Kardinal Frings – Der rheinische Kardinal

Es gibt ja Beiträge, die machen richtig viel Arbeit, man tut sich schwer mit dem Thema und irgendwie bleibt die ganze Zeit das Gefühl, der Beitrag wird irgendwie nicht „rund“, wie wir immer sagen. Und dann gibt es Themen, da läuft es wie von selbst, man ist sofort im Thema und das einzige Problem ist die Länge des Beitrages, denn man könnte schreiben, schreiben, schreiben…

Dies ist so ein Beitrag, der mir selbst unwahrscheinlich viel Freude gemacht hat, die Recherchearbeit war ein einziges Vergnügen und nach der Fertigstellung des Beitrages konnte ich mich gar nicht mehr von diesem Thema lösen. Er hatte mich längst in den Bann gezogen, der Frings. Und vielleicht geht es euch ja auch so.

Josef Frings empfing am 10. August 1910 in Köln durch Weihbischof Joseph Müller das Sakrament der Priesterweihe. Er war zunächst bis 1913 als Kaplan in Köln-Zollstock tätig. Von 1915 bis 1922 war er Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Köln-Fühlingen und von 1924 bis 1937 Pfarrer an St. Joseph in Köln-Braunsfeld.

Das Amt des Erzbischofs von Köln, in das er am 1. Mai 1942 überraschend berufen wurde, bekleidete Josef Frings von 1942 bis 1969. Sein Wappenspruch lautete: Pro hominibus constitutus (lat.: „Für die Menschen bestellt“).
1958 war er Initiator und Mitbegründer des Hilfswerks Misereor. Auch das Hilfswerk Adveniat geht 1961 auf seine öffentliche Anregung zurück.
Im Jahre 1967 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt.

Berühmt wurde Kardinal Frings durch seine Silvesterpredigt, die er am 31.12.1946 in der Kirche St. Engelbert in Köln – Riehl hielt. Zu dieser Zeit war die Versorgungslage in der Domstadt katastrophal und die durchfahrenden Kohlenzüge wurden regelmäßig geplündert. In seiner Predigt sagte er folgenden Satz, der in die Geschichte eingehen sollte:

„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

Damit war für das „Beschaffen“ von Lebensmitteln und Heizmitteln für den Eigenbedarf in größter Not durch Stehlen oder Unterschlagen ein Wort geboren, das man hier im Rheinland bis heute kennt, das

„fringsen“.

Die große Popularität des stets in rheinischer Dialektfärbung sprechenden Kardinals schlug sich in zahlreichen Anekdoten nieder. Beispiele gefällig?

Zusammen mit dem Bischof von Münster, Graf von Galen, reiste Frings im Winter 1946 nach Rom zur Kardinalserhebung. Das englische Militärflugzeug konnte wegen widrigen Wetters nicht starten, deshalb wurden sie zunächst von britischen Soldaten im Auto gefahren, bevor es dann mit dem Zug weiterging. Nachdem man mehrfach im Schlamm der schlechten Straßen steckengeblieben war, zwischendurch im Auto übernachtet hatte und dann der geplante Zug ab Karlsruhe ausfiel, sagte Frings entnervt zu dem begleitenden Offizier: „Herr General, ich kann leben, ohne Kardinal zu sein. Ich bitte Sie, bringen Sie mich nach Köln zurück.“ Das machte Eindruck, plötzlich ging alles besser.

Einmal auf sein schlechtes Augenlicht angesprochen, soll Frings in Kölsch geantwortet haben: „Jot lure kann isch schläch, ävver schläch hüre, dat kann isch jot.“ („Gut sehen kann ich schlecht, aber schlecht hören, das kann ich gut“).

Ein andermal zog er als Kardinal ins Essener Münster ein und flüsterte dem jungen Bischof süffisant zu „was für ein nettes Kathedrälchen!“, vielleicht dachte er da gerade an „seinen“ Dom.

1961, es war Gründonnerstag und innerhalb der Liturgie hatte er gerade 12 alten Männern die Füße gewaschen, seufzte der Kardinal: „Im Himmel haben wir es gut. Dort brauchen wir uns nicht mehr zu waschen!“

Eigentlich war es üblich, dass die Gläubigen niederknieten, wenn der Kardinal den Dom verließ, außer an Karfreitag. Da viele trotzdem niederknieten, winkte Kardinal Frings ab: „Heute gibts nichts. Ich darf nicht.“

Auf ein Lob, er habe zu Ehren der englischen Königin eine sehr gute Rede in perfektem Englisch gehalten, sagte der Kardinal: „Das will ich meinen, schließlich hat ein Professor die Rede aufgesetzt und der englische Botschafter hat sie mir danach auf Band gesprochen. Ich habe sie dann nur noch auswendig gelernt.“

Es gibt noch viele Anekdoten dieses äußerst beliebten Kardinals, der schon sehr früh den Wunsch hegte, ein einfacher „Leutepriester“ zu werden. Eben ein Priester für die Menschen.
Dies ist ihm zweifellos gelungen, denn er lebt bis heute in den Herzen der Menschen weiter.

Frings starb am 17. Dezember 1978 mit 91 Jahren. Er wurde in der erzbischöflichen Gruft im Kölner Dom beigesetzt.

Der „rheinische Kardinal“. Unvergessen.

Habt einen schönen Tag,

euer Ronald

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