Das Kreuzbrüderkloster

Hier stehe ich, mitten in der Kölner City. Genauer gesagt, an der Kreuzgasse 2a/ Ecke Schildergasse. Fußgänger laufen vorbei, es ist laut und unzählige Essensgerüche liegen in der Luft. Ich schaue mir gerade eine Erinnerungstafel an ein Kloster an. Ja, kaum vorstellbar. Hier stand ein Kloster. Krass. Mit dem Einmarsch der französischen Truppen 1794 war dann allerdings Schluss mit der Herrlichkeit. Die Franzosen hoben das Kloster auf und verkauften es . Aber wagen wir doch einen Schwenk in die Vergangenheit.

Am 21.4.1307 gestattete Erzbischof Heinrich II. von Virneburg eben diese Ansiedlung hier in Colonia, obwohl dies den Stadtoberen gar nicht passte, denn kirchliche Institutionen waren steuerbefreit und damit nicht so beliebt bei den Stadtoberhäuptern. 1309 war es dann soweit, zwei Kreuzbrüder aus Steinhaus-Beyenburg wurden nach Colonia geschickt, um die Möglichkeit einer Klostergründung zu prüfen. Die beiden kamen für die Zeit der Überprüfung ganz in der Nähe, in der heutigen Schildergasse 84 im Haus eines Patriziers unter. Dieses Anwesen wurde dann von ihnen übernommen und als Kloster eingerichtet. Die bereits vorhandene St. Barbara-Kapelle diente als vorläufiges Oratorium.

Im Jahre 1358 erbte die Bruderschaft ein benachbartes Anwesen und konnte so die längst baufällige Barbara-Kapelle zu einer Kirche mit Turm und Glocke ausbauen. Dazu verschmolzen die beiden Gebiete zu einem. 1417 wurde dieses erneut erweitert und mit einer Mauer umgeben. So entstand mit der Zeit hier zwischen Schildergasse und Kreuzgasse ein großer Klosterkomplex, der 1423 durch eine Schenkung von Eduard von Jülich noch einmal erweitert wurde.

Scheinbar ging es der Klostergemeinschaft gut, denn bereits 1432 kauften die Klosterbrüder einen Hof mit einem beträchtlichen Stück Land im Ingendorfer Feld. Und weiterhin lief es gut für die Bruderschaft. 1480, vom Kölner Rheinzoll befreit, gelang es ihr, ein Schiff mit Unkelsteinen zu kaufen, die man hier verbauen konnte und sechs Jahre später wurden drei benachbarte Häuser aufgekauft, wodurch sich das Klosterareal bis zur Streitzeuggasse erweiterte. Später, genauer 1499, wurde der Klosterflügel vollendet, ein reicher Patrizier ließ einige Jahre später am südlichen Ende des eh schon prachtvollen Kirchenschiffs eine weitere Kapelle errichten.

Die Klosterbrüder waren übrigens fleißige „Schreiber“, und so befinden sich 97 Handschriften von ihnen im Kölner Stadtarchiv. Selbst in der kaiserlichen Bibliothek in Wien finden sich Handschriften der Kölner Klosterbrüder.

Es lief alles bestens. Wie gesagt, bis die Franzosen kamen. Aber während der Zeit der französischen Besetzung musste ja sogar der Dom als Pferdestall herhalten. Das Kloster jedenfalls fiel der Säkularisation zum Opfer, wurde verkauft und abgerissen. Auf dem Vorplatz entstand ein neues Gebäude, in welches 1816 das königliche Polizeipräsidium einzog. Später, nachdem dieses umzogen war, wurde es zum Brauhaus. Ein sympathischer Gedanke.

1959 wurde das inzwischen stark kriegsbeschädigte Haus wieder aufgebaut und im Herbst 2011 durch das heutige Geschäftshaus ersetzt. An diesem Haus könnt ihr die Gedenktafel finden. Aber auch durch die beiden Straßennamen Kreuzgasse und Brüderstraße wird an das Kloster der Kreuzbrüder erinnert.

Ich stehe immer noch staunend vor der Tafel, lasse das Ganze auf mich wirken und mir wird einmal mehr klar, diese Stadt hat unglaublich viel zu erzählen, kurioses und spannendes. Man muss nur mit offenen Augen durch Colonia gehen.

Bleibt neugierig, euer Ronald

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