Em ahle Kohberg

Im rechtsrheinischen Merheim liegt ein altes Gasthaus, dessen Ursprung bis 1665 zurückgeht. Gesichert ist, es ist das älteste Gasthaus im rechtsrheinischen Köln. Die Rede ist vom Restaurant „Em Ahle Kohberg“.

Die Einen sagen, es wurde benannt nach einer Textzeile in einem Willy Ostermann Lied: „Wenn der Franz mit dem Nies nohm ahle Kohberg ging“. Gemeint war damit aber ursprünglich ein Tanzschuppen auf der anderen Rheinseite. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, es gab ja früher auch ein Merheim auf der linksrheinischen Seite. Dieses wurde 1952 in Weidenpesch umbenannt.

Die Anderen sagen, dem Namen verdankt es dem am Merheimer Dorfanger stattfindenden großen und überregional bekanntem Viehmarkt. Die Dorfweide war wohl etwas erhöht, was den Namen Kohberg kreierte.IMG_20190927_105221

Nun, vielleicht ist es ja eine gelungene Mischung von beidem. Köln braucht halt seine Geschichten, ob nun links-oder rechts vom Rhein.

Jedenfalls war der damalige Wirt clever und so wurde dieses Lokal eine Legende, die in den letzten Jahren immer mal wieder seine Besitzer wechselte. Teilweise nicht immer zur Freude der Bevölkerung, denn je gehobener die Lokalität wurde, desto uninteressanter wurde sie für die Ortsvereine.

Mittlerweile ist nach mehreren Jahren Stillstand ein neuer Wirt am Zapfhahn und die Mischung wird wieder stimmiger. Vor allem die Oktoberfest Wochen sind preislich wieder auf dem Niveau für „Otto Normal Bürger“.IMG_20190927_104959

Übersetzt bedeutet „Em ahle Kohberg“ „I’m alten Kuhberg“. Die Kuh befindet sich als Hingucker im Schild über dem Eingang. (Foto) Auch im Lokal befinden sich Kuhzeichnungen, schmunzelnderweise auch im Toilettenbereich, wo man den kleinen aber feinen Unterschied erkennen sollte.

Erbaut wurde das unter Denkmalschutz stehende Gasthaus,
in der Fachwerkbauweise, die damals im Bergischen Land gebräuchlich war. Daran erkennt man wie nah dieser Teil Kölns am Bergischen liegt. Vor mehr als 340 Jahren gehörte Merheim auch nicht zu Köln, so wie viele andere Stadtteile, die alle erst viel später ein Großes Ganzes bildeten. Es wurde erst am 1.4.1914 in Köln eingemeindet
Merheim war früher recht dörflich und ist es in der Ecke, wo sozusagen „Alt Merheim“ liegt, immer noch. Ich denke jedesmal ich bin in Urlaub, wenn ich mich in diesem Teil Merheims befinde.

So ist eine Einkehr im Biergarten des Ahle Kohberg mehr mit Urlaubsfeeling verbunden, als mit dem Gefühl in einer Kölner Traditionsgaststätte zu sein.
Vor allem wenn dem noch ein Spaziergang rund um St. Gereon vorangegangenen ist. Historisch gesehen ist es nämlich genau dieses Veedel, welches einen großen Teil der ehemaligen Merheimer Geschichte beheimatet. So findet man in unmittelbarer Nähe viele unter Denkmalschutz stehende Bauten, alte Grabkreuze, Wegkreuze, Ehrenmal, Fronhof usw… (Bitte werfen Sie doch mal einen Blick in die Denkmalliste der Stadt Köln, unter dem Stichwort: Merheim)

Der Ahle Kohberg wurde in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts restauriert und bekam dafür 1980 unter dem Architekten Christian Schaller sogar den Kölner Architekturpreis.

Früher war er der zentrale Punkt dörflichen Lebens. Vor allem im Winter, wenn sich das Merheimer Bruch in eine Freilauffläche für Eisläufer wandelte. So manch einer kehrte dann zum Kaffee in den „Ahle Kohberg „ein. Innen bleiben die 2 Gasträume im dunklen Holz, wie schon Jahrhunderte vorher.
Die Blütezeit hat er heute leider hinter sich, dennoch lohnt sich der Besuch in dieser historischen Ecke Merheims und wenn man schon mal dort ist, sollte man auch das älteste rechtsrheinische Kölsche Lokal besuchen. Genauso wie die barocken und klassizistischen Bauten im historischen Kern, die in dieser Kombination einmalig im Kölner Stadtgebiet sind.

Euch allen einen schönen Sonntag,

Eure Elisabeth

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