Die Legende von St. Kunibert

Mit Geschwistern ist das ja so eine Sache. Ich selbst habe keine, aber man bekommt ja das ein oder andere so mit. Die einen lieben sie, die anderen würden am liebsten regelmäßig den Klapperstorch mit Steinen bewerfen. Im übertragenen Sinne natürlich. Obwohl – klar, wo die Kinder herkommen, ist hinreichend erklärt und jedem bekannt, aber es gibt in Köln, was das Kinderkriegen betrifft, einen ganz besonderen Ort, von dem ich euch erzählen möchte, nämlich den Kunibertspütz.
Aber was hat es nun damit auf sich?

Wir wissen ja…in Köln ist so einiges anders… Und entgegen den Erzählungen, der Storch würde die Kinder bringen, ist selbst das hier anders. Hier kommen diese nämlich nicht von oben per Luftfracht, sondern von unten. Um genau zu sein, aus 17 Metern Tiefe. Der Legende nach spielen die ungeborenen Kinder dort im Brunnen (Kunibertspütz) schon monatelang mit der Mutter Gottes. Dort ist es wunderschön… nicht dunkel oder feucht, wie ein Brunnen nun vermuten lassen würde. Die Kinder werden gefüttert und umsorgt, bis ihre Mütter, also die zukünftigen, zu eben diesem Brunnen kommen und sie „abholen“. Auch unfruchtbare Frauen haben hier, nach dem Genuss eines Bechers des Brunnenwassers in einer Vollmondnacht, bald Nachwuchs zu erwarten. Paaren, die bislang kinderlos geblieben sind, wird noch heute von wissenden Kölnern geraten, einmal im Kunibertspütz nachzusehen.

Wo aber finden wir diesen sagenumwobenen Ort? In der Krypta von St. Kunibert, unter dem Chorraum (in diesem, vor dem Hochaltar findet sich übrigens eine Schieferplatte mit der Darstellung des Kindersegens).

Diese Kirche ist die jüngste der 12 großen romanischen Kirchen in Köln. Vollendet wurde sie 1247, im Jahr vor der Grundsteinlegung unseres Domes. Jung ist also hier relativ zu verstehen, es ist schlicht die zuletzt gebaute nach St. Aposteln und St. Gereon.
Die Legende vom Kunibertspütz aber geht laut Historikern auf eine viel frühere Zeit, als die der Geschichte von St. Kunibert zurück. Es wird davon ausgegangen, dass der Vorgängerbau der heutigen Kirche dem heiligen Clemens (1. Jahrhundert n. Chr.) gewidmet war, der als Schutzpatron der Seeleute und gegen Wassergefahren gilt und eben aus diesem Grund über dem Brunnen mit dem besonderen, kindersegenbringenden Wasser errichtet wurde.

Wann mit dem Bau der heutigen Basilika begonnen wurde, weiß man nicht genau. Die Anfänge reichen bis ins 7. Jahrhundert, als der Kölner Bischof Kunibert eine Grabkapelle über einem Brunnen errichten ließ, welche dem Papst Clemens geweiht war. In der Geschichte wird im 9. Jahrhundert erstmals ein Stift erwähnt, welches den Namen des heiligen Kuniberts trug.

Erzbischof Theoderich von Trier, ehemaliger Propst dieses Stifts, legte dann den Grundstein. Die ersten Reliquien wurden 1222 im fertiggestellten Chor untergebracht und nach der Vollendung 1247 wurde St. Kunibert geweiht.

Aber auch diese Kirche wurde, wie viele andere auch, nicht von Katastrophen verschont. Das Jahrtausendhochwasser im Februar 1784 richtete große Schäden an, der Einsturz des Westturms folgte am 28. April 1830, wobei große Teile der Kirche zerstört wurden und dann wurde 1945 im 2. Weltkrieg wieder alles vernichtet. Erst seit 1992 sieht St. Kunibert wieder aus, wie ursprünglich erbaut.

Ihr seht, Köln ist voller Legenden, Geschichten und Geheimnissen.
Und wie beim Kunibertspütz auch: es lohnt sich, etwas tiefer zu schauen. Aber Vorsicht beim Brunnen…ihr wisst ja…

Bis bald
eure Ramona

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