Bauten, Mahnmale, Bunker

Wie ich euch beim Artikel zum Ostheimer Umspannwerk (Ein Tropfen zuviel) versprochen habe, berichte ich nun heute über ein anderes Kapitel Ostheimer Geschichte
Eine Geschichte wo sich manch einer wünscht, dass es sie nie gegeben hätte. Und doch, oder gerade weil es sie gab, sollte man auch darin erinnern.

Die Rede ist vom ehemaligen Militärflughafen, dem Fliegerhorst Ostheim, der sich auf einer Fläche von 125 Hektar erstreckte.
Viele Bauten stehen heute noch auf einem Teil des alten Flughafen Geländes, welches weit über seine Landesgrenzen hinaus, als Klinikum Merheim bekannt ist. Doch einige werden nun auch abgerissen. Schade drum, wenn ich dabei insbesondere an die Wohnhäuser denke, auf die mir ein Denkmaschildchen praktikabler erscheinen würde.

Bei meinen Recherchen fand ich einige Bunker, alte Offiziersunterkünfte, Rollbahn, und……..
Ach, kommt einfach mit und schaut die Fotos. (bitte auch in den Kommentaren nachschauen, dort wird es noch mehr Fotos geben)74409244_634368143635166_6660022850365161472_n

So machte ich mich wieder einmal auf Spurensuche und recherchierte wochenlang auf der Piste, in Druckwerken, im Netz und beim Kenner der Kölner Luftfahrtgeschichte Werner Müller.
Dies alles, damit ihr erfahren könnt, was vielen gänzlich unbekannt ist.

Spricht man in Köln von einem Flughafen, kommt als erstes Köln-Wahn und dann bestenfalls noch der alte Flughafen Butzweilerhof.
Kaum bekannt ist der rechtsrheinische Militärflughafen Ostheim. Dort gab es Messerschmitts, Ju 52 und einige Flugzeuge mehr. Auch Neuerfindungen wurden dort gemacht.
Doch ich werde nicht zu sehr ins Detail gehen, denn dazu kann man wesentlich mehr auf der Seite des Luftfahrtarchives Köln erfahren. Ein Blick, der sich für Freunde der Luftfahrtgeschichte und Interessierte durchaus lohnt.74322339_634367900301857_474338885409701888_n

Hier erfahrt ihr hingegen andere Hintergründe, über damals und heute. Bauwerke, ein Mahnmal usw., die rund um den Flughafen existieren und mit ihm verbunden waren, möchte ich näher bringen.

Erbaut wurde der Militärflughafen als Fliegerhorst Ostheim zunächst unter Geheimhaltung, indem man zivilen Flugsport vorschob. Er wurde sozusagen aus dem Boden gestampft, denn seine Bauzeit dauerte von 1936 – 1937 nur wenige Monate. Zuvor wurde den Landwirten in Merheim und Ostheim – Langenbrück (diese Bezeichnung kennt man heute kaum mehr) Land abgekauft und notfalls zwangsenteignet. Errichtet wurde die Anlage inklusive großzügiger Kasernenbauten, mit Flaktürmen, unterirdischen Gängen, Bunkern, Hangars, Garagen u. v. m auf dem Gebiet zwischen Ostheim und Merheim. Auch Brück wurde Richtung Königsforst mit einbezogen (ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag über die Erker Mühle).75048707_634367743635206_3426246341464948736_n

Neubrück ist erst nach Auflösung des Fliegerhorstes entstanden. Aus dem im Volksmund „Konrad Adenauer Siedlung“ genannten Baugebiet, entstand zwischen 1965 und 1970 Neubrück, wo man heute bei genauem Hinschauen noch etwas von der Flughafen-Ringstraße erkennen kann. Diese findet man auf der Joseph-Gockeln-Straße, ganz in der Nähe der Hundefreilauffläche. Auch Reste einer Pforte zum Fliegerhorst findet man am Rather Kirchweg.

Überhaupt stand dort im heutigen Neubrück, an der Ecke Hans-Scholten-Str./Dattenfelder-Str. auch eine Flakstellung, die es zur traurigen Berühmtheit gebracht hat, weil dort 17 Jugendliche, die als Flakhelfer rekrutiert waren, im Januar 1945 ums Leben kamen. Ihnen und dem einen Soldaten, der den Kindern zur Seite gestellt war, wurde im Jahre 2000 ein würdiges Denkmal errichtet. Geschaffen wurde das Mahnmal von dem Kölner Künstler Josef Höngestberg.
Mit symbolischen weißen Rosen wird einmal im Jahr, am Flakhelfer-Denkmal, an diese damals zumeist 16 Jahre alten Schüler erinnert.72872476_634368056968508_8086519022809513984_n

Übrigens wurde ein Jagdgeschwader Ostheims kurzzeitig vom Goldmedaillengewinner Major Karl Hermann Gotthard Handrick kommandiert, der 1936 bei Olympia den modernen Fünfkampf gewann. Dies nur mal so nebenbei, denn in meinen Recherchen fand ich auch diese Info beim Kölner Stadt Anzeiger (Quelle).
Er soll in einer Villa an der Ostmerheimer Straße gewohnt haben. Ein Blick in Google Maps zeigte mir, die Villa wird dort vernebelt, deswegen möchte ich sie hier auch jetzt nicht weiter vertiefen.

Einige Bunker-Anlagen wurden,wie es gebräuchlich war, von den Alliierten gesprengt. Andere gibt es bis heute.
So gab es 1947 auf dem von der Arzneimittelfirma Madaus genutzten Gelände noch einen Bunker, dessen Reste ich ca. 2010/11 im Schutt betrachten konnte, nachdem die Arzneimittelfirma Madaus ihr Gelände verkauft hatte. Heute befindet sich dort das Neubaugebiet Merheimer Gärten. Eine für junge Familien angelegte Siedlung, mit gefühlt mehr Spielplätzen als Kindern.74882992_634367993635181_2171284784796401664_n

Ein weiterer Bunker befindet sich auf dem Klinikgelände, der allerdings auch langsam von Bodendeckern überwuchert wird. Irgendwann bemerkt ihn wahrscheinlich keiner mehr.
So wie der Ein-Mann-Bunker, auf der Winterberger Straße, den ich mir bereits 2010 das erste mal anschaute. Heute war ich wieder dort und sah ihn auf seinem Dach mit Efeu bewachsen. Wahrscheinlich verschwindet er irgendwann hinter den Ranken. Wobei dieser in einschlägigen Foren mehr als Einstieg oder Ausstieg, der unterirdischen Tunnelanlagen „gehandelt“ wird, statt als Ein-Mann-Bunker. Ein bekannter Buchautor ist sich da sogar ganz sicher. Rein kommt man nicht mehr, denn er ist sehr gut verschweißt.

Und nun wird es ganz spannend, doch leider unbelegbar, obwohl die alten Leute viel erzählten…
Es soll unterirdische Verbindungsstollen geben, die auch zum Fort X führten. Man will sie sogar gesehen haben, doch wurde alles zugeschüttet.
Ob dies stimmt ist fraglich, denn betrachtet man die Lage des ehemaligen Flughafens mit der Autobahn und dann Fort X werden starke Höhenunterschiede sichtbar. Doch auch vom Fort ranken sich alte Geschichten, über etwaige Gangsysteme. Um die Wahrheit zu erfahren, müsste man wahrscheinlich ganze Siedlungen umgraben.
Einzig am Klinikum nutzt man noch die Möglichkeit, um unterirdisch von einem Gebäude ins nächste zu kommen. Es wurde mir zuverlässig von einer Patientin darüber berichtet. Doch sind diese wirklich aus der Zeit des Fliegerhorsts oder handelt es sich dabei um neu angelegte Versorgungsgänge? Vielleicht von beidem etwas?

1946 wurde der Fliegerhorst, nachdem er unbrauchbar gemacht worden war, von den Amerikanern der Stadt Köln übergeben. Diese ließ dort die Krankenanstalt Merheim errichten, welche sich in den Folgejahren zu einer der bedeutendsten Kliniken der Stadt entwickelte.
Dort fanden die alten Bauten schnell neue Nutzung. Ein Streifzug über das Gelände, durch das auch eine Buslinie führt, lässt Historikerherzen vibrieren.
So ist z. B. dort die Zentralapotheke, mit einer schönen Köln-Zeichnung auf der Hauswand. Hier werden u. a. wichtige Medikamente für Notfälle aufbewahrt. Einige Bauten haben noch kleine Türmchen am Dach, dort standen Flugabwehrkanonen.

Auch findet man dort das kleinste aller Kölner Heizkraftwerke, welches erst in diesem Jahr modernisiert wurde. Mein Schwiegervater ist nicht ganz sicher, doch er glaubt, es sei ebenfalls in den 40/50er Jahren des letzten Jahrhunderts errichtet worden.

Das ehemalige Offizierscasino ist heute ein Teil der Krankenhauskapelle.
Außer ins Casino, gingen die Offiziere zum Gasthaus Goldener Pflug, welches ebenfalls 1937, dem Fliegerhorst direkt gegenüber eröffnet wurde. Ursprünglich wollte der Wirt Haas das Lokal „Zum Goldenen Flug“ nennen. Doch die Wehrmacht legte dagegen ein Veto ein, so wurde Goldener Pflug daraus. (Quelle/Goldener Pflug). Dabei konnten die Militärs auch direkt zur Poststelle laufen, die auf deren Anordnung von der Rüdigerstraße in die Nähe des Gasthauses verlegt worden war.

Im Eingangsbereich der Ostmerheimer Straße , die zur Klinik führt, findet man das ehemalige Wachhaus, die Hauptwache, welches heute ein Kiosk mit kleinem Café und Paketshop darstellt. Irgendjemand hat mir einmal erzählt, es seien dort auch Arrestzellen drin gewesen.
Ein anderes Pförtnergebäude/ bzw. Wachhaus ist an der Olpener Straße zu finden.

Auch war und ist auf dem Klinikgelände immer noch ein Hubschrauber-Landeplatz für die Rettungsstaffel Christopher, der aber mittlerweile verwaist ist. Er hat sozusagen Moos angesetzt. Der Rettungshubschrauber landet jetzt auf dem Dach eines der neuesten Klinikgebäude und die Staffel wartet seit Jahren auf die Fertigstellung des Kalkbergs.

So bleibt der Fliegerhorst Ostheim ein Mysterium, denn die schnell wachsende Bevölkerung des rechtsrheinischen Kölns brauchte Wohnraum. Sprengen, zubetonieren und überbauen war die Devise, die uns heute nur noch wenig frei gibt, von dem wie es gewesen ist.

Wenn euch der Rundgang zu den „Resten“ des Militärflughafens Ostheim gefallen hat, teilt ihn gern, auch zum Gedenken an eine Zeit, die nun einmal ebenso zur Geschichte unserer Stadt gehört, als wie die Bauten der Römer.

Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.

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