Die letzte Christmette

Sagen und Legenden. In kaum einer anderen Stadt begegnen wir ihnen in solch einem Ausmaß wie hier in Köln. Und von einigen habe ich euch schon berichtet. So wie ich dies auch heute wieder tun werde.
Doch vorher möchte ich euch von einer kleinen, aber besonderen Kirche erzählen. Sie ist die kleinste der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Ihr Name ist St. Maria Lyskirchen.

So, wie die Kirche, wie wir sie heute kennen, da steht, entstand sie zwischen 1198 und 1225. Ihr Baustil ist angelehnt an St. Kunibert.
Die Pfarrkirche, deren Name von der Patrizierfamilie mit gleichem Namen stammt, die im Mittelalter viel Geld stiftete und somit die erforderlichen baulichen Maßnahmen an der Kirche ermöglichte, ist die einzige der zwölf romanischen Basiliken, in der die Gewölbefresken aus dem 13. Jahrhundert, welche 1879 unter Farbschichten wiederentdeckt wurden, zum größten Teil erhalten sind.

Das ist das eine, was St. Maria Lyskirchen besonders macht. Das andere ist die Verehrung der Schiffermadonna.

Diese spätgotische, über zwei Meter große Holzfigur entstand ca. 1420 in Köln und hatte ihren Platz zuvor in der Klosterkirche Walberberg bei Sechtem (Stadtteil von Bornheim im Rheinland). Als das Kloster im 19. Jahrhundert aufgelöst wurde, bekam St. Maria Lyskirchen diese Marienfigur geschenkt.
Da wo wir die Schiffermadonna heute vorfinden, nämlich im Inneren der Kirche, steht sie erst seit 1930. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war sie in einer Nische der Außenfassade untergebracht, dort konnte sie von den Rheinschiffern gut gesehen werden, welche die Madonna verehrten.73249200_638033153268665_2950362994405539840_n

In unmittelbarer Rheinnähe gelegen, wurde sie hauptsächlich auch von eben diesen Schiffern zur Andacht genutzt. Trotz des vor Baubeginns erhöhtem Baugrunds, direkt am Rhein, zerstörte ein Hochwasser mit Eisgang im Jahr 1784 Teile der Ausstattung, welche im 16. und 17. Jahrhundert viele Umbauten erfahren hatte. Selbst ein neuer Hochaltar wurde im Jahr nach dem fatalen Hochwasser errichtet.

Wenn wir uns einmal bewußt machen, wieviele Katastrophen über all diese Kirchen im Laufe der Jahrhunderte hereingebrochen sind, grenzt es da nicht an ein Wunder, dass diese heute immer noch existieren? Sie wurden immer wieder aufgebaut, die eine früher, die andere später. Aufgegeben wurden sie jedoch nie. Selbst der zweite Weltkrieg, der solch immense Schäden angerichtet hat, vermochte dies nicht zu schaffen. Auch unsere Protagonistin hat sehr gelitten. Bei Luftangriffen 1942/43 stürzte das Tonnengewölbe der Emporen ein, das Mittelschiff jedoch blieb unzerstört. Die Aufbauarbeiten, die 1947 begannen, dauerten 15 Jahre.
Dass St. Maria Lyskirchen 1982 bis 1989 in rosa, grau und weiß verputzt wurde, war keine Geschmacksentscheidung der ausführenden Firma, sondern man hielt sich hier an die Originalpläne aus der Zeit der Romanik.

Jetzt zur Sage, diese Kirche betreffend…

Diese besagt, dass man sich aus Respekt, aber auch einer gewissen Vorsicht zu Weihnachten von ihr fernhalten sollte. Sie war ehemals die Kirche der Rheinschiffer, und hier versammeln sich in dieser Zeit die Seelen, die in dem jeweiligen Jahr in dem Fluss ihr Leben verloren haben, um zusammen noch eine letzte Christmette zu feiern, bei der sie Gottes Segen für die erbitten, die am Wasser leben oder auf diesem arbeiten. Ist der Segen gesprochen, erscheint das Schleppschiff des Todes, um die Seelen vom Dies- ins Jenseits zu bringen…

So, wie die Seelen um den Schutz Gottes für die Menschen bitten, so wünsche ich euch schon heute ein glückliches, gesundes und beschütztes Weihnachtsfest im Kreis eurer Lieben.

Bis bald, eure Ramona

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