St. Peter bin ich genannt

So lautet die erste Zeile des bekanntesten Spruchs auf der St. Petersglocke, die die Kölner liebevoll „dicker Pitter“ nennen. Noch ist sie mit einem Gewicht von über 24 Tonnen die größte freischwingend geläutete Glocke der Welt, das heißt, sie wird am geraden Joch aufgehängt geläutet. Abgelöst wurde dieser Rekord von einer 2016 gegossenen und über 25 Tonnen schweren, ebenfalls freischwingenden Glocke, die in der „Kathedrale der Erlösung des Volkes“ in Bukarest ihren Platz hat.
Ihre Faszination verliert unser dicker Pitter dadurch für uns natürlich nicht. Schließlich ist er die Glocke Nr. 1 im Domgeläut des Kölner Domes.

Die St. Petersglocke hatte allerdings eine Vorgängerin, die „Gloriosa“, auch „Kaiserglocke“ genannt. Mit einem Gewicht von 27.180 Kilogramm war sie sogar noch schwerer als die heutige. Im Jahr 1875 gegossen, wurde die „Gloriosa“ 1918 im ersten Weltkrieg wieder eingeschmolzen. Zum einen, da kriegswichtiges Material daraus hergestellt werden sollte, zum anderen passte wohl ihr Ton nicht zum restlichen Geläut.

Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister und Karl Joseph Kardinal Schulte sprachen sich dafür aus, dass es für die „Gloriosa“ einen Ersatz geben sollte. Nur wollte zuerst niemand die neue Glocke gießen. Vielen Glockengießern aus ganz Europa war das Risiko zu groß, schließlich war allen die misslungene „Gloriosa“ bekannt. Am 13. März 1922, nach Anforderung des Domkapitels, fand sich endlich Heinrich Ulrich, Glockengießermeister aus Apolda/Thüringen. Er war letztendlich bereit, den Auftrag zum Guss unserer St. Petersglocke anzunehmen und auszuführen, was gar nicht so einfach war, denn für die angeforderte Größe der Glocke musste zuerst ein neuer Schmelzofen gebaut werden, da der vorhandene die Menge an Metall gar nicht fassen konnte.

Mit der Fertigstellung kam dann ein neues Problem auf. Während der Inflation konnte der Papiergeldentwertung nicht gefolgt werden und auch mit Notgeld konnte das Domkapitel die Glocke nicht einlösen. Das Material für diese kostete damals über eine Million Mark und nach der Inflation fehlten immer noch 5.000 Dollar. Diese allerdings wurden dann von reichen Kölner Bürgern gespendet.

Nebenbei: Der Guss der St. Petersglocke dauerte gerade einmal 9 Minuten und 32 Sekunden. Und wie wir alle wissen, ist er diesmal gelungen.

Wer nun denkt, die Glocke wäre nun gleich nach Köln gekommen, der irrt. Weil die Auftraggeber Angst hatten, die Glocke könnte womöglich als Reparationsgut beschlagnahmt werden, blieb sie für anderthalb Jahre in der Gießerei. Erst im November 1924 wurde die Glocke auf dem Schienenweg nach Köln transportiert. Unter Glockengeläut mehrerer Kirchen und auch des Domes und feierlich geschmückt, legte sie am 24. November 1924 unter Begleitung von tausenden Menschen das letzte Stück Weg vom Rheinauhafen zum Dom auf einem Tieflader zurück. Am 30. November wurde sie vor ca. 20.000 Menschen von Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte geweiht.

Es dauerte mehrere Wochen, bis die Glocke an ihrem Platz im Glockenstuhl hing, der zuerst verstärkt werden musste, um das Gewicht tragen zu können. Um die 3,20 Meter hohe und 3,22 Meter breite Glocke überhaupt in den Dom zu bekommen, musste der Mittelpfeiler des Hauptportals entfernt werden, denn durch die anderen Türen passte sie nicht.

An Heiligabend sollte sie dann das erste mal erklingen. Aufgrund eines technischen Fehlers aber riss das Seil der Läutemaschine nach den ersten drei Schlägen. Es dauerte nun 10 Monate, bis zum 28. Oktober 1925, 12 Uhr mittags, als der dicke Pitter zum ersten Mal in der Stadt zu hören war. Im Laufe der Jahre folgten einige Reparaturen, unter anderem, als sich 2011 am Dreikönigstag der Klöppel aus der Aufhängung löste und auf die Wartungsebene des Glockenstuhls aufschlug. Am 2. Dezember des selben Jahres erst wurde der neue Klöppel befestigt und die Glocke am 7. Dezember das erste Mal wieder geläutet.

Einmal noch, im April 2017 wurde der Klöppel für einige Monate wegen Verbesserungsarbeiten abgebaut. Seither aber läutet er wieder für uns – der dicke Pitter. Lauschen wir den besonderen Klängen der Glocken des Kölner Domes.

bis bald, eure Ramona

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