 12 aus Byzanz, hat nur so kurz gelebt, war ein Leben lang auf Reisen, um ein großes Reich, das gesichert ist, an ihren Sohn zu übergeben, und wollte am Ende nur das Eine: hier in Köln sein, an der Stelle, an der Ostfranken und Byzanz sich vereinen.

Michael

Wesst Ehr, dat mer hee bei uns Kölle e Frauminsch han, dat anno dozomol die mächtigste Frau vun Europa wor, wall esugar die vun der ganze Welt? Wie weede ich su ener Person beim Kölschgänger gerääch? – Et geiht nit.

Jetz han ich die Dage die Böcher vum Rebecca Gablé üvver der Otto I. gelese, „Das Haupt der Welt“ un „Die fremde Königin“. Do woodt mer klor, dat dat all einfach och Minsche wore, die gään gehatt, Fründe hatte, die ehr Püngelche drage moote, Kadangs kannte un irgendwie nor et Beste för de Famillich wollte. God, wann do ene Künning un späder och Kaiser bes, muss mer dä Begreff „Famillich“ jet uswigge.

Der Otto I., och „der Große“ genannt, wor jo dä, dä et ossfränkische Rich av dem Johr 936 groß gemaht hät. Hä hät et noh Oste avgesechert, de Ungare om Lechfeld noh Hus gedrevve un sich Italie bes hinger Rom dobei gehollt. Dat kann mer alles vergnöglich beim Rebecca Gablé nohlese.

Et Rich es esu groß, dat et nor noch eins gitt, dat dem Otto I. gefährlich weede kann: Byzanz. Un et byzantinische Rich, do litt zo dä Zigg ene kleine Deil vun och em hüggige Italie. Otto hät op eimol en Grenz mem byzantinische Rich. Ehr künnt Üch vürstelle, dat der Kaiser vun Byzanz dat nit god fingk, dat dä Otto an der Pooz steiht un mer nit weiß, ov hä eren kütt.

Dat well ävver der Otto I. gar nit. Hä well Fridde för singe Sonn Otto II. Alsu scheck der Otto I. singe Broder noh Konstantinopel, för ens vürsichtig nohzefroge, ov mer god Fründ sin künnt un dat met ener Hierod vum Otto II. met ener byzantinische Prinzesin besiegele künnt. Dä Broder wor dä Ääzbischoff Bruno vun Kölle. Erfolg hät hä nit, hä stirv em Johr 965, ohne dat mer sich einige kann. Ävver et künnt sin, dat et klei Theophanu, dat öm 959 gebore es, do et eetzte Mol ene Kääl us Kölle gesinn hät. Eesch der Nohfolger, dä Ääzbischoff Gero vun Kölle, hät Erfolg. Byzanz hät grad jet Brasel un ene neue Kaiser hät et Regalt, ärg unsecher die Lag en däm Rich. Dodurch kütt Bewägung en de Verhandlunge. Nor ene echte Prinzesin well mer selvs dann dä Ottos nit gevve. En Neech vum Kaiser muss recke, et Theophanu.

Wie et zwölf es, föht unse Ääzbischoff, der Gero, et Theophanu noh Rom. Hee hierodt et am 14. April 972 der Otto II. Hä es zo dä Zigg ald 16 un zick 967 och Kaiser, nevve singem Papp dem Otto I. Un op eimol wor dat klei Weech, et Theophanu, dat jo en Byzanz irgendwie „üvverig wor“ jetz ganz bovve hee em Weste. Esu geiht dat zo dä Zigg och ens – zack, Kaiserin. Wä jetz schreit „Skandal“ – met de Puute waade se noch fünf Johr, bes et „esu wigg es“. Hät jo Senn.

Un irgendwie hät der Otto II. ech Glöck – un mir och. Et Theophanu es god ertrocke woode un hät Beldung. Et brängk byzantinische Kultur noch Ossfranke. Künsler, Kunshandwerker un Architekte us Konstantinopel schaffe op eimol hee un bränge Schwung un neue Idee met. Un et regeet mem Otto II. zosamme. Hä lööt Erlasse vun im met ungerschrieve – mih es zo dä Zigg för Fraulück do bovve noch nit ze maache. Ävver säht mehr nit och, dat hinger enem starke Mann miets och en starke Frau steiht? Hee es et su un dat es god, dann dem Otto singe Papp, der Otto I., stirv em Johr 973.

Off kumme se noh Kölle un en et Rheinland. Et Theophau mag Kölle. Eeschtens hät die Famillich, weil jo dä Brun der Broder vum Otto I. wor, e god Verhäldnis zo de Ääzbischöff – och der Nohfolger vum Bruno, der Ääzbischoff Gero, donoh der Ääzbischoff Warin un donoh noch der Ääzbischoff Everger sin Fründe vun dä Famillich. Un wann do de Minsche god ligge kanns, deis do se off besöke. Dat es zo dä Zigg nit esu leich, weil et keine Setz för de Regierung gitt, dä fass es, wie mer et hügg kenne. Der Baas reis luuter em ganze Rich vun einer Falz noh der nöchste Falz. Ävver, grad em Winter es et Theophanu gään em Reinland. Muss mer sich ens vürstelle. Et kütt usem wärme Süde en et Rheinland un mag der Winter hee – kann mer et gläuve?

Wat ävver stemmp, es, dat dä aale Ääzbischoff Bruno, dä jo 965 en et Gras gebesse hät, op enem aale römische Hoff e Benediktiner Kluster baue lööt. En große romanische Kirch plant hä met dobei: Zint Pantaleun. Un hä, der Zinter Pantaleun, es ene Hellige us Byzanz, us der Heimat vum Theophanu. Hä wor Aaz un weed grad och en Byzanz ärg verihrt. Es dat Avsich? Et Theophanu es begeistert. Et mäht der Bau fäädig, et Meddelscheff weed 980 geweiht. Dat Wesswerk ävver, lööt et neu met byzantinischem Wesse plane. Et es et Werk vum Theophanu.

Un: och em Johr 980, et es 20, kritt et och – endlich – ene Sonn, der Otto III. Kann jo nit anders sin, wie dat dat och ene Otto es. Der Otto II. es glöcklich, der Erve! Bruch hä och, dann ald 983 weed hä malad un stirv.

Et Theophanu liert jetz die Ossfranke kenne. God, villmih gitt et Knies mem Heinrich vun Bayern, genannt „der Zänker“. Hä entföht dat Kind un süht sich selvs als Kaiser. Ich han jo gesaht, mer han all uns Püngelche ze drage. De Ossfranke liere ävver och et Theophanu kenne. Et bruch zwei Johr un hät dann der Otto III. widder bei sich un et Regalt, bes hä erwahße es. De Maach deilt et sich met der Schwigermooder, Adelheid, die jo och noch läv. Zesamme met ehr föht et dat Rich un sechert de Grenze, eigentlich wie der Otto I. dä doför der Große woodt. Lothringe, Italie, de Ossgrenz, üvverall schaffe die Zwei Rauh. E Rich, dat secher es för der Otto III.

Un et Theophnau hät Selvsbewossin. Et emanzipeet quasi Kaiserinne. Em Johr 990 es et de Triebfedder, dat de Titele „Kaiser“ un „Künning“ vererv weede. Dovör moot der Herrscher luuter sage, wä dann der Nohfolger weed. Ehr wess jo, woför mer zo dä Zigg flöck gestorve es, wann et Kasalla zwesche der Hüüser gov, die meinte, et eeschte Aanrääch ze han.

Em Johr 991, wie et Theophanu sich en der Falz en Nijmwegen ophäld, muss et ald noh 32 Johr, en dä et vill för et Rich un och för Kölle gedon hät, dran gläuve. Ene andere Oot för de letzte Rauh wie Kölle, gitt et för it nit. Hee litt et en Zint Pantalon.

Et Gravmol es leich ze finge. Tirek links, wann mer erenkütt. Op der Steensigg es Zint Pantaleun ze sinn un de Hagia Sofia us Konstantinopel. En der Medde ävver es et widder vereint mem Otto II. Dat Paar weed vun Jesus gesähnt.

Dat kleine Weech kom met 12 us Byzanz, hät nor esu koot geläv, wor e Levve lang op der Reis, öm met Wiggseech e groß Rich, dat gesechert es, an der Sonn zu üvvergevve, un wollt am Engk nor dat Eine: hee en Kölle sin, an dä Stell, an dä Ossfranke und Byzanz sich vereine.

Mechel

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