Unser Niehler Dömchen

Nun, seit kurzer Zeit wohne ich ja jetzt in Niehl, und ich darf sagen, ich fühle mich hier sehr wohl. Und zum Wohlfühlen in einem Veedel gehören ja auch immer ein paar „besondere“ Orte. Die Wohnung, klar, der Nordpark, mein zweites Wohnzimmer das Gaffel im Linkewitz mit seinen wunderbaren Menschen dort, der Rhein. Und dann gibt es noch einen Platz, an den es mich immer wieder zieht, der mich fasziniert, egal ob morgens, oder abends wenn er so wunderbar beleuchtet ist. Der kleine Niehler Dom, die kleinste der kleinen romanischen Kirchen, oder besser Alt-St. Katharina, wie die Kirche ja eigentlich heißt.71801609_620600735011907_3892827652649648128_n

Ich mag es, den Niehler Kirchweg entlangzugehen. Er heißt übrigens so, weil das Niehler Dömchen lange Zeit die einzige Pfarrkirche in der näheren Umgebung war und die Leute sogar aus Nippes hierher „pilgerten“. Dies wiederum zeigt die Bedeutung des damaligen kleinen Fischerdorfes. Es gibt hier ganz wunderbare alte Geschichten, unter anderem von einem Fährbetrieb, den es hier mal gab. Ich werde garantiert noch darüber berichten.

Gerne gehe ich am Niehler Damm spazieren, dann kurz vor dem Kreisel taucht Alt-Katharina auf der linken Seite in meinem Sichtfeld auf. Direkt, etwas erhöht, am Rhein gelegen. Es wird behauptet, hier hätte früher ein römischer Wachtturm gestanden, deshalb diese Erhöhung. Bewiesen ist das allerdings nicht. Aber zurück zur Kirche. Herrlich sieht sie aus. Die Mauer wurde gebaut, nachdem es 1780 und 1784 heftige Hochwasser gab und unser Dömchen besser geschützt werden musste. Auf dieser Mauer wacht der hl. Johannes von Nepomuk. Dieser wurde natürlich restauriert, stammt er doch aus dem Jahr 1747. Damals gab es einen Eisbrecher an der südöstlichen Ecke, und auf diesem wachte er.71822890_620600808345233_3648918972465676288_n

Hinter dieser Mauer befand sich der Niehler Kirchhof, hier wurden bis 1868 die Verstorbenen der Gemeinde beigesetzt. Die Familiengrabstätte des Bürgermeisters Denhoven ist bis heute erhalten und erinnert daran. Links daneben an der Kirchenwand sehen wir eine Tafel, die Franz Carl Joseph von Hillesheim gewidmet ist. Über ihn werde ich demnächst einen eigenen Artikel veröffentlichen.

Alt St. Katharina gehört zu den kleinen romanischen Kölner Kirchen, ist die kleine Schwester unseres Domes. Damals, zur Zeit ihrer Errichtung im 12. Jahrhundert gehörte sie zum Kunibertsstift, dies ist schriftlich belegt. In einer Urkunde des Propstes Kuno von St. Kunibert aus dem Jahre 1236 steht es niedergeschrieben. 1260 wurde sie der hl. Katharina geweiht. Es gibt aber auch ein Schriftstück aus dem Jahre 1080, in dem das Stift St. Kunibert berechtigt wurde, aus Niehl Abgaben einzuziehen. So ist es sehr wahrscheinlich, dass also bereits zu dieser Zeit Kirchenmänner in Niehl waren.72687221_617869845284996_1466198751344328704_n

Im Laufe der Zeit gab es einige bauliche Veränderungen, damals als dreischiffige Kirche mit Westturm erbaut, wurde im 13. Jahrhundert das südliche Seitenschiff abgerissen, dafür im östlichen Bereich ein gotisches Mittelschiff mit Chorhaus gebaut. Dann 1894 wieder ein Umbau. An der Nordseite wurde ein Seitenschiff aufgebaut, dazu wurden die alten Fundamente der Kirche genutzt. 1977 wurden zwei Glocken eingebaut, obwohl die Kirche keine Pfarrkirche mehr war.

Wenn wir einen Blick in diese herrliche kleine Kirche werfen, können wir einiges entdecken. So sehen wir die gekrönte Madonna, entstanden im 16. Jahrhundert. Sehr hübsch ist auch die Kanzel mit dem Bild der hl. Katharina und der Jahreszahl 1622.71801609_620600735011907_3892827652649648128_n

Schauen wir uns die Fenster an, stellen wir fest, dass sie neueren Datums sind. Die Chorfenster wurden 1978 von Professor Pieper entworfen. Die Heiligendarstellungen, die das Fenster zeigt, sind sehr gut gelungen und schön anzusehen.

Die Orgel wurde 1982 gebaut und befindet sich im linken Teil der Kirche. Einige sehr alte Gegenstände aus Alt St. Katharina zieren heute die neuere Kirche, den Nachfolger.

Neu St. Katharina steht etwas weiter südlich mitten in Niehl, einfach die Sebastianstraße, die übrigens, mit leicht veränderter Wegeführung ein Teil der alten Römerstraße ist, die nach Neuss führte, entlanggehen, dann stößt man automatisch auf Neu St. Katharina. Der hl. Sebastian ist der zweite Patron Alt St. Katharinas und Namensgeber der Sebastianstraße. Überhaupt lohnt sich ein Spaziergang, gerade durch den älteren Teil des Veedels, denn es ist sehr schön hier.

Wer Neu-St. Katharina besucht, kann dort den Taufstein sehen, der früher einmal hier im Dömchen stand. Auch das Abendmahlsrelief aus dem Jahre 1430 und die Holzskulptur des hl. Sebastian aus dem 17 Jahrhundert stammen aus Alt St. Katharina.71958270_617869771951670_5991806542758805504_n

Überhaupt, Neu St. Katharina, nach und nach wuchs Köln immer weiter und irgendwann war das Niehler Dömchen einfach zu klein, so wurde 1892 der Grundstein für diese neue, größere Kirche gelegt. Zwei Jahre später konnte Neu St. Katharina seiner Bestimmung übergeben werden.

Da Alt St. Katharina nicht mehr durchgehend betreten werden kann, empfehle ich vor dem Besuch einen Blick auf die Seite: https://gemeinden.erzbistum-koeln.de/…/ki…/alt_st_katharina/

Ich kann euch einen Besuch hier nur ans Herz legen. Es lohnt sich.

Euer Ronald

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.