Aureum thalamum

Legenden und Kirchen, Heilige und Stadtpatrone. Wenn es in Köln vielleicht auch an einigem mangelt, an diesen sicher nicht und auch das ist ein großer Teil dessen, was diese Stadt so einzigartig macht.

Ich möchte euch heute an einen Ort mitnehmen, der, von außen, eher unspektakulär wirkt und auch von Touristen wohl nicht so viel frequentiert wird. Ich vermute die Lage als Grund dessen. Dabei könnte dieser Ort und besonders das, was mich dort erwartet, nicht geschichtsträchtiger sein.70988830_609933042745343_1527823530517856256_n

Nun könnte ich mit „es war einmal“ beginnen. Fangen so nicht alle Märchen an? Und schließlich geht es ja hier um eine Prinzessin. Aber um dieser nun einen Namen zu geben: Ursula. Ich denke, spätestens jetzt wißt ihr, wo ich mich befinde…St. Ursula. Im Jahre 1135 als Emporenbasilika erbaut, der Chor wurde aber erst 1287 in gotischer Form vollendet.

Nach der Legende aus dem Mittelalter, denn wirkliche historisch belegbare Quellen scheint es nicht zu geben, die die Existenz der Königstochter aus der Bretagne beweisen, lebte Ursula im vierten Jahrhundert nach Christus. Sie sollte Aetherius heiraten, dessen Vater, König von England, aber dem Heidentum zugetan war. Sie war keineswegs abgeneigt und willigte ein, allerdings musste der Prinz drei Bedingungen erfüllen. Da Ursula strenggläubige Christin war, sollte Aetherius sich taufen lassen. Ihr sollten weitere Jungfrauen zur Seite gestellt werden, zehn, um genau zu sein, denn die Legende spricht vorerst von elf Jungfrauen und ihnen sollten Schiffe zur Verfügung gestellt werden um dann eine gemeinsame Wallfahrt nach Rom unternehmen zu können. Für all das verlangte sie drei Jahre Zeit. Nur dann, wenn all dies erfüllt war, wollte sie den Prinzen zum Mann nehmen.70526726_609933012745346_609589175087267840_n

Die Zeit verging…und als Ursula und ihre Gefährtinnen auf der Heimreise von ihrer Pilgerfahrt in Köln anlegten, wurden sie, von den gerade die Stadt belagernden Hunnen getötet. Im Traum soll Ursula kurz zuvor von ihrem bevorstehenden Martyrium erfahren haben. Die Jungfrauen starben für ihren Glauben…

Verlassen wir diese Szene und gehen ein paar Jahrhunderte weiter, denn erst im zehnten Jahrhundert tauchte dann der Name Ursula überhaupt zum ersten Mal in den Erzählungen auf. In der Nähe des damaligen Gotteshauses, welches den Märtyrerinnen geweiht war, fand man einen, ursprünglich im fünften Jahrhundert dort aufgestellten Grabstein, welcher eine Inschrift aufwies, dass dort ein knapp über acht Jahre altes Mädchen namens Ursula läge. Hier stellt sich mir allerdings die Frage, wie ein achtjähriges Kind in der Lage gewesen sein soll, per Schiff auf Pilgerreise zu gehen. Dennoch scheint die Legendenerzählung hier ihren Anfang zu nehmen.70635451_609933096078671_5573403125273853952_n

Im zwölften Jahrhundert wurde neben der Kirche, nun St. Ursula, ein großes Gräberfeld entdeckt, während an einer neuen Stadtmauer gearbeitet wurde. Den Menschen dort kam damals nur eine einzige Erklärung in den Sinn. Dort müssen die heiligen Jungfrauen begraben sein. Mit all jenen, die zu dieser Zeit von den Hunnen niedergemetzelt wurden.

Nun war es so, dass sich mit solchen Reliquien, oder wie es ja gerne ausgedrückt wird, Knöchelchen, viel Geld verdienen ließ, und so wurden aus den ursprünglich elf Jungfrauen mal eben elftausend. Eine andere Überlieferung besagt jedoch, dass die Zahl elftausend schlicht ein Lesefehler war. Wandalbert von Prüm, seines Zeichens Benediktinermönch und Dichter, berichtete bereits im neunten Jahrhundert über mehrere tausende getötete Heilige. Wie es wirklich war…ich vermute, das wird auf ewig ein Geheimnis bleiben.70834993_609936482744999_2491681352143863808_n

Was allerdings kein Geheimnis ist, wird mir in der „Aureum thalamum“ offenbart. In der goldenen Kammer der Basilika St. Ursula. Hier drin umgibt mich die schaurig-schöne Geschichte des Mittelalters. Eben erwähntes Gräberfeld begegnet mir hier wieder. In Regalschränken finden sich zahlreiche Totenschädel. Die Wände sind übersäht mit Gebeinen, aus denen zum Teil sogar Worte geformt wurden. Und die Echtheit dieser Gebeine ist, so wie ich gelesen habe, belegt.
Die Stimmung, die hier herrscht, kann ich nicht beschreiben und auch Bilder geben diese nicht wieder. Die Frage, ob Legende oder Wahrheit, stellt sich mir hier nicht, viel zu faszinierend und gleichzeitig erschreckend ist der Anblick.

Auf die Kirche an sich möchte ich jetzt an dieser Stelle nur kurz eingehen. In der Chorhalle befinden sich unter den elf (!) Fenstern Hohlräume, die ebenfalls mit Reliquien gefüllt sind. Und falls ihr euch, wenn ihr schon einmal diese Basilika besucht habt, fragen solltet, warum dort in den Wänden reihum Gitter angebracht sind…dahinter befinden sich Nischen, die Reliquienschädel beherbergen. Auf den darunter angebrachten Bildern ist das Leben der heiligen Ursula, die ja auch Stadtpatronin der Stadt Köln ist, in Zyklusform dargestellt. Auf dem Altar befinden sich der Ursulaschrein und der Aetheriusschrein. Und jetzt mal an die Romantiker unter uns…kann ich mit dem Menschen, den ich liebe, nach dem Tod auf schönere Weise vereint sein?

Mit diesem Gedanken schließe ich nun. Ich habe für mich wieder ein Stück Kölner Stadtgeschichte erschließen können und hoffe, euch hat mein kleiner Ausflug mit euch in die Vergangenheit gefallen.

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