Die römische Deutzer Brücke

Klingt verwirrend, das geb ich zu. Und unsere Brücke stammt auch nicht mehr wirklich von den Römern. Aber tatsächlich befand sich in nur geringem Abstand zur heutigen Deutzer Brücke die um 310 von den Römern, unter Kaiser Konstantin, gebaute Bock- bzw. Jochbrücke, eine Holzkonstruktion auf steinernen Pfeilern. Und immerhin erst über 650 Jahre später veranlasste Erzbischof Bruno, dass die Brücke, bzw. die Reste der Pfeiler abgerissen werden, um einen reibungslosen Ablauf der Schifffahrt zu gewährleisten.

Nachdem seit ca. 1670 lediglich eine Art Fähre die Überquerung des Rheins an dieser Stelle ermöglichte, wurde am 16. November 1822 eine etwa 400 Meter lange Holzbrücke eingeweiht. Ein ungestörter Schiffsverkehr war allerdings auch jetzt nicht möglich, da das Mittelteil dieser von 40 Nachen (Kähne ohne Aufbau) getragenen Brücke dreimal täglich geöffnet werden musste, was bedeutete, dass dieses Mittelteil zur Seite geschwommen werden musste. Hochwasser oder Eis, welches auf dem Rhein trieb, erwiesen sich als weitere Erschwernisse. Die perfekte Lösung war also auch das nicht.

Aber aufgeben war nicht. Also, vermutlich wurde damals so gedacht, denn von 1913 – 1915 entstand eine Kettenhängebrücke, die „Deutzer Hängebrücke“ mit einem Gewicht von 6.200 Tonnen. 1935 wurde sie in „Hindenburgbrücke“ umbenannt, nach dem 1934 verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Diese hielt allerdings nicht lange. Am 28. Februar 1945 sollte sie repariert werden, stürzte aber ausgerechnet währenddessen zusammen. Wenn ihr die Brücke vom Linksrheinischen in Richtung Deutz überquert, seht ihr eines der Kettenglieder dieser Konstruktion als Denkmal auf dem nördlichen Fußgängerweg.

Und so, wie wir sie heute kennen, wurde die Deutzer Brücke von 1947 – 1948 neu gebaut. Das heißt, einer der beiden Brückenzwillinge, aber dazu gleich mehr. Am 16. Oktober 1948 wurde die erste Stahlkastenträgerbrücke der Welt !! eingeweiht. Der Kölner Architekt Gerd Lohmer und Fritz Leonhardt hatten diese gemeinsam entworfen.

So, jetzt kommen wir zum Zwilling. Von 1976 bis 1980, viele von euch werden sich sicher noch erinnern, wurde die gleiche Brücke noch einmal gebaut, nur diesmal aus Spannbeton und unter großem Aufwand südlich an die bereits vorhandene Brücke rangeschoben. Die Stadtbahn bekam nun in der Mitte beider Zwillinge eigene Gleise, wohingegen rechts und links der Gleise Fahrbahnen, Rad- und Gehwege vorhanden waren…und sind, denn das ist nun unsere Deutzer Brücke. Insgesamt 437 Meter lang und 31,50 Meter breit.

Nun gibt es bei dieser Brücke eine Besonderheit. Sie ist nämlich von innen ebenfalls begehbar. Der Stahlbetonkasten enthält keine Einbauten und so befinden sich dort 3 begehbare Räume. Zwar ohne Tageslicht, aber wir sind ja in diesen Zeiten flexibel und wissen uns zu helfen. Und das ist auch gut so, denn in diesen Räumen finden oft Ausstellungen und Konzerte statt. Sehr außergewöhnlich an einem solchen Ort, aber…das ist Köln. Wie schrieb ich in einem etwas älteren Beitrag? Köln ist voller Geheimnisse. Dieses ist so eines.

Kleiner Seitenhieb: im Gegensatz zur Philharmonie darf man die Deutzer Brücke auch bei Konzerten überqueren

Bis bald, eure Ramona

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