Traumhaftes Holweide

„Wir brauchen das Gelände, um dort später den Dom draufzusetzen!“ lautete der letzte Satz meines Traums.

Ich schaute auf meine Deckenuhr.
5 Uhr früh!
Der Kleine würde erst in einer Stunde wach werden.. Also Zeit genug über den Traum nachzudenken.
Was hatte der Mann gesagt? Sie wollten die Fabrik abreissen und dann dort mit einem Spezialkran den kompletten Dom hinstellen.
Warum?
Er sei nicht mehr sicher dort, wo er jetzt stehe und der neue Standort würde ihm über viele weitere Jahrzehnte Standfestigkeit verleihen, doch dazu müsste zunächst einmal die alte Baumwollbleicherei verschwinden.
Lange habe man nach einem neuen Standort gesucht und diesen nun gefunden.

Was für ein Unsinn!

Ihr kennt das sicher. Träume sind oft recht verwirrend und selten erinnert man sich besonders lange daran. Doch hier ging es um den Dom und um eine historische Fabrik, die ich erst kürzlich zum 2. Mal in meinem Leben aufgesucht habe. Den Dom hab ich wahrlich öfter gesehen.

Bei der Frage nach dem Sinn des Traumes, kam mir dann der Gedanke, ich sollte vielleicht einfach etwas über diese Fabrik erzählen. Vielleicht ein versteckter Hinweis an mich? Schau dir mal die alten Fabriken an! Industriekultur vergangener Epochen, bevor sie weg sind.

Gut! So will ich denn den Dom auf jeden Fall dort lassen, wo er hingehört. Euch aber mitnehmen auf eine kleine Reise nach Holweide. Oder sollte ich sagen, wir begeben uns nach Schweinheim?

Denn die ehemalige Schweinheimer Mühle war genau dort, wo jetzt noch die Baumwollbleicherei steht.
Sie war eine der vielen Mühlen an der Strunde, die vorwiegend im Raum Bergisch Gladbach ihre Mühlen am Bachlauf hatte. So wurde die Mühle zu Schweinheim bereits 1322 urkundlich erwähnt. Insgesamt gab es 3 Wassermühlen im heutigen Holweide. Vieles wurde dort in den Jahrhunderten gemahlen. Mal war sie Walkmühle, mal Getreidemühle, Kornbrennerei, Zwangsmühle und viel später, rund 1871 wurde sie Papiermühle. Damals kam die Blütezeit der Papiermühlen an der Strunde auf.
Doch schon im Jahre 1895 wurde sie zur Baumwollbleicherei. Daraus entwickelte sich die „Kölner Baumwollbleicherei“ und doch wurde sie ab den 60er Jahren nochmals zur Papierherstellung genutzt.75322638_635856383486342_4079946900856373248_o

Viele der alten Fabriksgebäude datieren aus der Zeit um 1900. Die Backsteinfassade sieht noch gut erhalten aus und die Strunde plätschert an ihr vorbei. Vor den Toren liegt praktisch das Gasthaus „Zur Strunde“, wo man noch ehemaligen Arbeitern der Fabrik begegnen kann. Denn erst im Jahre 2009/10 wurde sie ganz geschlossen. Der Biergarten gibt den Blick auf die Strunde frei und wartet wohl auf die neuen Bewohner der Baumwollbleicherei.

Neue Bewohner? Ihr lest richtig. Geplant ist es schon lange, warum es an der Umsetzung hapert, weiß ich nicht. Vielleicht liegt noch kein akzeptables Verkehrskonzept vor.
Jedenfalls lag bei meinem ersten Besuch alles so da, wie heute. Dabei sind 6 Jahre vergangen!
Am Seitentor der Hinweis auf Abbrucharbeiten, die aber nicht unbedingt stattfinden. Denn und das ist gut so, man möchte die Substanz und Schönheit der Fabrik als Basis für die geplanten Wohnungen erhalten. Viele junge Familien sollen dort ein neues Zuhause finden. Eine Industriebrache mit Wohnkultur soll es werden. Mit Tiefgaragen, Kita und viel Grün.
Ein schöner Gedanke!
Einer, der mich wieder an das Jahr 1941 denken lässt! Denn auch damals fanden um die Fabrik herum junge Familien Heimat. Dabei war die Firma 1934 doch in Insolvenz getreten. Aber es fand sich schnell ein Investor und der Betrieb in der ehemaligen Mühle ging weiter.73266138_635855893486391_9083420862522064896_o

Damals lebten meine Großeltern noch. Sie waren eine junge Familie, die dort in Holweide mit ihrem gerade geborenen Töchterchen eine Heimat finden wollten.
Doch es war Krieg!
Geblieben ist nur das Töchterlein. Meine Großeltern wurden Opfer der damaligen Umstände!
Auf meiner Spurensuche bin ich dann das erste Mal an diese Baumwollbleicherei gekommen.
Und da habe ich mich natürlich gefragt, was hat denn diese Fabrik im Krieg produziert? Heute weiß ich es. Sie stellten neben Verbandswatten die Tragegurte für Maschinengewehre her.

Wenn ich nun vor der Fabrik stehe, frage ich mich immer, ob meine Großmutter wohl jemals dort den Kinderwagen lang geschoben hat.
Doch eins ist sicher, der Anblick der alten Fassade ist so wie 1941. Darum bin ich dankbar, dass diese Fabrik noch steht. Denn auch, wenn ich sie nie kennenlernen konnte, bin ich ihnen dort ein wenig näher gekommen. Und auch das Haus, in dem sie kurze Zeit eine Familie sein durften, steht noch.

Doch eine Frage gibt es noch zu klären. Wieso wurde die ehemalige Wassermühle Schweinheimer Mühle genannt? Ich denke, wir sind in Holweide?
Stimmt! Wir sind in Holweide, doch erst seit 1910. Vorher war dort das Örtchen Schweinheim. Und gleich nebenan Wichheim. Diese beiden Örtchen und Schnellweide und Holweide, wurden zusammengelegt und zu Holweide. Welches der Bürgermeisterei von Merheim unterstellt wurde.

Wenn ihr einmal dorthin kommt, dann gibt es für Freunde historischer Bauten noch einiges zu entdecken, denn dort befinden sich auch einige unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhäuser.

Damit wäre der Traum abgehakt. „Mir losse dr Dom in Kölle!“ Linksrheinisch!
Und rechtsrheinisch warten wir auf das neu geplante Baumwollquartier.

Euch allen einen schönen Sonntag!

Eure Elisabeth

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