Wenn Kinderaugen leuchten…

…dann ist Weihnachtszeit. Zumindest bei unseren Kleinsten funktioniert das noch. Auch bei so manchem Erwachsenen. Ich bin selbst auch so ein Exemplar.

Kaum sind die Klänge der Sessionseröffnung zum Karneval verklungen, beginnt das Treiben auf den Plätzen, wo es bald wieder nach Glühwein und gebrannten Mandeln duftet. Die Weihnachtsmärkte werden aufgebaut und in Kürze schieben sich wieder Tausende von Menschen täglich durch die Marktgassen, vorbei an Buden mit Naschwerk, Kleidung, Schmuck, Kerzen, Spielwaren, Bildern und vielem mehr, oder auch an dem ein oder anderen Karussell. Leider muss ich zugeben, dass die Romantik eines Weihnachtsmarktes bei dem Gedränge dann doch etwas auf der Strecke bleibt.

Aber wie war das eigentlich früher in Köln? Und seit wann gibt es hier überhaupt Weihnachtsmärkte?

Ehrlich gesagt habe ich gestaunt, als ich herausfand, wann das war, denn ich habe diese Tradition für wesentlich jünger gehalten. Und nein, ich rede jetzt nicht von der „3-Jahres-Tradition“, denn hier in Köln ist ja bekanntlich alles, was bereits zum dritten Mal stattfindet, Tradition (diese Aussage ist bitte mit einem Augenzwinkern zu verstehen). Nein, wir können hier viel weiter zurückgehen, um genau zu sein 199 Jahre. Denn tatsächlich fand im Jahre 1820 der erste Weihnachtsmarkt in Köln statt. Dieser öffnete in der Altstadt unter dem Namen Nicolaimarkt seine Pforten. Nicolaimarkt deshalb, weil seinerzeit die Kinder noch am Nikolaustag ihre Geschenke bekamen und nicht, wie wir es heute kennen, an Heiligabend.

Und was gab es da nicht alles…Plätzchen, Spielsachen, Bonbons…und vermutlich hatten auch die Kinder jener Zeit noch dieses Leuchten in den Augen, dieses ehrfürchtige Staunen im Gesicht, beim Anblick all dieser schönen Dinge, die damals noch keine Selbstverständlichkeit waren. Ich bekomme jetzt gerade beim Schreiben dieser Zeilen Bilder vor Augen, wie es damals gewesen sein könnte…und mit einem sicher etwas verklärtem Blick meinerseits, war es vielleicht schöner als heute in dieser konsumorientierten Welt.76722695_649006498837997_3397067360153108480_o

„De Hötte“…so nannten die Kölner ihren Weihnachtsmarkt, der immer vom ersten Dezember bis zum ersten Januar stattfand. Nach zehn Jahren war er so bekannt geworden, dass auch Menschen anderen Ortes diesen Markt besuchten, oder auch ihre Waren anboten. In dieser Zeit kam es wohl zu dem Brauch, die Kinder zu Weihnachten zu beschenken, statt wie bisher am Nikolaustag.

Dann – nach wohlgemerkt 17 Jahren – gab es erstmals überhaupt eine amtliche Genehmigung für diesen Markt, nachdem im Jahre 1837 die Stadtverwaltung und die preußische Regierung beschlossen, dass der Weihnachtsmarkt auch weiterhin Bestand haben darf. Ich kann es mir nicht verkneifen, mal wieder darauf hinzuweisen, dass in Köln ja alles etwas länger dauert und offenbar war das wirklich schon immer und in allen Bereichen so. Man möge mir den kleinen Seitenhieb verzeihen, schließlich ist ja bald Weihnachstzeit.

Jetzt sollte es mit dieser Genehmigung allerdings auch Regeln geben. Es durften lediglich Spielsachen und Esswaren verkauft werden, selbstverständlich ohne Alkohol, da ja alles noch sehr auf die Kinder ausgerichtet war. Des Weiteren gab es Vorgaben, wie die Buden auszusehen hatten, sprich Material und die genaue Größe waren einzuhalten. Das Unangenehme kam in Form von Gewerbesteuern und Standgeldern daher. Aber – nachdem all das beschlossen worden war, wuchs der Markt. Es gab jetzt nicht nur Verkaufsstände am Alter Markt, sondern auch auf dem Heumarkt. Dort standen dann in den ersten 1880er Jahren bereits über 90 Buden.

Dann kam das Aus…

Am 19. Februar 1885 beschloss der Rat, den Weihnachtsmarkt zu verbieten. Er war nicht mehr das, was er mal war, hatte seine Ausstrahlung verloren, alles war zu laut und zu groß geworden. Es sollten viele Jahre vergehen, bis in Köln wieder versucht wurde, Plätze in weihnachtliche Stimmung in Form eines Weihnachtsmarktes zu tauchen. Das war 1923 auf dem Neumarkt und 1930 auf dem Heumarkt.

Erst, seit sich im Jahre 1970 der Oberbürgermeister Theo Burauen dafür einsetzte, gibt es auf dem Neumarkt wieder einen Weihnachtsmarkt und seit 1977 auch wieder am Alter Markt.
Von 1995 mit der Eröffnung des ersten Weihnachtsmarktes am Kölner Dom bis in die heutige Zeit entstanden noch einige Märkte, ihr kennt sie ja.

Ich wünsche euch eine schöne (Vor)weihnachtszeit, verbunden mit dem Wunsch, dass wir es schaffen, den Weihnachtsgedanken wieder etwas mehr in den Vordergrund zu stellen und für ein schöneres, liebevolleres Miteinander. Und wenn ihr einen der schönen Märkte besucht, versetzt euch mal für einen kurzen Moment in die Anfänge…vielleicht seht ihr dann jenes Leuchten in den Augen der Kinder vor euch beim Anblick von Lebkuchen und Eisenbahn…

eure Ramona

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