Wenn Steine sprechen könnten

Vermutlich wüsste man gar nicht, wo man zuerst hinhören soll. Denn Zeugnisse der Vergangenheit finden wir in einer der ältesten Städte dieses Landes wirklich überall. Heute aber nehme ich euch mit zum Hahnentor. Dass es dort einst ein Gefängnis gegeben hatte und es auch da eine gruselige Legende zu gibt, davon hatte ich einmal berichtet. Dieses einst mächtige Stadttor hat aber viel mehr gesehen und davon möchte ich euch erzählen.

Für den Anfang gehen wir zum Ende des 18. Jahrhunderts, genauer gesagt, zum 6. Oktober 1794. Ein schlimmer Tag für die stolzen und so freiheitsliebenden Kölner. Denn an diesem Tag besetzten die französischen Truppen die Stadt. Und sie kamen, wie ihr euch jetzt bestimmt denken könnt, durch das Hahnentor. Seit dem neunten Jahrhundert, damals waren es die Normannen, hatte es das nicht mehr gegeben, dass es gelang, diese Stadt zu erobern. Was an dieser Besetzung hier allerdings besonders war: die Kölner wehrten sich nicht einen Moment dagegen. Im Gegenteil…die Truppen des Kaisers zogen es vor, über den Rhein das Weite zu suchen.

Früh am Morgen jenes denkwürdigen Tages, die Franzosen lagen bereits vor Müngersdorf, schickte der anführende General Championnet eine Abordnung von sechs Reitern (Dragoner) über die Aachener Straße. Als sie zum Hahnentor kamen, begegneten sie Gesandten der Stadtverwaltung, auch dem Bürgermeister Reiner Joseph Anton von Klespe, die den Franzosen schon in einer Kutsche entgegengefahren waren. Verhandelt wurde in Müngersdorf.

Das Ergebnis?

Der Bürgermeister übergab Championnet tief ergeben vor dem Hahnentor die Stadtschlüssel…es war besiegelt. Und blieb es für die nächsten fast 20 Jahre. Am 19. Januar 1814 verschwanden die Franzosen wieder aus Köln, und zwar auf dem selben Weg, durch den sie einst hereingekommen waren. Durch das Hahnentor.

Nun war das Hahnentor aber nicht einfach nur ein Durchfahrtsweg, sondern aufgrund der Größe des Torbogens (Höhe 8 Meter, Breite 6 Meter) mit einigen anderen ein Haupttor für den Handel.

Waren bedeuteten Zölle. Und die trieben damals die roten Funken ein. Diese Stadtsoldaten hatten den Ruf, ein arbeitsscheues und nicht sehr vorbildliches Trüppchen zu sein. Am Hahnentor allerdings hatten sie reichlich zu tun. Nun ist es ja nicht so, dass es nicht auch zu jener Zeit schon Schlitzohren gab, die versuchten, ihre Waren am Zoll vorbeizuschmuggeln.
Die in der Stadt bekannteste Schmugglerin war „et bolze Lott“, mit richtigem Namen Scholastika Boll. Mal ehrlich. Wer seinem Kind einen solchen Vornamen gibt, muss sich nicht wundern, wenn es auf die schiefe Bahn gerät, oder?? Aber weiter. Sie machte sich die damalige Mode zu Nutze und versteckte Mehlsäcke und Fleisch unter mit Drahtgestellen verbreiterten großen Röcken. Die Funken waren am verzweifeln mit diesem Frauenzimmer, denn obwohl sie genau von deren Schandtaten wussten, konnten sie nichts machen. Einer Dame fasst man schließlich nicht unter den Rock. Tatsächlich war das auch streng verboten.

Ein anderer bekannter Kölner konnte es fast noch besser. Johann Arnold Klütsch, der „Freßklötsch“. Dieser soll in der Lage gewesen sein, riesige Mengen an Nahrung zu sich nehmen zu können. Und so aß er eben, bevor er etwas verzollen musste, vor vor dem Hahnentor seine Einkäufe kurzerhand auf.

War das jetzt natürlich auch ein bisschen zum schmunzeln, so gab es auch schlimme Dinge, die man mit dem Hahnentor in Verbindung bringen muss. Hier durch führte der Weg der Verurteilten zu jenem Ort ihrer Hinrichtung, auf Melaten. Sollte jemand von euch das Lied „Und sie trugen einen Toten zum Tor hinaus…“ kennen. Hier stammt es her.
Am 18. Februar 1655 wurde auf Melaten übrigens die letzte Hexe verbrannt. Das Mädchen Enn Lenartz, die damals wohlgemerkt zarte zwölf Jahre alt war.

Wenn man das Hahnentor im Moment im weihnachtlichen Lichterglanz betrachtet, kommt einem all das kaum in den Sinn. Unser Ausflug in die Vergangenheit endet hier für heute, obwohl es sicher noch mehr gibt, was diese Steine erzählen könnten…

Bis bald, eure Ramona

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