Max Bruch – Musik ist die Sprache Gottes

Wenn wir uns dem Richmodisturm am Neumarkt nähern, sehen wir automatisch die beiden Pferdeköpfe oben auf dem Turm und schon fällt uns die beliebte Geschichte von Richmodis von Aducht ein. Aber wenn ihr mal zum Turm geht, seht ihr an ihm eine Tafel, die nicht so ins Auge fällt und die vielen wohl noch nie aufgefallen ist. Diese weist auf einen ganz großen Musiker unserer Stadt hin, und doch wird der Name vielen nichts sagen. Auf der eher schlichten Tafel steht:

Geburtsstätte
des rheinischen Tondichters
und Sängers
Max Bruch

  1. Januar 1838

Das war es auch schon. Kurz, knapp und wir stellen uns die Frage, wer war das? Nun, das möchte ich euch jetzt erklären. Allerdings, warum er als Sänger beschrieben wird, kann ich ehrlich gesagt nicht auflösen.

Wie auf der Tafel schon beschrieben, erblickt Max Bruch am 6. Januar 1838 in Köln, im Richmodishaus, das Licht der Welt. Schon sehr früh, als 11 jähriger, tritt der äußerst begabte Junge mit größeren Kompositionen an die Öffentlichkeit, und schon im März 1852 wurde seine erste Sinfonie durch die Philharmonische Gesellschaft in Köln aufgeführt. Am nächsten Tag erscheint in der Rheinischen Zeitung ein Artikel über Max, in dem man ihn mit Mozart und Mendelssohn vergleicht. der junge Max erhält ein Stipendium und studiert in Leipzig und Frankfurt/Main Musik. Am 14. Januar 1858 findet in Köln die Uraufführung seiner ersten Oper, Scherz, List und Rache, statt.

Nach Abschluss seiner Studien arbeitet er ab 1858 für drei Jahre als Musiklehrer in Köln.

Dann geht es rund in seinem Leben und er kommt kaum noch zur Ruhe. Im Jahre 1865 wird er als Musikdirektor nach Koblenz berufen, wo er sein erstes Violinkonzert schrieb. Dieses ist wohl auch sein erfolgreichstes Werk, und jeder Geiger, der etwas auf sich hält, hat es in seinem Programm.

Übrigens regte sich Max Bruch manchmal darüber auf, er fand, er würde nur auf dieses eine Konzert reduziert, konnte es schon bald selbst nicht mehr hören. Überhaupt war er wohl ein, naja, sagen wir mal, streitbarer Geist, so lag er mit seinen Kollegen Richard Wagner und Richard Strauss über Kreuz, da er ihnen vorwarf, sie seien „Kunstverderber“. Dann folgten drei Jahre als Hofkapellmeister in Sondershausen (Thüringen) und eine Zeit in Berlin, wo er als Musiklehrer arbeitete. Von 1880-1883 ist Bruch Direktor der Philharmonic Society in Liverpool, dann Leiter des Breslauer Orchestervereins. Ab 1891 übernimmt er die Meisterschule für Komposition an der Berliner Akademie der Künste. 1894 erhält er die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge. Ab 1899 ist er Mitglied in der Direktion der Berliner Akademie der Künste.

Mein lieber Herr Gesangsverein, ein bewegtes Leben, oder?

Max Bruch scheidet 1910 aus der Akademie aus und widmet sich nun ganz der kompositorischen Tätigkeit. Zu seinen in der gesamten Musikwelt anerkannten Werken zählen Opern, Symphonien, Chorwerke und Lieder.
1918 dann die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Berliner Universität.

Am 02.10.1920 erleidet er einen Schlaganfall und stirbt in Berlin. Auf seinem Grabstein steht „Musik ist die Sprache Gottes“. Er liegt in Berlin-Schöneberg begraben und seit 1986 ist sein Grab ein Ehrengrab der Stadt Berlin. In Köln tut man sich da etwas schwerer, erst sehr spät konnte man sich durchringen, eine Nebenstraße der Dürener Straße in Hohenlind nach ihm zu benennen.

Zweifellos war Max Bruch einer der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit. Seine romantischen Chorwerke wie Frithjof (1864), Das Lied von der Glocke (1878), Odysseus oder seine Oper Loreley (1863) sind Meisterwerke, aber in Verbindung gebracht wird er natürlich mit seinem 1. Violinkonzert in g-Moll.

Max Bruch hatte das große Glück, von seinen Eltern gefördert zu werden, sie hatten sein Talent wohl schnell erkannt. Max selber gab auch eine kleine Anekdote über seinen Vater gerne zum besten:

…„Eines Tages erschien auch ein kleiner beweglicher Geschäftsmann mit einem lang aufgeschossenen Knaben in der Amtsstube des Vaters und sagte: ‚Erlauben Sie mir, verehrtester Herr Rat, Ihnen meinen Sohn vorzustellen, er spielt sehr schön Cello – ein großes Talent – jetzt soll er nach Paris!‘ Dieser Junge war Jacques Offenbach“…
Noch ein ganz großer, über den wir natürlich auch noch berichten werden.

Neben der Tafel am Richmodisturm ist auch eine Figur von ihm am Rathausturm zu finden und in Bergisch Gladbach gibt es in der Fußgängerzone sogar ein Denkmal. Auch in Berlin gibt es eine Gedenktafel an seinem früheren Wohnhaus und in vielen Städten sind Straßen nach ihm benannt.

Max Bruch, ein großer Komponist seiner Zeit, in Köln leider fast vergessen.

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