Jacques Offenbach – der Jakob vom Griechenmarkt

Was für ein Jubiläum, 200 Jahre. Köln ist im Offenbach-Fieber. Unzählige Veranstaltungen, in jeder Zeitung, im WDR, einfach überall taucht er auf. Und ich sitze hier und stelle mir eine einzige Frage. „Wo war Offenbach vorher, vor dem Jubiläum. Er ist einer der berühmtesten Söhne dieser Stadt, umso mehr wundere ich mich, warum ich in Köln das Gefühl habe, dass ihn kaum jemand kennt.

Dabei gibt es doch einige Hinweise hier in der Stadt. Den Offenbach-Platz und eine Straße, welche nach ihm benannt ist. Auch erklingt Musik von Offenbach vom Glockenspiel am Rathausturm, eine Gedenktafel am Großen Griechenmarkt 1 aus dem Jahre 1957 von Henrik Diwan. Auf dieser steht:

In diesem Hause wurde
der Komponist
Jacques
Offenbach
am 20. Juni
1819 geboren

Dies ist allerdings nicht das originale Geburtshaus, denn dieses wurde 1870 abgerissen. Sagen wir lieber, hier an diesem Ort, wo er am 18.06.1819 das Licht der Welt erblickte.PSX_20191027_111612

Dann gibt es auch eine Figur am Rathaus. Seit einigen Jahren gibt es die Offenbach- Gesellschafft, die tapfer die Fahne dieses großartigen Komponisten hochhält. Danke dafür. Eine weitere Erinnerungsstätte gibt es auf dem alten jüdischen Friedhof in Deutz, hier finden wir die Grabstätte seines Vaters und Förderers Isaak Offenbach.

Dass unser Jakob mit Nachnamen Offenbach heisst, ist etwas kurios. Sein Vater wurde 1779 in Offenbach als Isaak Juda Eberst geboren. Als er 1802 nach Deutz umzog, wurde er überall nur „der Offenbacher“ genannt, so nahm er den Namen seiner Geburtsstadt Offenbach an. Dä. Andere Zeiten, andere Namen. Später zog die Familie zum Großen Griechenmarkt um.LRM_EXPORT_38956056389887_20191028_155944825

Jakob ist ein echt kölscher Jung. Klar, seine erfolgreichsten Jahre hatte er in Frankreich. Hier erlangte er Weltruhm. Und doch war Köln wichtig für ihn. Hier lebte seine Familie, hier war sein Rückzugsort.
Bereits mit sechs Jahren erhielt Jakob Musikunterricht, er gab sehr früh die ersten Hauskonzerte, gemeinsam mit seinen Geschwistern Isabella und Julius. So hat er sich das Cellospielen selbst beigebracht und zwar so gut, das er mit zarten zehn Jahren bei einem Haydn-Konzert als Ersatzmann einspringen konnte. Und Jakob hatte Talent, er lernte weitere Musikinstrumente zu spielen, sein Vater erkannte dies und förderte ihn wo er nur konnte. Irgendwann konnten ihm die besten Musiklehrer der Stadt nichts mehr beibringen, da war der Köbes, wie ihn seine Geschwister liebevoll riefen, gerade mal 13 Jahre alt. Dem Vater gelang das Kunststück, ihn am Musikkonservatorium in Paris anzumelden, zu dieser Zeit eine kleine Sensation. So begann der unaufhaltsame Aufstieg vom Jakob zum Jacques.

Klare unverkennbare äußerliche Markenzeichen von Jakob waren sein Nasenzwicker, ohne den er kaum einmal gesehen wurde, und das, obwohl es Gerüchte gab, das er diesen eigentlich erst um 1860 benötigt hätte. Vielleicht Eitelkeit? Sein zweites Erkennungsmerkmal war zweifellos sein Backenbart.PSX_20191027_111528

Er ging regelmäßig auf Konzertreisen und so kam er natürlich auch in seine Heimatstadt, hier spielte er zum ersten mal sein Instrumentalwerk „Hommage á Rossini“. Und genau dieser Rossini verlieh unserem Jakob später den Beinamen „kleiner Mozart des Champs Èlysées“. Auch bei den Festlichkeiten zur 600-Jahr-Feier der Grundsteinlegung des Kölner Doms war Jakob in Köln und wurde mit großem Respekt empfangen. Im Jahre 1844 spielte er sogar am Londoner Königshof vor Königin Victoria. Während der Revolutionsjahre 1848/49 war Offenbach in Köln, hier holte er sich Inspirationen, ganz besonders die Darbietungen im „Hänneschen-Theater“ sollen ihn inspiriert haben, und so kam, was kommen musste. Im Jahre 1855 gründete er in Paris ein Theater und feierte damit große Erfolge.Nun konnte er sich auch den Traum erfüllen, selber Bühnenstücke zu inszenieren.

Der Durchbruch gelang ihm auf der Pariser Weltausstellung 1855 als Komponist und Cellist, auch hat er die moderne Operette „nach vorn gebracht“, seine bekanntesten Stücke sind sicherlich Cancan aus Orpheus in der Unterwelt. Auch heute hören wir dieses Stück sehr oft, man kann es fast als „Gassenhauer“ bezeichnen und die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen.LRM_EXPORT_354140499048565_20191027_112341807

Natürlich ging auch an ihm die Liebe nicht vorbei. Zu Beginn der 1840er Jahre verliebte er sich in die Spanierin Herminie d´Alcain. Um seine große Liebe heiraten zu können, musste er zum Katholizismus konvertieren, was er am 8.8.1844 auch tat. Bereits am 14. des gleichen Monats heiratete er seine große Liebe. Im Jahre 1860 wurde er offiziell französischer Staatsbürger.

Jakob starb am 05.10. 1880 in Paris. Er liegt dort auf Cimetière de Montmartre begraben.
All seine Werke aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen, er verfasste 75 Kompositionen für Violoncello, 102 Bühnenwerke, wie „die schöne Helena“, „Blaubart“ oder „Pariser Leben“, um nur einige zu nennen.LRM_EXPORT_354057544697015_20191027_112218853

In seinem 1864 verfassten autobiographischen Versuch zeigt er, das er trotz einiger Mißerfolge in Köln und manch schwieriger Beziehung zur Stadt eben diese wohl sehr geliebt hat, denn er beginnt mit den Worten
“Ich bin in Köln zur Welt gekommen…an meinem Geburtstag“.
Hier zeigt sich dann mal wieder seine kölsche Herkunft, und deshalb sollten wir stolz sein. Stolz auf diesen großen Künstler, unseren „Jakob“.

Momentan gibt es eine kleine, aber wunderbare Ausstellung über ihn in der Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz. Diese gibt es noch bis April 2020. Toll, was die Mitarbeiter des Historischen Archivs der Stadt Köln da hingezaubert haben.LRM_EXPORT_353342151083061_20191027_111023460

Wer vielleicht jetzt etwas mehr über J. Offenbach wissen möchte, dem kann ich das Buch von Ralf Olivier Schwarz mit dem Titel“Jacques Offenbach: Ein europäisches Portrait“ empfehlen. ISBN: 978-3412512958

euch eine gute Zeit mit viel Musik im Herzen wünscht euch Ronald

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