Das Wahrzeichen vor dem Wahrzeichen

Fragt man einen Kölner, was das Wahrzeichen seiner Stadt ist, bekommt man zur Antwort: „unser Dom“. Ich muss das allerdings etwas erweitern, denn diese Frage würde wohl jeder so beantworten, ob Kölner oder Nicht-Kölner. Aber das heutige Wahrzeichen Kölns hatte einen Vorgänger, der – sagen wir mal – etwa 300 Jahre lang die Stellung gehalten hatte.

Während dieser Zeit war es nicht der Dom selbst, der weithin sichtbar war, sondern ein knarrendes, quietschendes Ungetüm. Es war der mittelalterliche Baukran, der auf dem halbfertigen Südturm thronte.
(Ich füge meinen Beiträgen immer gerne dazu passende selbstgemachte Fotos bei. Man möge mir verzeihen, dass mir das, was den Kran betrifft, aus „alterstechnischen“ Gründen diesmal leider nicht möglich ist 😀).

Man muß sagen, dass dieser Kran in seiner Zeit eine wirkliche Arbeitserleichterung darstellte. Zwar mußte er von Menschen in einem „Laufrad“ angetrieben werden, aber es konnten mit dieser Konstruktion, die 25 m hoch war, bis zu sage und schreibe 2 Tonnen Gewicht gehoben werden.

Als die Arbeiten am Dom 1560 eingestellt wurden, blieb der Kran auf dem Südturm stehen. Man hatte ihn da gelassen, für den Fall, dass am Dom weitergebaut würde.

Als Köln 1815 preußisch wurde, sorgte die neue Obrigkeit für Ordnung in der Stadt. So wurde der Kran auf dem Südturm, ja nun einige hundert Jahre alt, im Jahre 1816 einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen, der er aber nicht standhielt. Gegen den Plan des Abrisses wehrten sich die Kölner Bürger und so wurde eine zweite Überprüfung angesetzt, die aber zum gleichen Ergebnis führte. Der Kran war morsch und außerdem rund 2 Meter aus seiner einstigen Position verschoben. Zur Beruhigung der aufgebrachten Bürger wurde aber zuerst nur der Ausleger abgebaut.

Und jetzt etwas faszinierendes: Bei dieser Demontage wurde ein Zettel gefunden, auf dem in alter Schrift stand, dass am
10. Oktober 1693 gegen 18:00 Uhr ein Blitz in die Spitze des Krans eingeschlagen hatte und dabei einen Brand verursachte . Bis dieser gelöscht werden konnte, war allerdings schon erheblicher Schaden entstanden. Das aber nur am Rande…

Auch wenn der ehemalige Bürgermeister der Domstadt, der 1818 verstarb, in seinem Testament verfügte, dass 1.800 Taler aus seinem Nachlass für den Bau eines neuen Auslegers verwendet werden sollten, und dies auch tatsächlich geschah, verstummte das Quietschen des Krans im Jahre 1868 endgültig. Denn als die Arbeiten am Südturm im Jahre 1867 weiter vorangingen, war der Kran im Weg.
Er hatte seine Schuldigkeit getan.
Was aber ist aus ihm geworden…?
Eigentlich würde man jetzt vermuten, er wäre schlicht und einfach zerlegt und entsorgt worden. Aber weit gefehlt!
Aus dem guten Stück wurden z. B. kleine Sachen geschnitzt und in verschiedenen Geschäften als Erinnerungsstück an den Domkran verkauft. Es wurden sogar Möbelstücke daraus gebaut. Viele dieser Dinge haben leider Unruhen oder den
2. Weltkrieg nicht überstanden. Einige wenige dieser Kunstwerke aber gibt es noch heute. So wie ein ca. 60 cm hohes Kreuz, welches sich im Besitz des Domes befindet, ebenso eine Miniatur des Domkrans, hergestellt aus dem Holz des Originals.

Sehr beeindruckend finde ich allerdings auch, dass ein aufwändig geschnitzter Stuhl aus eben diesem Holz und mit erster Polsterung seinen Weg zurück dahin fand, wo er einst entstanden war…in den Kölner Dom.
Dieser Stuhl befand sich im Familienbesitz einer alten Dame, die ihn schließlich dem Kölner Dom schenkte, nachdem er sie auf vielen Stationen, wie z. B. Singapur und zuletzt Spanien begleitet hatte.
So ist der alte Kran zwar nicht mehr da…aber das, was aus ihm wurde – oder zumindest ein Teil davon – bleibt unserem Dom, der seit nunmehr fast 140 Jahren das Wahrzeichen Kölns ist… so doch erhalten.

Bis bald, eure Ramona

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