August Bebel – der „Arbeiter-Kaiser“

Vor ein paar Tagen habe ich mal wieder einen Spaziergang durch Deutz unternommen, denn ich hatte in einem Buch einen Bericht über August Bebel gelesen, und ja, irgendwo tief im Hinterstübchen regte sich etwas. Der Name war mir nicht unbekannt, aber ich hätte jetzt nichts groß über ihn erzählen können. Also begab ich mich auf Spurensuche, und diese Spuren führten mich eben nach Deutz, denn hier in Deutz wurde er am 22.02.1840 geboren.
Er war ein Deutzer Kind, und damit uns Kölschgängern eine Erinnerung wert.

Allerdings war dieser Beitrag von Anfang an eine große Herausforderung für mich. Erstens musste ich doch tatsächlich am Lommi vorbei gehen. VORBEIGEHEN, das war hart, dann fing es auch noch an zu regnen, ja danke auch, ich kann euer Mitleid fühlen. Aber ich musste in die Kasemattenstraße 8, um mein Foto zu machen. Dienst ist Dienst und…lassen wir das. Aber am Ende war alles gut, ich hatte mein Foto und war dann auch noch ganz kurz ein Päffgen trinken.

So, und jetzt sitze ich hier, schreibe meinen Beitrag über August Bebel, versuche ihn nicht zu trocken werden zu lassen und nicht zu sehr in die Politik zu gehen. Habe mir vorgenommen nur die Person zu beleuchten, einen kurzen Abriss zu schreiben. Also, los gehts.

August Bebel hatte es nicht leicht, der Vater früh verstorben, die Familie bettelarm, so war es ihm nicht möglich, weiterführende Schulen zu besuchen. Dies prägte ihn und so war die logische Folge, dass er sich später vehement für kostenfreie Schulbesuche einsetzte, um fairere Bedingungen zu schaffen. Er wanderte als Drechslergeselle durchs Land und kam so nach Leipzig, wo er schon in jungen Jahren sein Herz für die Politik entdeckte, später sollte ihn sein Weg nach Berlin führen.

Bebel trat 1861 in den liberalen Arbeiterbildungsverein ein, und führte diesen später sogar eine Zeit lang. 1866 gründete er mit Wilhelm Liebknecht die Sächsische Volkspartei und wurde durch deren Vertreter ein Jahr später in den Reichstag des norddeutschen Bundes gewählt. Auch an der 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei SDAP war er maßgeblich beteiligt. In der Zeit von 1878-1890 galt er als Mitbegründer und eine der Führungspersönlichkeiten der SPD und war viele Jahre Mitglied des Reichstages.

Er galt als der große Gegenspieler Otto von Bismarcks, denn Bebel verabscheute den Militarismus der damaligen Zeit und kämpfte immer wieder dagegen an. Dafür musste er teuer bezahlen, seine sozialdemokratische Parteiarbeit wurde lange verboten, er wurde schikaniert, saß 57 Monate seines Lebens im Gefängnis, Bismarck bekämpfte ihn mit allen Mitteln, aber am Ende zerbrach sein Reich dennoch.

Bebel war Drechsler von Beruf, Unternehmer, Redner, Bestsellerautor und natürlich Politiker. Er starb am 13.08 1913 in der Schweiz und wurde auf dem Züricher Zentralfriedhof beigesetzt. Kurze Zeit später brach der erste Weltkrieg aus, es sollte das Ende der alten Fürsten werden, Bebel hatte sie gewarnt und es ihnen vorausgesagt.

Zu den wichtigsten Schriften August Bebels zählen:
„Der deutsche Bauernkrieg“- sein erstes umfangreiches politisch-historisches Werk, das 1875 erschien,
„Die Frau und der Sozialismus“ – Bebels wichtigstes publizistisches Werk; es erschien 1879 illegal in Deutschland, wurde mehrfach ergänzt und umgearbeitet und war bis zur Jahrhundertwende eine der meistgelesenen marxistischen Schriften.
„Aus meinem Leben“ – eine zweibändige Biografie, an der er von 1909 bis 1913 arbeitete, war ebenfalls sehr erfolgreich.
Darüber hinaus erschienen im theoretischen Organ der Sozialdemokratie „Die Neue Zeit“ in der Zeit von 1883 bis 1907 etwa 100 Beiträge von August Bebel.

Und hier zum Schluss noch zwei Zitate von ihm, ohne zu werten, einfach, damit ihr ein besseres Bild von ihm bekommt.

„Sozialist sein, heißt keineswegs, bloß den Triumph einer bestimmten Partei vorbereiten, einen bestimmten Teil des Volkes einfach zur Macht zu bringen. Nein, es heißt arbeiten für eine Gesellschaftsordnung, in der alle aktiven Kräfte harmonisch verbunden werden und zu aller Nutzen zusammenwirken sollen“.

„Die Krise entsteht, weil kein Maßstab vorhanden ist, an dem sich das wirkliche Bedürfnis einer Ware jederzeit messen und übersehen lässt“.

Leider erinnert heute kaum etwas in unserer Stadt an August Bebel. Eine kleine Tafel in der Kasemattenstr. 8 an einer Hauswand, mehr habe ich bisher nicht von ihm gefunden. Deshalb möchte ich heute, mit diesem kleinen Beitrag an den Deutzer Jung erinnern.

Euch allen eine gute Zeit
euer Ronald

Wer mehr über August Bebel erfahren möchte, dem kann ich die Biographie „August Bebel – Kaiser der Arbeiter“ von Jürgen Schmidt empfehlen.

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