Das Geisterhaus

Der Limburger Erbfolgestreit, in welchem Siegfried von Westerburg, der Erzbischof von Köln, sowie Herzog Johann I. von Brabant die Hauptfiguren waren, bestand nun schon seit 6 Jahren. In welches schlimme Ende dieser Streit mündete, ist uns allen bekannt. Es war die Schlacht von Worringen am 5. Juni 1288, bei der geschätzte 10.000 Männer, teils auf Pferden, der Rest war Fußvolk, kämpften und ca. 1.100 von ihnen ihr Leben dort verloren, die meisten durch Pferdehufe bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet. Viele von ihnen wurden in Massengräbern bestattet…

600 Jahre später…auf dem Gebiet der Fühlinger Heide, genau dort, wo einst die blutige Schlacht von Worringen stattgefunden hatte, erwarb Eduard Freiherr von Oppenheim im Jahre 1884 Land, auf dem er das Herrenhaus Fühlingen erbaute, dazu ein Gestüt und eine Pferderennbahn. Die Kirche St. Marien soll angeblich aus dem Erlös dieses verkauften Landes erbaut worden sein. Ob es die Beschaffenheit des Bodens war oder ein anderer Grund dazu führte, dass sich das Gebiet nicht oder kaum für Pferde eignete, kann ich nicht sagen, aber es führte dazu, dass Oppenheim das Anwesen bereits im Jahre 1907 wieder verkaufen mußte und nach Berlin ging.73246175_632410750497572_3726354771796295680_o

Viele Jahre vergingen und im zweiten Weltkrieg wurde das Haus als Schlafplatz für Zwangsarbeiter genutzt. Dem 19-jährigen Polen Edward Margol wird dieses zum Verhängnis. Er soll heimlich mit der Tochter des damaligen Gutsbesitzers angebandelt haben und als der Vater dies herausbekam, ließ er Margol von der Kölner Gestapo verhaften und ihn am 15. Januar 1943 in der Nähe des Hauses erhängen. Wie die Tochter später berichtet haben soll, hatte sich der junge Mann ihr niemals in einer solch körperlichen Art und Weise genähert.

Es heißt, sein Geist befände sich noch heute dort und suche nach seiner Geliebten.73189727_632410650497582_5717141941070594048_o

In den 60er Jahren verkaufte der inzwischen dort mit seiner Familie lebende ehemalige NS-Richter Gerhard van K. das Anwesen an die Stadt Köln unter der Voraussetzung, ein lebenslanges Wohnrecht zu erhalten. Unter dieser Premisse erscheint es fast schon makaber, dass er sich Silvester 1962 im zweiten Stock des Herrenhauses erhängt. Zumindest ist das so bekannt. Seine Frau Alice blieb trotz des Vorfalls im Haus wohnen. Und obwohl im Jahre 1967 seitens der Stadt Köln die Reithalle und große Teile des Hofes abgerissen wurden und Türen sowie Fenster zugemauert wurden, soll das wohl bis zum Jahr 2000 so gewesen sein, bevor sie, dann, im Altenheim starb. Das Anwesen wurde sich selbst überlassen…und wurde zum Geisterhaus.

In den nachfolgenden Jahren soll es dort immer wieder zu unerklärlichen Vorfällen gekommen sein. Immer wieder zog es Hobbyfotografen oder sogenannte Geisterjäger zu dem verfallenden Anwesen, die von Geräuschen oder seltsamen Abbildungen auf Fotos berichteten. In einem waren sich alle einig, nämlich des beklemmenden Gefühls, das sich eines jeden Besuchers bemächtigte, sobald er das Haus betreten hatte. Am 8. April 2007 fanden Jugendliche einen toten Mann im Haus, der sich, wie schon viele Jahre zuvor der Richter, im zweiten Stock des Hauses erhängt haben soll. Was man von all dem halten soll? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht, und wahrscheinlich kann das nur jeder für sich selbst entscheiden, daran zu glauben oder nicht.

Eins allerdings kam mir seltsam vor. Auch ich besuchte das Anwesen und als ich mich bereits wieder vor dem Tor befand, traf ich eine weitere Besucherin, die gerade mit ihrem Auto dort gehalten hatte. Sie erzählte mir, dass sie schon seit vielen Jahren bezüglich des Herrenhauses und seiner Geschichte recherchierte und auch schon im Haus selbst war. Als sie später noch einmal mit ihrer Familie, die neugierig geworden war, dort war, sollen die Akkus sämtlicher Handys gleichzeitig innerhalb kürzester Zeit leer gewesen sein und das Gesicht der Tochter auf den Fotos später nicht erkennbar gewesen sein.73226654_632410567164257_5689782651502723072_o

Sollte ich bis dahin auch nur ansatzweise mit dem Gedanken gespielt haben, zu einem späteren Zeitpunkt dieses Haus zu betreten, hatte sich das in diesem Moment erledigt. Ob Glaube oder Irrglaube…es war auf jeden Fall spannend, sich diesen Ort einmal anzuschauen und wer weiß schon, was es alles gibt zwischen Himmel und Erde…

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