Tünnes und Schäl – Zwei Kölner Kultfiguren

Tünnes und Schäl. Jeder Kölner und sogar vielen „Auswärtigen“ sind die beiden ein Begriff. Ihre Späße im Hänneschen-Theater sind legendär und ihre Witze in allen möglichen Zeitungen, auch überregional erschienen. Vielen Künstlern, besonders im Karneval dienten sie als Vorbild.

Soweit, so gut. Aber jetzt mal Hand aufs kölsche Herz, was wissen wir denn eigentlich über die beiden „Helden“. Da werden einige Zeitgenossen schnell die Backen aufblasen und sparsam schauen, oder? Ich jedenfalls war erschrocken, wie wenig ich wusste. Tja, kaum macht man sich Gedanken, paff, schon fällt einem nichts ein. Also habe ich mich auf Spurensuche begeben und möchte heute gerne mein, größtenteils neu erarbeitetes, Wissen mit euch teilen. Vielleicht ist ja auch euch das ein – oder andere neu.

Schauen wir uns die beiden Herrschaften mal etwas genauer an. Tünnes steht für Antonius (Anton) und der Schäl hat seinen Namen weg, weil er so schielt, allerdings bedeutet ja Schäl im kölschen auch schlecht, falsch. Und da sind wir schon bei den Charaktereigenschaften der beiden. Der schlanke Schäl, ordentlich im Frack mit Hut, allerdings eher als „halbseidener“ Gauner zu sehen, gilt als schlitzohrig und manchmal sogar hinterlistig.

Tünnes, rothaarig, immer in blauem Kittel mit rotem Halstuch, heller Hose und Holzschuhen, die nicht nur in Holland getragen wurden, sondern auch hier bei der Feldarbeit zur damaligen Zeit. Es soll die Bekleidung eines Fuhrmannes der Kohlbauern darstellen. Er ist eher von einfacherem Gemüt, gilt auch als bequem und ist mit einer gewissen „Bauernschläue“ ausgerüstet. Dazu lässt seine Art und sein eher liebenswürdiger, knollennasiger Gesichtsausdruck ihn völlig harmlos erscheinen. Und so fällt ihm die Rolle des eigentlich harmlosen und gutmütigen Zeitgenossen zu, der zwar dauernd etwas anstellt, aber nicht aus Böswilligkeit, sondern, weil er eher unglücklich in eine Situation „reinschlittert“. Seine meist rot dargestellte Nase soll zeigen, dass er einem guten Tröpfchen eher nicht abgeneigt ist.

Wer jetzt aber, so wie ich, glaubt, die beiden wären schon immer ein Team gewesen, der irrt. Seit 1803 gibt es den Tünnes. Von Johann Christoph Winters, dem Gründer des Kölner Hänneschen-Theaters wurde die Figur in sein „Team“ aufgenommen und recht schnell etablierte der Tünnes sich dort. Schäl kam erst viel später, nämlich in den 1850er Jahren zum Theater. Grund soll der dauerhafte Streit mit einem konkurrierenden Puppenspieler Namens Millewitsch gewesen sein, und die Figur des Schäl eine Art Parodie auf ihn.
Als kölsche Originale werden sie bezeichnet, da sie angeblich viele Eigenarten der Menschen in diesem Kosmos namens „Köln“ wiederspiegeln, natürlich mit viel Humor und einem Augenzwinkern.IMG_20200104_150937

So haben wir in unserer Stadt zwei Originale, die es nie wirklich gegeben hat. Eventuelle Ähnlichkeiten mit Menschen in eurem Bekanntenkreis sind also rein zufällig und haben mit diesen Figuren nichts zu tun. Wollte das nur zur Sicherheit klarstellen.

Die beiden begegnen uns in Köln fast überall, ich persönlich habe meine Favoriten gefunden. Zum einen am Neumarkt in der Kreissparkasse, dort stehen die vom Kölner Bildhauer Hein Derichsweiler gestalteten Bronzeköpfe. Diese waren am 14.02.1973 im Beisein des Dreigestirns der Öffentlichkeit übergeben worden. Schon vorher hatte Derichsweiler die Köpfe der beiden als Vorlage für Spardosen geschaffen.

Mein anderer Favorit, wie kann es anders sein, steht im Brigittengäßchen in der Altstadt. Dieses wunderbare Denkmal wurde im April 1974 enthüllt und ist sehr gut gelungen, wie ich finde, gerade der Gesichtsausdruck der beiden gefällt mir gut.

Aber egal ob am Neumarkt oder in der Altstadt, wenn ihr den beiden begegnet, vergesst nicht die Nase vom Schäl zu reiben, es soll Glück bringen. Garantieren kann ich nix, aber schaden kann`s ja nicht.
Und zum Schluss noch drei Tünnes und Schäl Witze. Und falls ihr einen guten Tünnes und Schäl Witz kennt, schreibt ihn in die Kommentare. Ich würde mich sehr darüber freuen.

–Tünnes will direkt nach der Arbeit auf der Baustelle irgendwohin gehen, aber nicht seine „Schöpp“ mitnehmen. Also steckt er die Schaufel gut sichtbar in die Erde und heftet einen Zettel daran: „Leeven Schäl, bräng mer die Schöpp met! Ich han se vergesse! Dinge Tünnes.“ Am nächsten Tag steckt die Schaufel noch immer in der Erde, aber auf den Zettel ist zusätzlich gekritzelt worden: „Leeven Tünn, dat kann ich net. Ich han die Schöpp nit gesinn. Dinge Schäl.“

–Tünnes gesteht dem Schäl: Ming schönste Stunde verdanken ich dem Thiater. — erstaunt fragt Schäl: Woröm? Geihs do do esu off hin? — Ich nit, ävver ming frau!

–Tünnes steht an der Theke und macht ein betrübtes Gesicht. Schäl fragt was ihm fehlt. Tünnes antwortet: „Ich han mi Levve lang nor Alkohol getrunke und kann nit begreife, dat ich jetzt Wasser en de Bein han soll.“

Euch eine gute Zeit, bleibt gesund und neugierig.

Euer Ronald

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