Ein Apfel für das Jesuskind

Wenn ich an Köln denke, denke ich zuerst – natürlich – an „meinen“ Dom. Köln und der Dom sind einfach untrennbar miteinander verbunden und beide haben mich schon bei meinem ersten Besuch in ihren Bann gezogen…und nie wieder losgelassen…

Und doch stehen in seinem Schatten zwölf romanische Kirchen innerhalb der ehemaligen Stadtmauer Kölns, die ebenfalls ihre Geschichten zu erzählen haben. So wie St. Maria im Kapitol. Kapitol deshalb, weil sie, zumindest zum Teil, auf Steinblöcken des römischen Haupttempels errichtet wurde.

Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach zerstört durch Brand und Krieg und doch immer wieder aufgebaut. Sie war lange Zeit die bedeutendste Kirche Kölns (also nach dem Dom natürlich), zelebrierte doch der Erzbischof die erste Weihnachtsmesse immer in St. Maria im Kapitol, die zweite in St. Caecilien und die dritte schließlich im Dom. Auch der Rat zog am Dreikönigstag in der Prozession, in der die heiligen drei Könige geehrt wurden, von St. Maria im Kapitol zum Dom.
Gab es Sturm oder Feuer in der Stadt…hier wurde die Glocke, auch Bramglocke genannt, geläutet.

Es ranken sich einige Legenden um diese Kirche, und von einer möchte ich euch erzählen.

Wenn man sich wundert, dass man bei der Marienstatue, die sich in der Kirche befindet, immer wieder frische Äpfel vorfindet, so hat das nicht seinen Grund darin, dass die Besucher der Gottesdienste stets gut versorgt sein sollen, sondern diese Tradition geht auf die sogenannte „Apfellegende“ des heiligen Herman Joseph zurück, der vor ca. 900 Jahren als Kind jeden Tag in diese Kirche kam. Man sagt, er hatte schon von klein auf eine besondere Verbindung zu Maria und ihrem Kind. So bot er ihr eines Tages einen Apfel für das Kind an. Die Gottesmutter beugte sich zu ihm herunter und nahm sein Geschenk an.

Es kam die Zeit, da Hermann Joseph’s Eltern das nötige Schulgeld für ihn nicht mehr aufbringen konnten. Als er wieder zur Kirche kam, wurde ihm von Maria zum Dank für sein Geschenk eine Stelle offenbart, an dem er wertvolle Münzen fand. So konnte er weiter zur Schule gehen und auch seine Eltern hatten keine Sorgen mehr…

Diese Legende hält sich bis heute, denn nach wie vor werden noch heute an dieser Stelle Äpfel abgelegt.

Neben den Legenden gibt es aber noch mehr, was heute fasziniert.
Sehenswert neben der heute noch aus dem
elften Jahrhundert erhaltenen, ca. fünf Meter hohen, mit Reliefs verzierten Holztür, die es so im gesamten mitteleuropäischen Raum nicht mehr zu finden gibt, sind die Knochen eines eiszeitlichen Grönlandwals, der sich vermutlich in einem Rheinarm verirrte und dort verendete. Ein Wal im Rhein? Groß und breit ist der Fluss ja, aber…und doch…tatsächlich ereignete sich ein solcher Vorfall im Jahre 1966 noch einmal. Bereits vor Jahrhunderten gefunden, hängen die Knochen an einer Kette über einem Beichtstuhl. Bekannt sind sie in Köln als „Zint Märjensrepp“ (Rippe der heiligen Maria).

Auch wenn für mich mein „Bahnhofskapellchen“ nach wie vor das schönste, mystischste und bedeutendste Bauwerk ist und immer bleiben wird…die romanischen Kirchen Kölns sind es wert, auch ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Lasst euch auf eine Reise in die Vergangenheit entführen, wenn ihr sie besucht…

Eure Ramona

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