Die kleine Kapelle auf Melaten

Heute nehme ich euch mit nach Melaten. Dort auf dem Hauptweg, der sogenannten „Millionenallee“ , findet man eine kleine Kapelle. Zumindest macht es von weitem den Anschein. Doch ist es auch eine?

Ja, denn sie ist eine Rekonstruktion. Ein Neubau einer bereits früher dort existierenden Kapelle, die wohl im 2.Weltkrieg zerstört wurde. Es war die Grabkapelle der Kaufmannsfamilie Fiévet, die einen Eau de Cologne Handel in Köln betrieb. (Quelle: Melaten Kölner Gräber und Geschichte 1. Auflage Greven Verlag, 1997)

Die in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends in Wesseling ansässige Roma Familie Czory erwarb die Ruine der Kapelle und errichtete diese nach alten Plänen neu. Rund 180.000 DM kostete der Neuaufbau. 1996 in allen Kölner Zeitungen „DAS THEMA“. Vielleicht erinnert sich von euch noch jemand an die Schlagzeilen: „Die „Königin,“ letzte Fahrt in der schwarzen Kutsche!“ und einiges mehr titelte man damals beim KStA, Rundschau oder Express.IMG_20200113_211525

Wunderschön mit Marienbildnissen in Buntglasfenstern versehen, steht sie nun da, die kleine Kapelle. Ein richtiges Schmuckstück, direkt gegenüber steht die mit einem Adler gekrönte Säule, die an Preußen erinnern soll. Aber auch an die Opfer des 1. Weltkrieges. Ideales Fotomotiv auf Melaten. Vielfach genutzt und doch nur wenige wissen um die Geschichten, die sich hinter den ganzen imposanten Grabmalen abgespielt haben. Auch die v. Langen Familie besitzt ein Grab auf Melaten. Früher gehörte dies schließlich zum „guten Ton“ in Köln. Wer adelig war, bekannt, geschäftstüchtig oder sonst irgendwie zu Geld gekommen, der ließ sich auf Melaten bestatten. Aber erst nach der Franzosenzeit, als sich die Kölner anfingen selbst zu inszenieren und Melaten zu einem kunsthistorischen Ort machten, der er bis heute geblieben ist.

Doch zurück zum Thema, der kleinen Kapelle. Gelegen an der „Millionenallee“ zwischen dem Hauptweg und dem Buchstaben H.
Hier ruht seit 1996 die als „Romakönigin“ bekannte Sophia Czory. Manche sagten auch „Zigeuner-Königin“ oder „Zigeunerbaronin“ , was ihr laut privaten Quellen nicht unangenehm war. Sie konnte damit umgehen und sah es nicht als Schimpfwort. Viele Jahre war sie das Oberhaupt in ihrem Clan (manche sagen auch Sippe). Sie lebte vom 10.05.1930 bis 20. 06.1996. Ihre Beisetzung stellte alles, was bisher auf Melaten an Beerdigungen stattgefunden hatte, in den Schatten. Es kamen mehrere 1000 Gäste.

Jedes Jahr an ihrem Todestag wird die kleine Kapelle fast so etwas wie ein „Wallfahrtsort“ . Man gedenkt ihrer, wie es sich für die Mentalität ihrer Familie gehört.
Sitten und Gebräuche unterscheiden sich in diversen Kulturen nun einmal. So ist es z. B. nicht unüblich, auch mit Freude den Verstorbenen zu begegnen. Die Lebenden lassen sie so an ihrem irdischen Dasein weiterhin teilhaben.

Ein guter Grund für den Ankauf der Kapellenreste und die daraus resultierende Erneuerung, dürfte auch in einem weiteren besonderen Bestattungsverfahren liegen. Es ist nämlich bei Sinti, Lovara, Kelderara und Roma so, dass die Särge nicht einfach in den Boden gelassen werden dürfen. Ein Sarg soll nicht die Erde berühren. Darum gibt es spezielle Holzkonstruktionen, Betonverschalungen oder Kiesbeete in den ausgehobenen Grabstellen. Eine eigene kleine Kapelle bietet da natürlich auch andere Möglichkeiten. So erstrahlt das kleine Kapellchen nach seiner Rekonstruierung im einstigen Glanz und bleibt der Welt erhalten. Sie hat was von einem „kleinen Wohnhaus“, denn auch die Türkränze wechseln liebevoll mit den Jahreszeiten.

Vielleicht seht ihr ja diese Kapelle einmal, wenn ihr über Melaten flaniert und Millowitsch, Westerwelle, Ostermann, ZIK oder Dirk Bach besucht. Auch dem Gründer des Hänneschen Theaters, Johann Christoph Winters, wurde dort eine Gedenksäule errichtet, da man sein Grab nicht mehr auffinden konnte. Das ist Köln! Anders! Aber liebenswert!

Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.

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