Die Mülheimia – stolze Wächterin über Mülheim

Einst war sie die Wächterin ihrer Stadt, lange her, längst gehört Mülheim zu Köln. Und es hat sich wohl viel verändert seitdem. Als ich am Wiener Platz aus der Bahn steige und auf eben diesen Platz komme, ist für mich erstmal nicht viel Hübsches zu entdecken, laut, geschäftig, teils auch etwas schmuddelig ist es hier. Einer von vielen Plätzen in Köln, die keinerlei Ausstrahlung auf mich ausüben. Aber dies ist meine Meinung. Veedelsbewohner mögen das anders sehen, und das ist auch gut so.

Ich will heute aber ein wenig „altes“ Mülheim schnuppern. Ich werde mir einen Brunnen anschauen, wie schon so oft, aber heute freue ich mich ganz besonders darauf. Denn dieser Brunnen soll nicht nur hübsch sein, nein, er hat auch eine lange Geschichte. Und sowas liebe ich ja, die alten Geschichten unserer Stadt.

Also, auf geht’s. Ich bewege mich weg vom Lärm des „modernen“ Mülheims, gehe in Richtung Rhein. Schon nach kurzer Zeit wird es deutlich ruhiger, ich nähere mich dem ursprünglichen Mülheim. Die Straßen werden schmaler, alles wird etwas enger, je näher ich dem Rhein komme. Hier ist es auch beschaulicher und es gefällt mir hier gut. Dann biege ich rechts ab und auf einmal sehe ich sie, die Mülheimia. An der Mülheimer Freiheit steht sie und schaut auf ihr Mülheim herab, und das bereits seit 1884, denn in dem Jahr wurde sie geschaffen. Aus Sandstein.69364938_597791210626193_105099765288534016_n

Lange vor dem Bau des Brunnens war Mülheim nach dem schlimmsten Rheinhochwasser im Jahre 1784 fast komplett ausgelöscht worden. Aber die Bewohner bauten es wieder auf und binnen eines Jahrhunderts war Mülheim wieder ein florierender Handelsstandort, wie auch das auf der anderen Rheinseite liegende Köln. Und eben genau einhundert Jahre nach der schlimmen Katastrophe kam der Mülheimer Bernhard Clostermann, übrigens der letzte Bürgermeister der Stadt Mülheim am Rhein, auf die Idee, einen Stadtbrunnen bauen zu lassen. Die Menschen waren begeistert von der Idee und so wurde der Bildhauer Wilhelm Albermann mit der Planung des Brunnens beauftragt. Übrigens stammt auch der ebenfalls 1884 geschaffene Jan-van-Werth Brunnen von ihm.69687135_597791370626177_8281331450796572672_n

Ich stelle mich in den Schatten eines Hauses und betrachte den Brunnen eine ganze Weile. Hübsch ist er, würdevoll, überraschend groß, etwa 10 Meter hoch. Mülheimia, das hört sich schon so erhaben und prachtvoll an. Er gefällt mir sofort, ja, er begeistert mich, genau die Art von Brunnen, die ich so mag. Und hier plätschert sogar Wasser, erlebe ich auch noch lange nicht bei jedem Brunnen. Aber schauen wir ihn doch einmal genauer an.69479479_597791300626184_1530691713973092352_n

Unten wurde ein dreipassförmiges Becken angelegt. In der Mitte erhebt sich der recht schlank gehaltene Brunnenstock. Um den Brunnenstock sind drei halbrunde Schalen angelegt, die auf verzierten Säulen platziert sind. Aber zurück zur Hauptsäule, da gibt es nämlich einiges zu bewundern. So sehen wir mittig drei Jungen, in mittelalterliche Gewänder gekleidet, aber da stehen nicht nur einfach drei Burschen, sondern diese Figuren sagen etwas aus. Sie stellen die zur damaligen Zeit wichtigsten Erwerbsquellen der Stadt Mülheim dar, denn zur Zeit der Entstehung dieses Brunnens war Mülheim noch eine freie Stadt.69401331_597791413959506_368731343317630976_n

Wir sehen eine Sense und Korn, dies steht für die Landwirtschaft, beim zweiten Burschen entdecken wir Zahnrad und Kabelrolle für die Industrie und der dritte zeigt ein Paket und ein Buch und steht damit für den Handel. All das war damals sehr wichtig für die Stadt und damit für das Überleben der Mülheimer.

Über den Figuren sehen wir drei Muscheln, und darauf einen Sockel, der dann die Hauptfigur des Brunnens, die Stadtgöttin in ganzer Pracht trägt. Es gibt an diesem Brunnen so viele hübsche Details und funktionierende Wasserspeier zu entdecken, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Nehmt euch die Zeit und schaut euch diesen herrlichen Brunnen selbst an. Es lohnt sich absolut.

Mülheimia, stolz steht sie da, ebenfalls in mittelalterliches Gewand gehüllt, in der linken Hand ein Schild mit dem Mülheimer Wappen. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone. Sie verkörpert den Stolz der Stadt Mülheim. Sie ist die Stadtbeschützerin wie auch am Schild bereits gezeigt wird. Die rechte Hand der Mülheimia ist beruhigend oder segnend, je nach eigener Empfindung herausgestellt.69697128_597791533959494_2711308314460815360_n

Als ich weiter in Richtung Rhein hinunter gehe, drehe ich mich noch einmal um.

Die Mülheimia wacht über Mülheim, sie hat alles überstanden, Krieg, viele weitere, wenn auch nicht mehr so furchtbare Hochwasser, die Eingemeindung zu Köln und Autofahrer, die hier direkt vor dem Brunnen nicht die Kurve kriegen und „nähere Bekanntschaft“ mit der Mülheimer Stadtgöttin machten.

Mülheimia, für mich bist du einer der schönsten Brunnen in unserer Stadt.

Habt eine gute Zeit und viel Spaß beim Entdecken der vielen kleinen und großen Dinge, die unsere Stadt zu bieten hat.

Euer Ronald

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