Von der City ins Friesenviertel

Heute möchte ich euch einladen, einen weiteren „Kölschgänger-Spaziergang“ zu unternehmen. Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere diesen Weg nachgeht. Diese Tour geht mitten durch die Innenstadt und das Friesenviertel. Wir beginnen nicht allzu weit vom Dom und besuchen das Jupp Schmitz Denkmal. Danach geht es ein Stück durch die Kölner Einkaufstraße. Mitten auf der Schildergasse treffen wir dann auf die Antoniterkirche, der wir einen Besuch abstatten.

Nach einer Stärkung im Traditions – Gasthaus „Bei d’r Tant“ geht es weiter an Kölns größtem Platz, dem Neumarkt, vorbei zur Kirche St. Aposteln. Den Besuch dieser wunderschönen Kirche lassen wir uns auf keinen Fall entgehen.

Durch weitere Einkaufstraßen nähern wir uns dann dem Millowitsch Denkmal, wo sich ein Fotoshooting mit diesem Original einfach anbietet. Nur wenige Meter weiter gelangen wir dann zur Hahnentorburg, durch die schon große Kaiser schritten.

Nach so viel Kölner Geschichte bewegen wir uns nun zu einem Brauhaus mit großer Tradition, dem Päffgen. Und da es unmöglich ist, seine Gäste von hier aus noch einmal zum weitergehen zu bewegen, beenden wir die heutige Tour hier und lassen uns lieber noch einige Päffgen Kölsch schmecken.

Aber jetzt genug geredet, lasst uns losgehen.

Diese Tour beginnt am Jupp Schmitz Plätzchen.
Jupp Schmitz war Schlager- und Krätzchensänger und natürlich Karnevalist. Seine bekanntesten Lieder sind sicher: „Wer soll das bezahlen“ und „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, sowie „Es ist noch Suppe da“.
Wegen seines markanten Oberlippenbartes wurde er von den Kölnern „dä Schnäuzer“ genannt. Er starb 1991 und liegt auf Melaten begraben. Auf seinem Grabstein ist der Titel des Liedes „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ eingraviert. 1994 wurde dieses Denkmal aufgestellt und kurz danach auch der Platz auf seinen Namen umgetauft.

Weiter geht es jetzt bis zur Gürzenichstraße. Hier biegen wir rechts ab in Richtung GaleriaKaufhof. Gleich neben dem Kaufhaus kommen wir noch am Kölner Bierbrunnen vorbei. Die hier entstandene Brunnenanlage war für eine alljährliche Veranstaltung gedacht. Es sollte einmal im Jahr kurzzeitig Bier an diesem Brunnen gezapft werden können. Den für die Passanten verblüffenden Ausschank am Brunnen ermöglichte eine unterirdisch verlegte Zuleitung, die zu einem in einer Nebenstraße parkenden Bierwagen führte. Leider war diese Veranstaltung nur von kurzer Dauer.

Wir gehen weiter geradeaus, bis wir nach etwa 200 Metern auf der linken Seite die Antoniterkirche erreichen.
Seit 1805 werden hier Gottesdienste gefeiert. Damit ist die Antoniterkirche das älteste protestantische Gotteshaus Kölns. Anfang der 90er Jahre kam sie in die Schlagzeilen, als hier in einer der ersten Kirchen des Landes „Kirchenasyl“ gewährt wurde. Jürgen Becker gab ihr einmal den Beinamen „Mc Donalds unter den Kirchen“ wegen ihrer 10-Minuten- Andachten. Gehen wir nun die Schildergasse weiter bis zur U-Bahn und biegen hier links ab auf die Antonsgasse und dann rechts auf die Cäcilienstraße.

Nun erreichen wir das Gasthaus „Bei dr Tant“, eine alte Traditionskneipe, in der Gaffel-Kölsch gezapft wird. Natürlich vom Fass. Ob im Sommer auf der Terrasse, an der hufeisenförmigen Theke oder im Oberstübchen. Egal, hier fühlt man sich wohl. Ein paar Kölsch und “jet zo müffele” (wie der Kölner sagt) und schon vergeht die Zeit wie im Fluge. Früher konnte man vom ersten Stock direkt hinunter schauen, aber mittlerweile ist die Decke geschlossen. Den Namen hat die Kneipe von Maria Kremer, die nach dem Krieg das Gebäude unter großen Mühen wieder aufbauen ließ. Für die Kinder hatte sie immer eine Zuckerstange übrig und wurde von den Menschen liebevoll „de Tant“ gerufen. Nur ein paar Schritte vom hektischen Neumarkt entfernt liegt dieses kleine Paradies.

Wir gehen jetzt ein Stück zurück, bis wir wieder auf die Schildergasse kommen. Hier biegen wir links ab und sehen die Kirche St. Aposteln bereits vor uns.IMG_20191022_133105

St. Aposteln wurde unmittelbar an der römischen Stadtmauer erbaut, war aber wohl anfangs nur ein einfacher Bau. Erst unter Erzbischoff Pilgrim änderte sich das im 11. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche dann noch einmal stark vergrößert, denn zu dieser Zeit entstand die achteckige Kuppel und der sogenannte Kleeblattchor. St. Aposteln verfügt über drei Orgeln. Man erkennt an der Kirche immer noch ein ehemaliges Türchen, das zugemauert wurde. Auf dieser Höhe war die Stadtmauer und der Pfarrer kürzte seinen Weg über einen Steg direkt in den Chor der Kirche ab. Unmittelbar hinter dem Eingang finden wir die Figuren der „14 Nothelfer“. Der bekannteste ist wohl heute noch der Heilige Christopherus, der durch den ADAC in den Köpfen der Menschen geblieben ist. Der Heribertskelch aus dem 13. Jahrhundert ist die größte Kostbarkeit, mit der St. Aposteln heute aufwarten kann. Die Gravur des Kelches stellt die zwölf Apostel dar. Sehr schön ist der ehemalige Pfarrgarten. Ihr solltet mal reinschauen. Hier im Grünen dringt kaum Lärm durch und es fällt schwer zu glauben, dass man nur ein paar Schritte vom Neumarkt entfernt ist. Ebenfalls etwas in Vergessenheit geraten ist das Adenauer Denkmal im Schatten von St. Aposteln.

Nach dem Besuch dieser sehr schönen Kirche begeben wir uns auf die Hahnenstraße und gehen diese durch bis zur Hahnentorburg.

Die Hahnentorburg ist eine der drei großen Torburgen, die noch erhalten sind, jedenfalls halbwegs. Zu Zeiten der Kaiser und Könige wurden diese in Aachen gekrönt. Wenn sie Köln besuchten, kamen sie hier durch das Hahnentor. Entsprechend prächtig war natürlich dieser Eingang in die Stadt.IMG_20191022_140536

Von der Hahnentorburg gehen wir nach Osten und folgen der Fahrradroute „Wälle“. Wir biegen dann links ab auf die Pfeilstraße und folgen dieser für etwa 250 Meter, gehen dann rechts ab auf die Ehrenstraße und kommen nach weiteren 200 Metern auf die Breite Straße, wo sich der Willi-Millowitsch-Platz mit dem Millowitsch-Denkmal befindet.

Willi Millowitsch stammt aus einer alten Schauspieler-Dynastie. Das Theater faszinierte ihn bereits als Kind und so war der weitere Werdegang vorgezeichnet. Sein Theater an der Aachener Straße war absolut Kult, seine Fernsehaufzeichnungen „Straßenfeger.“ Auch als Sänger hatte er Erfolg, beispielsweise mit dem Lied „Schnaps, das war sein letztes Wort“. Unvergessen bleibt den Kölnern zweifellos seine Interpretation von „Ich ben ne kölsche Jung“. Hier am Willy-Millowitsch-Platz steht nun sein Denkmal. Ein schöner Ort, denn hier ist immer Betrieb und so bleibt er unvergessen. Erwähnen muss ich leider noch, dass es auch in der weiter nördlich gelegenen verbotenen Stadt, mit dem unaussprechlichen Namen, am Uerige Brauhaus eine Gedenktafel der Millowitsch-Dynastie gibt.IMG_20191022_130142

Wir folgen nun der Breiten Straße und biegen direkt rechts ab auf die Albertusstraße und nach 200 Metern links in die Friesenstraße. Dann kommen wir zum Brauhaus Päffgen, unserer letzten Station dieser Tour. Wer hier erstmal sitzt und ein paar Päffgen-Kölsch genossen hat, dem wird schnell klar, warum diese Tour hier endet.

Dieses Brauhaus wird immer genannt, wenn vom Friesenviertel die Rede ist, denn es ist untrennbar mit diesem Viertel verbunden. Das Päffgen gibt es hier bereits seit 1883. Besonders schön ist der Biergarten, seit einiger Zeit im Winter überdacht. Zwei Kastanien stehen hier im Biergarten, von Hermann Päffgen 1884 selbst gepflanzt. Bis heute gibt es Päffgen-Kölsch nur in Fässern. Kein Flaschenbier und auch das mittlerweile übliche Lohnbrauverfahren werden hier abgelehnt. Durch die begrenzte Herstellungsmenge gibt es Päffgen deshalb nur in wenigen ausgesuchten Gasthäusern.IMG_20191022_124924

Übrigens haben Friesenstraße nebst Platz ihren Namen von Tuchhändlern aus Friesland, die sich im 10. Jahrhundert hier angesiedelt haben sollen.
Früher sah man in den Brauhäusern überall Marienbildchen. Diese Tradition ist mittlerweile fast ausgestorben. Fast, denn im Päffgen gibt es das noch. Und, soweit mir bekannt ist, gibt es hier als einziges Brauhaus noch das „ewige Licht“, das nur mal nebenbei.

Viel Spaß beim Entdecken wünscht euch Ronald.

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