Flittard und die Nr. 50

Flittard, ein kleines rechtsrheinisches Örtchen, welches geographisch zu Köln Stammheim gehört.

Wobei, wenn man in Leverkusen auf der Brücke des Koi Teichs am Japanischen Gartens steht, bekommt man auf seinem Smartphone die Info : Köln Flittard.

Darum ist es auch immer mal wieder strittig, ob der Japanische Garten nun zu Köln oder zu Leverkusen gehört. Dies nur mal am Rande, denn ich möchte euch demnächst auch etwas mehr über diesen Garten erzählen.

Doch zurück zur Nr. 50, dieser geheimnisvollen Zahl aus Flittard habe ich heute mein Augenmerk gewidmet.

Ich komme vom Schlosspark Stammheim, fahre auf der Egonstraße Richtung Flittard, vorbei an einer Siedlung, die ich demnächst auch einmal genauer anschauen werde. Linkerhand ein neuer Spielplatz. Einer von den modernen, wie sie im Moment in Köln stets angelegt werden, wenn es neue Spielplatzanlagen gibt. Doch ich fahre weiter…

Da! Vor mir auf der rechten Seite taucht es auf, das Gebäude, welches mit der Nr. 50 verbunden ist, wenn auch die Adresse auf Egonstraße 152 lautet. Egon von Fürstenberg Stammheim hatte hier wieder einmal mehr seine Hände im Spiel. Er stiftete Grund und Boden .

Was da vor mir in die Höhe ragt, ist nämlich nichts anderes als der Optische Telegraf Nr. 50 in Flittard.

Optisch? Was heißt denn das?

Bevor man Elektrizität Einzug halten ließ, gab es diese optischen Signalzeichen, wie man sie teilweise noch von der Bundesbahn her kennt. Diese waren damals ein wichtiger Kommunikator, zwischen Berlin und Köln. Um genau zu sein, zwischen Berlin und Koblenz. Flittard war nämlich eine der insgesamt 61 Stationen der Zeigetelegrafenlinie . Mit Fernrohren wurden die codierten Nachrichten, durch ausgebildete Telegrafisten von Station zu Station abgelesen.

Auf einem turmartigen Gebäude wurde ein Signalmast, der 10 m an Höhe hatte, aufgesetzt. Ursprünglich war der Turm höher als heute. Sogenannte Telegramme und Depeschen, meist behördlichen und militärischen Inhalts, wurden dorthin übermittelt. Allerdings auch nur 16 Jahre lang, von 1833 bis 1848, dann hielt auch dort die Elektrizität Einzug.

Ca. 2 bis 3 Telegramme konnten täglich ankommen, wobei im Sommer mehr als im Winter. Die Betriebszeit richtete sich nach der Witterung. So war im Winter manchmal so gut wie gar kein „Empfang“, da Schlechtwetterfronten die Sicht beeinträchtigten. Im Sommer konnte der Bedienstete in der Telegrafenstation oftmals bis zu 6 Stunden arbeiten. Die restliche Zeit konnte er im hauseigenen Nutzgarten verbringen, dessen Fläche Egon Fürstenberg Stammheim großzügigerweise mit zum Grundstück dazu gegeben hatte.

Und von wo kam denn so ein Berliner Telegramm, bevor es zur Nr. 50 in Flittard übermittelt wurde? Und wo ging es dann weiter, wenn es Richtung Koblenz musste?

Der Telegraf 49 war in Leverkusen Schlebusch, der seine Nachrichten vom Telegrafen 48 in Odenthal Blecher empfangen hatte.
War die Botschaft bis Flittard durchgekommen, wurde sie von hier weitergeleitet in die Altstadt , zum Westwerk der Kirche St.Pantaleon, denn dort befand sich für Köln die Station Nr. 51. Von dort wurde Nr. 52 in Niederzündorf signalisiert und dann Telegrafenstation Nr. 53 Richtung Troisdorf in der Wahner Heide anvisiert. Was für eine zeitraubende Arbeit.

Gut, es ist um einiges einfacher geworden. Ich möchte gar nicht tauschen, aber spannend war das alles schon.

Heute ist die alte Telegrafenstation ein Wohnhaus, nachdem sie eine Zeitlang als Museum gedient hatte. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Wenn euch mein Bericht gefallen hat, freu ich mich über Reaktionen und ihr könnt ihn gerne teilen.

Euch allen noch einen schönen Sonntag , eure Elisabeth

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