Die (wahrscheinliche) Rettung des Kölner Domes

„Rettung?“ fragt sich jetzt vielleicht manch einer, oder „war der Dom denn in Gefahr?“, „schließlich wird doch seit so vielen Jahren unermüdlich an ihm gearbeitet, um ihn zu erhalten. Und im zweiten Weltkrieg wurde er doch fast gar nicht getroffen“…

Das, ihr Lieben, ist ein Trugschluss. Denn auch, wenn er im fast völlig zerstörten Köln wie eine Trutzburg aus den Trümmern herausragte, war auch er viel schwerer getroffen worden, als es von außen aussah, von dem Loch, welches eine Bombe in den Nordturm gerissen hatte, einmal abgesehen. Aber wußtet ihr, dass, wohlgemerkt NACH Kriegsende, eine große Gefahr bestand, dass der Kölner Dom doch noch einstürzen könnte?

Dass diese Katastrophe abgewendet wurde, haben wir möglicherweise einem besonderen „Schutzengel“ unseres Domes zu verdanken. Einem englischen Offizier namens Michael Ross. Aber wie kam es eigentlich dazu?!

Major Michael Ross gehörte eher nicht zu den Grobschlächtigen, er selbst war von Beruf Maler und war im besetzten Deutschland als Kunstschutzoffizier im Dienst. Diesen tat er in seinem Büro, wenn man dieses Kämmerlein so nennen mag, in Düsseldorf, wo sich das Hauptquartier der britischen Rheinarmee befand. Bis zu dem Tag, als sein Vorgesetzter ihn in eben dieser Eigenschaft nach Köln schickte. Zur selben Zeit waren schon Kameraden von ihm, englische Pioniere, damit beschäftigt, Teile der zerstörten Hohenzollenbrücke aus der Fahrrinne zu sprengen, um die Aufnahme des Schiffsverkehrs wieder möglich zu machen.

Was diese Detonationen unter Wasser auch an Land anrichten konnten, und das die Erschütterungen eine ernste Gefahr für den nahegelegenenen Kölner Dom darstellte, war den Pionieren offenbar nicht klar oder es war ihnen angesichts der sonst sowieso nur noch vorhandenen Trümmern in der Stadt schlicht egal.
Hier nun kommt wieder einer der wohl großherzigsten Erzbischöfe ins Spiel, die es in Köln je gegeben hat. Kardinal Frings. Denn Informationen über den Zustand des Kölner Domes zufolge, die der damalige Dombaumeister Willy Weyres Kardinal Frings hatte zukommen lassen, ersuchte dieser den Vorgesetzten des Kunstschutzoffiziers Michael Ross um Hilfe, der diesen daraufhin, wie eben erwähnt, nach Köln entsandte.

Dort angekommen, verabredete sich Major Ross mit dem Dombaumeister, sowie einem Franziskanerbruder, der bereits gemeinsam mit anderen Männern während des Krieges das Dach des Domes bewacht hatte, ja sogar Brandbomben löschen musste, an der Kathedrale.

Der Dombaumeister und der Ordensbruder sollten eventuell auftretende Ereignisse, aufgrund der kommenden Sprengung im Rhein, in der Kathedrale selbst beobachten, wohingegen der Major selbst auf den Südturm stieg. Geheuer war ihm das laut eigener Aussage in seinen Aufzeichungen so hoch oben allerdings nicht.

Während er dort oben auf die nächste Sprengung wartete, offenbarte sich ihm das ganze Ausmaß der Dachschäden, die bei weitem schlimmer waren, als bisher immer weisgemacht wurde. Die eiserne Dachkonstruktion war noch da, aber viele der Bleiplatten fehlten oder waren krumm geworden. Regenwasser konnte ungehindert in den Dom gelangen.

Plötzlich, früher als erwartet, ließ eine gewaltige Detonation den Dom erbeben. Der Turm schwankte, Gesteinsbrocken und Türmchen brachen ab und stürzten in die Tiefe. Michael Ross schrieb später nieder, er habe Todesangst gehabt, schließlich kam es ihm vor, als könnte das Bauwerk im nächsten Moment einstürzen.

Kurz darauf verließ er über die Turmtreppe den Südturm und ging noch einmal ins Innere des Domes, um zu sehen, ob auch dort Schäden entstanden waren, konnte jedoch keine feststellen. Aber gerade, als er durch die Tür ins Freie treten wollte, um sich dort wieder mit den beiden Männern zu treffen, stürzten im Dom große Mengen des Gewölbes ein…

Der Schutzengel des Domes hatte gerade wohl selbst mehrere Schutzengel gehabt. Aber warum rede ich immer von Schutzengel? Nun, Michael Ross ordnete an, dass es mit sofortiger Wirkung nur noch kleine Sprengladungen zu geben hatte, um den Dom zu schützen. Damit bewahrte er ihn wahrscheinlich vor einem undenkbaren Unglück. Und nicht nur ihn…uns alle. Er war es auch, der dann dafür sorgte, dass der Dom wieder ein Dach bekam.

Mit diesem Wissen werde ich meine Besuche im Dom noch mehr genießen und ich bin mir sicher, ihr werdet das auch.

Bis bald, eure Ramona

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